Weimaraner und Hyperurikosurie (HUU / SLC2A9): Gentest und Vorbeugung von Uratsteinen

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Kurz gesagt: Der Weimaraner trägt beim Gen SLC2A9 die HUU-Variante (Hyperurikosurie) mit der höchsten publizierten Häufigkeit aller untersuchten Rassen – rund 25 % Träger. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv: Nur betroffene Hunde (zwei Kopien) haben erhöhte Harnsäure und ein Uratstein-Risiko, Träger (eine Kopie) sind klinisch gesund. Der DNA-Test meldet frei/Träger/betroffen als genetische Risikoinformation, keine Diagnose. Vorbeugung: purinarme Ernährung und reichlich Wasser.

Was HUU und SLC2A9 (GLUT9) sind

Diese Seite enthält Affiliate-Werbung. Sie ist eine informative Zusammenfassung veröffentlichter, begutachteter Evidenz und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Bei Symptomen oder Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte stets an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
LenaLenaDer Weimaraner von meinem Cousin soll auf „HUU” getestet werden – was heißt das überhaupt? Jonas ReuterJonas ReuterHUU steht für Hyperurikosurie – zu viel Harnsäure im Urin. Sie geht auf eine Variante im Gen SLC2A9 zurück, die Bannasch et al. 2008 in PLoS Genetics erstmals beschrieben haben.

Hyperurikosurie (HUU) bezeichnet eine erhöhte Ausscheidung von Harnsäure über den Urin, oft begleitet von erhöhter Harnsäure im Blut (Hyperurikämie). Ursächlich ist eine Missense-Variante im Gen SLC2A9: p.Cys188Phe (auf DNA-Ebene c.563G>T, also eine G→T-Änderung). Dieselbe Variante wird in einer Bulldog-Publikation als Cys181Phe geführt – das ist nur eine andere Nummerierung derselben SNP; die Bezeichnung p.Cys188Phe ist vorzuziehen. In der Datenbank OMIA ist sie als OMIA:001033-9615 katalogisiert. Erstbeschrieben wurde der genetische Zusammenhang von Bannasch und Kollegen 2008 in PLoS Genetics.

SLC2A9 codiert den Transporter GLUT9, der Harnsäure (Urat) in Leber und Niere transportiert. Normalerweise wandelt die Leber Harnsäure in gut lösliches Allantoin um, und die Niere resorbiert einen Teil des Urats zurück. Die Variante stört diese Transportfunktion – das ist die molekulare Grundlage von HUU.

Von hoher Harnsäure zu Uratsteinen (Mechanismus)

LenaLenaUnd warum wird daraus dann ein Problem mit Steinen? Jonas ReuterJonas ReuterWeil überschüssige Harnsäure im Urin zu Uratkristallen und -steinen auskristallisiert – meist in der Blase, seltener in der Niere; das beschreibt auch das Riney Canine Health Center von Cornell.

Wenn GLUT9 durch die Variante p.Cys188Phe nicht richtig funktioniert, wird weniger Harnsäure in lösliches Allantoin umgewandelt und weniger Urat rückresorbiert. Die Folge ist viel Harnsäure im Urin (Hyperurikosurie) und im Blut (Hyperurikämie). Übersteigt die Harnsäurekonzentration die Löslichkeit, kristallisiert sie aus und bildet Uratsteine (Harnsteine), typischerweise in der Blase, manchmal in der Niere. Solche Steine können Beschwerden verursachen und müssen unter Umständen operativ entfernt werden.

Weil der gesamte Prozess dem Purinstoffwechsel entspringt – Harnsäure ist ein Abbauprodukt von Purinen –, setzen Vorbeugung und Management genau dort an: eine purinarme (insbesondere organfleischarme) Ernährung und reichlich Wasser verringern Konzentration und Übersättigung im Urin.

frei · Träger · betroffen, Häufigkeit beim Weimaraner (0,150) und Zucht

LenaLenaIst die Variante beim Weimaraner denn besonders häufig? Jonas ReuterJonas ReuterJa, am häufigsten von allen untersuchten Rassen: Karmi et al. 2010 fanden eine Allelfrequenz von 0,150, also rund 25 % Träger und etwa 2 % betroffene Hunde.

HUU wird autosomal-rezessiv vererbt. Jeder Hund hat zwei Kopien des Gens; entscheidend ist, wie viele davon die Variante tragen:

  • frei (keine Kopie): kein durch diese Variante bedingtes Risiko, gibt die Variante nicht weiter.
  • Träger (eine Kopie): klinisch gesund, bildet durch diese Variante keine Steine, kann sie aber vererben.
  • betroffen (zwei Kopien): erhöhte Harnsäure und erhöhtes Uratstein-Risiko.

Karmi et al. berichteten 2010 im Journal of Veterinary Internal Medicine für den Weimaraner eine mutante Allelfrequenz von 0,150 – die höchste publizierte HUU-Allelfrequenz aller polymorphen Rassen. Daraus ergeben sich rechnerisch etwa 25,4 % Träger und rund 2,2 % betroffene Hunde. Deshalb wird der HUU-Test für den Weimaraner unter anderem über den Weimaraner Club of America bzw. das CHIC-Programm empfohlen.

Rasse Mutante Allelfrequenz (Karmi et al. 2010)
Weimaraner 0,150
Giant Schnauzer (Riesenschnauzer) 0,056
Pomeranian (Zwergspitz) 0,005

Für die Zucht bedeutet das: Ein DNA-Test vor der Verpaarung erlaubt es, die Kombination Träger × Träger zu vermeiden, aus der statistisch betroffene Welpen hervorgehen können. Ein Träger muss nicht aus der Zucht genommen werden – er sollte nur nicht mit einem anderen Träger oder einem betroffenen Hund verpaart werden.

Diagnostik und Vorbeugung (Urin, Ultraschall, radioluzente Steine, purinarm)

LenaLenaSieht man solche Steine denn im Röntgen? Jonas ReuterJonas ReuterOft nicht – Westropp et al. 2017 erkannten im nativen Röntgen nur etwa 32 % der Uratstein-Fälle, weshalb Ultraschall bevorzugt wird.

Uratsteine sind häufig röntgennegativ (radioluzent). In der Untersuchung von Westropp et al. 2017 wurden im nativen Röntgen nur rund 32 % der Uratstein-Fälle erkannt – deshalb ist die Ultraschalluntersuchung das bevorzugte bildgebende Verfahren. Die tierärztliche Abklärung stützt sich zudem auf die Urinuntersuchung (Nachweis von Uratkristallen) und die Ernährungsanamnese.

Zur Vorbeugung und zum Management empfiehlt sich – wie das Riney Canine Health Center von Cornell beschreibt – eine purinarme (organfleischarme) Ernährung und eine hohe Flüssigkeitsaufnahme, um den Urin zu verdünnen. Diese Maßnahmen ersetzen keine tierärztliche Behandlung, verringern aber die Übersättigung des Urins mit Harnsäure.

Was der Test kann und was nicht

LenaLenaHeißt ein Ergebnis „betroffen” dann, dass mein Cousins Hund schon Steine hat? Jonas ReuterJonas ReuterNein – der Test meldet nur frei/Träger/betroffen als Risikoinformation; ob tatsächlich Steine vorliegen, klärt die Tierärztin per Urinuntersuchung und Bildgebung.

Der DNA-Test auf die SLC2A9-Variante liefert genetische Risikoinformation – frei, Träger oder betroffen –, aber keine Diagnose. Ein Ergebnis „betroffen” bedeutet ein erhöhtes Risiko, nicht das gesicherte Vorliegen von Uratsteinen. Ob und wann sich Steine bilden, hängt von weiteren Faktoren ab und wird tierärztlich per Urinuntersuchung, Bildgebung (Ultraschall bevorzugt, da Uratsteine oft radioluzent sind) und Diätmanagement festgestellt und behandelt.

Wichtig ist außerdem: SLC2A9 ist nicht die einzige Ursache für Uratsteine. Auch ein portosystemischer Shunt, Lebererkrankungen und die Ernährung tragen bei. Der Nutzen des Tests liegt daher in dreierlei: als Information, als Anlass für eine vorbeugende purinarme Ernährung und gute Hydratation, und als Zuchtwerkzeug, um die Verpaarung zweier Träger zu vermeiden.

Häufige Fragen (FAQ)

Q. Mein Weimaraner ist Träger – wird er Steine bekommen?
Nein. Träger haben nur eine Kopie der Variante, sind klinisch gesund und bilden durch diese Variante keine Uratsteine. Nur betroffene Hunde mit zwei Kopien haben ein erhöhtes Risiko. Ein Träger kann die Variante allerdings an Nachkommen weitergeben.

Q. Was kann ich zur Vorbeugung über die Ernährung tun?
Eine purinarme, insbesondere organfleischarme Ernährung und reichlich Wasser verringern die Harnsäurekonzentration im Urin und damit das Auskristallisieren. Diese Maßnahmen ersetzen keine tierärztliche Betreuung – besprich das Fütterungskonzept mit deiner Tierärztin.

Q. Warum sieht man Uratsteine im Röntgen oft nicht?
Uratsteine sind meist radioluzent (röntgennegativ). In der Studie von Westropp et al. 2017 wurden im nativen Röntgen nur etwa 32 % der Fälle erkannt, weshalb der Ultraschall das bevorzugte bildgebende Verfahren ist.

Q. Ersetzt der DNA-Test den Tierarztbesuch?
Nein. Der Test liefert frei/Träger/betroffen als genetische Risikoinformation, keine Diagnose. Ob tatsächlich Steine vorliegen, klärt und behandelt die Tierärztin per Urinuntersuchung, Bildgebung und Diät.

Quellen

So lassen Sie Ihr Tier testen

Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Innerhalb der EU / in Deutschland

Wisdom Panel Premium
Cheek swab; 265+ conditions including MDR1 and DM (SOD1).
Orivet
Standalone tests incl. MDR1 (ivermectin sensitivity) and Degenerative Myelopathy (DM). Serves many countries.
WSU PrIMe / VCPL (discovered MDR1)
Dr. Mealey’s lab — the group that discovered ABCB1-1Δ. Direct-to-owner MDR1 test. DM: verify.
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Wangenabstrich; Panel inkl. MDR1 und DM (SOD1).
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Österreich (Marke dna-test-hund.de für DE). MDR1-Defekt einzeln oder im Rassetest. DM: bitte prüfen.
Laboklin
Fachlabor. MDR1-Genvariante sowie DM (beide SOD1-Varianten c.118G>A / c.52A>T, u. a. Berner Sennenhund). Einsendung über die Tierarztpraxis.

Außerhalb der EU

Embark (Breed + Health)
Cheek swab; multi-condition health panel that includes MDR1 and DM (SOD1).
Basepaws Dog DNA
Dog health panel includes MDR1. DM (SOD1): verify on the product page.
Orivet
Standalone tests incl. MDR1 (ivermectin sensitivity) and Degenerative Myelopathy (DM). Serves many countries.
Paw Print Genetics
Clinical-grade lab; standalone MDR1. Other conditions incl. DM: verify on the product page.

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Über den Autor

Jonas Reuter

Jonas Reuter

Redaktion & Text (kein Tierarzt)

Autor mit molekularbiologischem Hintergrund und langjähriger Hunde- und Katzenhalter. Kein Tierarzt – er übersetzt begutachtete Genetik-Forschung und Primärdaten in verständliche Sprache, stets als Information und nicht als Diagnose.

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