Kurz gesagt: Die Britisch Kurzhaar zählt zu den beliebtesten Katzenrassen in Deutschland und war 2024 die zweithäufigste Rassekatze. Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist die häufigste Herzerkrankung der Katze, und die Britisch Kurzhaar gilt als HCM-prädisponiert. Wichtig ist jedoch: Für die Britisch Kurzhaar gibt es keinen rassespezifischen Gentest. Die bekannten MYBPC3-DNA-Tests sind rassegebunden (Maine Coon A31P, Ragdoll R820W) und wurden nicht für die BKH validiert. Ein negatives Testergebnis schließt eine HCM bei einer Britisch Kurzhaar daher nicht aus. Der Hauptpfeiler der Vorsorge bleibt deshalb die echokardiografische Untersuchung – der Herzultraschall beim Tierarzt oder Kardiologen. Ein DNA-Test liefert Information über ein mögliches Risiko, ersetzt aber keine Diagnose. Die klinische Diagnose einer HCM stellt ausschließlich die Tierärztin oder der Tierarzt.
Was MYBPC3 und HCM sind
MYBPC3 ist das Gen, das den Bauplan für das kardiale Myosin-bindende Protein C liefert. Dieses Protein wirkt wie ein Gerüst innerhalb des Herzmuskels und hilft, die Kontraktion der Muskelfasern zu steuern und zu stabilisieren. Verändert sich der Bauplan, kann das Zusammenspiel der Muskelfasern gestört sein.
Bei der hypertrophen Kardiomyopathie verdickt sich die Wand der linken Herzkammer abnorm. Der Muskel wird dadurch steifer, die Kammer kann sich schlechter mit Blut füllen, und die Pumpleistung leidet. Studien berichten, dass bestimmte MYBPC3-Varianten mit dieser Verdickung assoziiert sind.
Die Britisch Kurzhaar und HCM
LenaWarum gibt es für Maine Coon einen Test, für die Britisch Kurzhaar aber nicht? Jonas ReuterBei Maine Coon und Ragdoll haben Studien konkrete MYBPC3-Varianten beschrieben. Für die BKH ist keine solche Mutation validiert – die genetische Basis ist dort noch nicht geklärt.Die Britisch Kurzhaar gilt in der tierärztlichen Praxis als Rasse, die für HCM prädisponiert ist. Das bedeutet, dass die Erkrankung in dieser Population beobachtet wird – nicht, dass jede BKH erkrankt.
Anders als bei Maine Coon und Ragdoll wurde für die Britisch Kurzhaar bislang keine spezifische, validierte HCM-Mutation identifiziert. Die HCM ist genetisch komplex, und in vielen Rassen sind die zugrunde liegenden Varianten noch nicht bekannt. Deshalb existiert für die BKH derzeit kein rassespezifischer Gentest, dessen Aussagekraft belegt wäre.
Warum HCM wichtig ist
LenaWenn die Katze fit wirkt, kann sie dann trotzdem HCM haben? Jonas ReuterJa, das ist typisch. Die Erkrankung ist oft lange stumm, deshalb wird in der Kardiologie das echokardiografische Screening empfohlen, um Veränderungen früh zu sehen.HCM verläuft anfangs oft still. Viele Katzen zeigen lange keine Symptome, obwohl das Herz bereits verändert ist. Gerade das macht die Erkrankung tückisch.
Im weiteren Verlauf kann HCM zu einer Herzinsuffizienz führen, zu einer arteriellen Thromboembolie (dem gefürchteten „Sattelthrombus”, der die hinteren Gliedmaßen lähmt) oder in manchen Fällen zum plötzlichen Tod. Weil frühe Anzeichen fehlen, ist ein regelmäßiges Screening per Herzultraschall der sinnvollste Weg, Veränderungen früh zu erkennen.
Was der (rassespezifische) DNA-Test aussagt
LenaAlso ist ein negativer Test bei einer BKH kein Freibrief? Jonas ReuterGenau. Die Tests sind für Maine Coon und Ragdoll validiert, zudem ist die Penetranz unvollständig. Bei einer BKH sagt ein negatives Ergebnis wenig über das tatsächliche Risiko aus.Die validierten MYBPC3-Tests für Maine Coon (A31P) und Ragdoll (R820W) geben an, ob ein Tier die jeweilige Variante trägt. Sie beschreiben damit ein statistisches Risiko innerhalb dieser Rasse – keine Diagnose. Bei den getesteten Rassen ist die Penetranz unvollständig: Nicht jede Katze mit der Variante entwickelt eine HCM, und Katzen ohne die Variante können dennoch erkranken.
Für eine Britisch Kurzhaar ist ein solcher Test rassefremd. Ein negatives Ergebnis bedeutet hier keine Entwarnung, weil der Test nicht für die BKH validiert wurde und andere, unbekannte Varianten eine Rolle spielen können. Der DNA-Test bleibt Information über ein mögliches Risiko, keine Diagnose.
Der praktische Weg für BKH-Halter
LenaWas ist dann der beste erste Schritt für meine Britisch Kurzhaar? Jonas ReuterEin Herzultraschall beim Tierarzt oder Kardiologen. In der Kardiologie gilt die Echokardiografie als tragende Säule der HCM-Vorsorge – ein DNA-Panel ist bestenfalls Zusatzinfo.Für Halterinnen und Halter einer Britisch Kurzhaar ist die echokardiografische Vorsorge der wichtigste Baustein. Ein Herzultraschall bei einer erfahrenen Tierärztin oder einem Kardiologen kann Wandverdickungen sichtbar machen, bevor Symptome auftreten. Über Rhythmus und Häufigkeit der Kontrollen berät das behandelnde Team individuell.
DNA-Panels können als Zusatzinformation sinnvoll sein, etwa in der Zuchtplanung – sie ersetzen aber weder Untersuchung noch Diagnose. Entscheidend bleibt die tierärztliche Begleitung, die genetische Hinweise und klinische Befunde zusammenführt.
Häufige Fragen
Q. Gibt es einen HCM-Gentest speziell für die Britisch Kurzhaar?
Nein. Für die Britisch Kurzhaar ist bislang keine spezifische, validierte HCM-Mutation bekannt, daher existiert kein rassespezifischer Gentest mit belegter Aussagekraft.
Q. Was bringt ein Maine-Coon- oder Ragdoll-Test bei einer BKH?
Wenig Verlässliches. Diese Tests sind für die jeweilige Rasse validiert und für die BKH rassefremd. Ein Ergebnis lässt sich nicht sinnvoll auf eine Britisch Kurzhaar übertragen.
Q. Wie erkenne ich HCM dann?
Über die echokardiografische Untersuchung, den Herzultraschall beim Tierarzt oder Kardiologen. Sie kann Veränderungen sichtbar machen, auch wenn die Katze noch keine Symptome zeigt.
Q. Ist ein Ergebnis lebenslang gültig?
Ein DNA-Ergebnis ändert sich nicht, sagt aber nichts über den aktuellen Herzstatus aus. Die HCM kann sich mit der Zeit entwickeln, deshalb bleiben regelmäßige Herzultraschall-Kontrollen nach tierärztlicher Empfehlung wichtig.
Literatur
- Meurs KM, et al. (2005) MYBPC3 mutation in the Maine Coon cat (HCM). Hum Mol Genet 14(23):3587-3593. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16236761/
- Meurs KM, et al. (2007) MYBPC3 substitution in Ragdoll HCM. Genomics 90(2):261-264. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17521870/
- Kittleson MD, Côté E. (2021) The Feline Cardiomyopathies. J Feline Med Surg. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34693838/
Titelbild: Britisch Kurzhaar von W2k2, CC BY 4.0 (Wikimedia Commons).
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich HCM (MYBPC3) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet.
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