Kurz gesagt: Die canine multifokale Retinopathie Typ 1 (CMR1) beim Cane Corso Italiano geht auf eine rezessive Variante im Gen BEST1 (c.73C>T, R25X) zurück. Sie erzeugt kleine, blasenartige Netzhautherde, ist aber meist mild und nicht fortschreitend — das Sehen bleibt in der Regel erhalten, es ist keine erblindende Krankheit. Träger sind klinisch gesund. Der DNA-Test meldet nur den Status (frei/Träger/betroffen), nicht ob Läsionen vorliegen; die tatsächlichen Herde bestätigt eine Augen-Fachtierärztin oder ein Augen-Fachtierarzt per Funduskopie.
- Was CMR und BEST1 sind: der Bestrophin-1-Chloridkanal im RPE
- Was die Herde sind und warum sie meist mild bleiben
- cmr1 vs. cmr2 vs. cmr3 — der Subtyp zählt
- Frei, Träger, betroffen — und die Zuchtmathematik
- Was der Test kann und was nicht (der Augenarzt bestätigt)
- Häufige Fragen (FAQ)
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Was CMR und BEST1 sind: der Bestrophin-1-Chloridkanal im RPE
BEST1 kodiert das Protein Bestrophin-1, einen kalziumaktivierten Chlorid-Ionenkanal. Dieser Kanal sitzt im retinalen Pigmentepithel (RPE) — der Stützzellschicht direkt hinter den Photorezeptoren, die den Ionen- und Flüssigkeitshaushalt der Netzhaut reguliert. Fällt der Kanal aus, gerät genau dieser Haushalt aus dem Gleichgewicht. Die Erstbeschreibung durch Guziewicz und Kollegen (2007) ordnete diese Netzhauterkrankung erstmals dem BEST1-Gen zu.
Was die Herde sind und warum sie meist mild bleiben
LenaUnd diese Herde — sind die gefährlich für die Augen? Jonas ReuterMeist nicht. Bei der caninen CMR treten die Herde jung auf (etwa 11–16 Wochen), sind oft mild und nicht fortschreitend; das Sehen bleibt in der Regel erhalten.Weil der Chloridkanal gestört ist, sammelt sich Flüssigkeit zwischen dem RPE und der Photorezeptorschicht an. Dadurch entstehen diskrete, blasenartige Mikro-Abhebungen — die „multifokalen” hellbraun, rosa oder grau erscheinenden Herde, die eine Augenspiegelung (Funduskopie) sichtbar macht. Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Es handelt sich um einen zuchtrelevanten Netzhautbefund, nicht um eine erblindende Krankheit. Die canine CMR gilt sogar als das anerkannte natürliche Tiermodell für die humane Best’sche vitelliforme Makuladystrophie (Morbus Best) — dasselbe Gen, derselbe Kanal — und wird in der humanen Gentherapieforschung genutzt (Guziewicz et al., PNAS 2018).
cmr1 vs. cmr2 vs. cmr3 — der Subtyp zählt
LenaGibt es beim Test verschiedene CMR-Varianten? Jonas ReuterJa, drei. Zangerl, Guziewicz et al. 2010 (Mol Vis 16:2791) bestätigten, dass der Cane Corso die R25X-Variante von cmr1 trägt — nicht cmr2 oder cmr3.Für den Cane Corso ist ausschließlich cmr1 mit der Variante c.73C>T (p.Arg25Ter, R25X) relevant — ein vorzeitiges Stopcodon in BEST1, autosomal-rezessiv vererbt. Die anderen beiden Subtypen betreffen andere Varianten und andere Rassen: cmr2 (c.482G>A) beim Coton de Tuléar und cmr3 (c.1388del) beim Lapplandhund. Wer einen Cane Corso testet, sollte deshalb gezielt den cmr1-Test wählen. Die rassespezifische Bestätigung liefert Zangerl, Guziewicz et al. (2010); der Genotyp-Eintrag ist unter OMIA:001444-9615 dokumentiert.
Frei, Träger, betroffen — und die Zuchtmathematik
LenaMeine Schwester will vielleicht mal züchten — was bedeutet der Status für den Wurf? Jonas ReuterBei autosomal-rezessivem Erbgang gibt ein Träger die Variante an etwa 50 % der Nachkommen weiter. Nur zwei Kopien führen zum betroffenen Genotyp.Weil CMR1 rezessiv ist, entwickeln nur betroffene Hunde mit zwei Kopien der Variante überhaupt Läsionen — und selbst diese meist mild und oft nicht fortschreitend, mit in der Regel erhaltenem Sehen. Träger mit einer Kopie sind klinisch gesund, geben die Variante aber statistisch an rund 50 % ihrer Nachkommen weiter. Die entscheidende Zuchtregel lautet daher: Träger × Träger vermeiden. Paart man einen Träger mit einem freien Hund, entstehen keine betroffenen Welpen — der Status wird zum Werkzeug, nicht zum Ausschlusskriterium.
Was der Test kann und was nicht (der Augenarzt bestätigt)
LenaSagt der DNA-Test dann, ob mein Neffe — also der Hund — wirklich Herde hat? Jonas ReuterNein. Der Test meldet nur den Genotyp — frei, Träger oder betroffen. Ob echte Läsionen da sind, bestätigt eine Augen-Fachtierärztin per Funduskopie (ECVO/OFA-Eye).Ein DNA-Test ist eine Statusinformation, keine Diagnose: Er sagt frei, Träger oder betroffen — also welchen Genotyp der Hund hat, nicht ob tatsächlich Netzhautherde vorliegen. Ein „betroffener Genotyp” muss deshalb immer mit einer Augenuntersuchung gekoppelt werden, die die tatsächlichen Läsionen bestätigt. Diese Untersuchung führt eine Augen-Fachtierärztin oder ein Augen-Fachtierarzt per Funduskopie durch (ECVO-Untersuchung bzw. OFA-Eye). Der genetische Test bleibt damit vor allem zweierlei: Information und Zuchtwerkzeug, um die Verpaarung Träger × Träger zu vermeiden.
| Subtyp | Variante (BEST1) | Proteinänderung | Betroffene Rassen |
|---|---|---|---|
| cmr1 | c.73C>T | p.Arg25Ter (R25X) | Molosser-Rassen, u. a. Cane Corso Italiano |
| cmr2 | c.482G>A | p.Gly161Asp (G161D) | Coton de Tuléar |
| cmr3 | c.1388del | Frameshift | Lapplandhund |
Häufige Fragen (FAQ)
Q. Wird mein Hund durch CMR1 blind?
In aller Regel nicht. Die canine CMR ist meist mild und nicht fortschreitend, und das Sehen bleibt normalerweise erhalten. Sie ist ein zuchtrelevanter Netzhautbefund, keine erblindende Krankheit — selbst betroffene Hunde behalten meist ihr Sehvermögen.
Q. Mein Cane Corso ist „Träger” — muss ich mir Sorgen machen?
Nein, gesundheitlich nicht. Ein Träger hat nur eine Kopie der Variante, ist klinisch gesund und entwickelt keine Läsionen. Relevant ist der Status nur für die Zucht: einen Träger nicht mit einem anderen Träger verpaaren, sondern mit einem freien Hund.
Q. Ist der Cane Corso in Deutschland überhaupt betroffen?
Der Cane Corso Italiano („italienische Dogge”) ist VDH/FCI-anerkannt und gehört zu den beliebteren großen Rassen mit aktivem deutschen Rasseklub. Die Rasse trägt nachweislich die cmr1-Variante (R25X); eine begutachtete Populationshäufigkeit für Deutschland liegt jedoch nicht verlässlich vor.
Q. Ersetzt der DNA-Test die Augenuntersuchung?
Nein. Der DNA-Test liefert den genetischen Status, nicht den Befund. Ob echte Herde vorhanden sind, bestätigt ausschließlich eine Augen-Fachtierärztin oder ein Augen-Fachtierarzt per Funduskopie (ECVO/OFA-Eye). Beides ergänzt sich.
Quellen
- Guziewicz KE et al. 2007, Invest Ophthalmol Vis Sci 48(5):1959 (PMID 17460247): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1931491/
- Zangerl B, Guziewicz KE et al. 2010, Mol Vis 16:2791 (PMID 21197113) — Cane Corso trägt die R25X-cmr1-Variante: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3008713/
- OMIA:001444-9615 (BEST1, cmr1): https://omia.org/OMIA001444/9615/
- Cane Corso Italiano im VDH-Rasselexikon: https://welpen.vdh.de/hunderassen/rasselexikon/ergebnis/cane-corso-italiano
Titelbild: Cane Corso von Cuccuiu, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Multifokale Retinopathie (BEST1) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet.
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
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Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
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