Fazit: Beim Australian Shepherd (Standardgröße) wurde die CNGB3-Deletion, die beim Alaskan Malamute Tagblindheit (Zapfendegeneration, Achromatopsie) auslöst, in veröffentlichten Screenings bisher nicht gefunden – weder bei 118 Hunden aus 22 Ländern (Yeh et al. 2013) noch bei 2.295 Aussies in einer Panel-Studie mit über einer Million Hunden (Donner et al. 2023). Dass Labore die Rasse trotzdem führen, geht auf den eng verwandten Miniature American Shepherd zurück. Für den deutschsprachigen Raum wichtig: Der LABOKLIN-Test 8780 prüft nur die Punktmutation des Deutsch Kurzhaar. Wer die Deletion prüfen lassen will, braucht einen anderen Test (etwa Feragen, Genomia oder CombiBreed, 49–58 €). Weder der CASD (VDH) noch der ÖKV oder der ASCS/die SKG verlangen ihn. Ein Gentest ist eine Risikoinformation, keine Diagnose: Fällt Ihr Hund im Hellen auf, gehört er zur Tierärztin oder zum Tierarzt und gegebenenfalls zur Elektroretinographie (ERG) bei einer Augenspezialistin.
- Gelistet, aber nie gefunden: was zwei Screenings beim Aussie zeigen
- Der Verwandte mit dem Befund: Miniature American Shepherd
- Zapfendegeneration kompakt – und eine Begriffsfalle im Deutschen
- Welches Labor prüft welche Variante? Ein Abgleich der Angebote
- Pflichttests im CASD, beim ÖKV und im ASCS: eine Leerstelle mit System
- Ein negatives Ergebnis richtig einordnen
- Warum der Augentest beim DOK nichts findet – und was dann hilft
- Was der Test in Euro kostet und was die Police dazu sagt
- Häufige Fragen
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Gelistet, aber nie gefunden: was zwei Screenings beim Aussie zeigen
Am Anfang steht ein Satz des Veterinary Genetics Laboratory der University of California, Davis: Der Australian Shepherd wird dort als Testrasse geführt, mit dem Zusatz, Aussies seien „may also be at risk“ – möglicherweise ebenfalls gefährdet. Ausdrücklich empfohlen wird der Test nur für Deutsch Kurzhaar, Alaskan Malamute, Miniature American Shepherd, Siberian Husky und Alaskan Sled Dogs. Der Aussie ist also genannt, aber nicht empfohlen.
Was die Forschung dazu beigetragen hat, ist überschaubar und eindeutig. Yeh et al. (2013, BMC Genetics) untersuchten 118 Australian Shepherds aus 22 Ländern in zwölf DNA-Pools, wobei die Hunde innerhalb einer Rasse keine gemeinsamen Großeltern hatten. Ergebnis: Das Deletionsallel war beim Aussie nicht nachweisbar – ebenso wie bei 60 Samojeden. Gefunden wurde es dagegen bei einem Siberian Husky und drei Alaskan Sled Dogs.
Zehn Jahre später kam der zweite, viel größere Datensatz. Donner et al. (2023, PLoS Genetics) werteten die Genotypen von 1.054.293 Hunden aus über 150 Ländern aus, die mit einem kommerziellen Panel getestet worden waren. In der Rassetabelle der Studie haben nur drei reinrassige Gruppen überhaupt eine von null verschiedene Allelfrequenz für die Deletion: Alaskan Malamute (0,00496 bei 504 Hunden), Siberian Husky und American Staffordshire Terrier. Für den Australian Shepherd steht bei 2.295 Hunden eine Allelfrequenz von 0. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Alle Autorinnen und Autoren sind Beschäftigte des Panel-Anbieters (Wisdom Panel), und „reinrassig“ ist in dieser Studie genetisch definiert – mindestens sieben von acht Urgroßeltern derselben Rasse –, nicht über eine Ahnentafel.
Auch die Datenbank OMIA (Online Mendelian Inheritance in Animals), das Referenzverzeichnis für Erbkrankheiten bei Tieren, führt den Standard-Aussie nicht. Ihre Rassenliste für diesen Eintrag umfasst Alaskan Husky, Alaskan Malamute, Miniature Australian Shepherd und Siberian Husky.
LenaNull Treffer bei über 2.000 Hunden – kann mein Aussie die Deletion also nicht tragen? Jonas ReuterDoch, theoretisch. Null unter 2.295 Aussies heißt, dass die Variante in dieser Stichprobe fehlte oder sehr selten ist. Ob Ihr Hund sie trägt, klärt nur sein eigener Test.Bemerkenswert ist, was in Europa fehlt. Eine große europäische Aussie-Erhebung, Majchrakova et al. (2023, PLOS ONE), fasst die Ergebnisse von 2.595 Australian Shepherds zusammen, die zwischen 2012 und 2022 in einem slowakischen Diagnostiklabor getestet wurden – darunter 148 Hunde aus Deutschland im CEA-Test. Untersucht wurden CEA, CMR1, erblicher Katarakt (HSF4), prcd-PRA, degenerative Myelopathie und die Stummelrute. Die Zapfendegeneration war nicht Teil des Panels. Für den deutschsprachigen Raum gibt es damit keine veröffentlichten Zahlen zur Deletion beim Aussie – eine Datenlücke, kein Beleg für Abwesenheit.
Der Verwandte mit dem Befund: Miniature American Shepherd
Warum taucht der Aussie dann überhaupt auf Testlisten auf? Die Antwort liegt eine Größe kleiner. Yeh et al. beschreiben den Miniature American Shepherd (MAS) als Rasse, die ab den späten 1960er-Jahren durch Selektion kleiner Australian Shepherds entstanden ist. Und beim MAS wurde die Deletion tatsächlich gefunden – inklusive eines betroffenen Hundes mit dokumentiertem Krankheitsbild.
Der Fall zeigt, wie unauffällig die Erkrankung in der Sprechstunde wirkt. Die Sehstörung fiel mit etwa drei Monaten auf; untersucht wurde der Hund mit fünf und zwölf Monaten. Der Augenhintergrund war normal. Auffällig wurde erst die Prüfung mit farbigem Licht: Auf rotes Licht reagierten die Pupillen kaum, auf blaues normal. Das ERG zeigte dann das typische Muster – Zapfenantwort erloschen, Stäbchenantwort erhalten. Genetisch trug der Hund dieselbe Deletion mit denselben Bruchpunkten wie Alaskan Malamute, Siberian Husky und die Schlittenhunde.
Wie häufig die Variante beim MAS ist, bleibt allerdings offen, und hier widersprechen sich die Daten. Yeh et al. schätzten aus einer Pool-Analyse von 49 MAS eine Allelfrequenz von 2 %. Bei Donner et al. liegt sie für 1.476 MAS bei 0. Die Stichproben unterscheiden sich in Herkunft, Größe und Methode – Pool-Schätzung gegenüber Einzeltypisierung –, sodass beide Zahlen nebeneinander stehen müssen. Keine davon lässt sich auf den Standard-Aussie übertragen.
Organisatorisch sind beide Rassen getrennt. Die FCI führt den Australian Shepherd unter Standard Nr. 342 (endgültig anerkannt 2007) und den Miniature American Shepherd unter Nr. 367, der seit 2019 vorläufig anerkannt ist. Die VDH-Welpenstatistik zeigt die unterschiedliche Größenordnung: 2025 fielen in VDH-Vereinen 493 Aussie-Welpen und 154 MAS-Welpen; der MAS erscheint dort erstmals 2019 mit 13 Welpen. Wer einen MAS oder einen Aussie mit MAS in der Ahnentafel übernimmt, bewegt sich näher an dem Zweig, in dem die Deletion dokumentiert ist.
Zapfendegeneration kompakt – und eine Begriffsfalle im Deutschen
Das Wichtigste zur Erkrankung in einem Absatz: CNGB3 kodiert die Beta-Untereinheit eines Ionenkanals in den Zapfen, den Photorezeptoren für Tageslicht- und Farbsehen. Beim Hund sind zwei Defekte beschrieben (Sidjanin et al. 2002): eine Deletion des gesamten Gens in Linien mit Malamute-Herkunft und eine Punktmutation (D262N) beim Deutsch Kurzhaar. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv. Betroffene Welpen zeigen ab etwa 8 bis 12 Wochen Tagblindheit und Lichtscheu, während das Sehen in der Dämmerung erhalten bleibt. Der Augenhintergrund bleibt laut Dufour und Aguirre (2024) mindestens bis zum vierten Lebensjahr unauffällig; gesichert wird die Diagnose über das ERG. Eine Behandlung gibt es nicht. Gentherapie stellte in zwei Hundemodellen die Zapfenfunktion wieder her, bei jungen Hunden stabil über mindestens 33 Monate (Komáromy et al. 2010). Beim Menschen zeigte eine erste Gentherapie-Studie mit 23 Teilnehmenden jedoch kein einheitliches Wirkmuster (Michaelides et al. 2023), und der beim Hund hilfreiche Wachstumsfaktor CNTF verbesserte die Zapfenfunktion beim Menschen nicht messbar (Zein et al. 2014). Für Hundehalter ist das Forschung, keine Option.
Nun die Falle, die deutschsprachige Halter besonders trifft. Im englischen Sprachgebrauch heißt Tagblindheit auch hemeralopia; OMIA nennt die Erkrankung in seinem historischen Eintrag „cone degeneration, hemeralopia“, und CombiBreed führt „Hemeralopia“ als Synonym. Im Glossar des Dortmunder Kreises (DOK) – der Gesellschaft, deren Mitglieder in Deutschland die Zucht-Augenuntersuchungen durchführen – steht es genau umgekehrt: „Hemeralopie: Nachtblindheit“ und „Nyktalopie: Tagblindheit“. Englischer Laborbericht und deutscher Augenbefund können mit demselben Wort also Gegensätzliches meinen.
Dazu kommen Produktnamen, die sich überschneiden. Bei LABOKLIN heißt der Test, der dem Deutschen Schäferhund und dem Labrador Retriever zugeordnet ist, „Achromatopsie (Tagblindheit)“ – bei diesen beiden Rassen geht die Achromatopsie aber auf ein anderes Gen zurück (CNGA3, Tanaka et al. 2015). Feragen bietet Produkte mit dem Namen „Cone Degeneration (CD)“ mit den Zusätzen Labrador Retriever und Deutscher Schäferhund an. Ein Konsenspapier zur Nomenklatur erblicher Netzhauterkrankungen (Mowat et al. 2024) beschreibt diese Lage als „nicht standardisiert, heterogen und verwirrend“. Praktische Regel: Bestellen Sie nicht nach dem Krankheitsnamen, sondern nach Gen und Variante – für den Aussie also CNGB3-Deletion, in Laborkürzeln oft „CD1“ oder „AMAL“.
Welches Labor prüft welche Variante? Ein Abgleich der Angebote
Hier liegt die zentrale praktische Überraschung. Der LABOKLIN-Preiskatalog Genetik Deutschland (Juli 2026) führt genau eine Position namens Cone Degeneration: 8780, Rassezuordnung nur Deutsch Kurzhaar. Das ist die Punktmutation, nicht die Deletion. Eine eigene Position für die Deletion, wie sie bei Malamute, Husky oder MAS vorkommt, enthält der Katalog nicht. Und das LABOKLIN-Paket für die Rasse – 8624 „Paket Australian Shepherd und Miniature American Shepherd“ – umfasst Stummelrute, CEA, DM, HSF4, HUU, MDR1, NCL und prcd-PRA, aber keine Zapfendegeneration.
Andere Labore in DACH und der EU bieten den Deletionstest an und nennen den Aussie als Testrasse (Stand: 4. Oktober 2026):
| Labor | Bezeichnung | Geprüfte Variante | Preis | Bearbeitung |
|---|---|---|---|---|
| LABOKLIN / LABOGEN (Bad Kissingen) | 8780 Cone Degeneration (CD) | Punktmutation, Rasse Deutsch Kurzhaar | 63,00 € Besitzer / 48,00 € Züchter, inkl. 19 % MwSt | 7–14 Werktage |
| LABOKLIN / LABOGEN | 8624 Paket Australian Shepherd und MAS | 8 Tests, kein CD-Test enthalten | 110,00 € (inkl. 15,00 € Patentgebühr) | 7–14 Werktage |
| Feragen (Salzburg) | Achromatopsie (Zapfendegeneration, CD1, AMAL) | Deletion; Rassen u. a. Australian Shepherd, MAS | 49,00 € | auf der Produktseite nicht angegeben |
| Genomia (Pilsen) | CD – Zapfendegeneration | Deletion auf Chromosom 29 | 58,00 € inkl. MwSt (EU-Preis) | 12 Arbeitstage |
| CombiBreed / Certagen (Rheinbach) | H904 Achromatopsie 3 (Tagesblindheit) | CNGB3, complete deletion | 57,48 € inkl. MwSt zzgl. 3,95 € Versand | 10 Werktage |
| CombiBreed / Certagen | H321 CombiBreed Australian Shepherd | Paket, enthält H904 | 146,49 € inkl. MwSt zzgl. 3,95 € Versand | 20 Werktage |
| Antagene (Frankreich) | Achromatopsia, CNGB3 | complete deletion; Rassen u. a. Australian Shepherd | auf der Seite nicht angegeben | auf der Seite nicht angegeben |
Drei Beobachtungen aus den Produktseiten. Erstens: Genomia schreibt, die Krankheit sei „zurzeit auch beim Australian Shepherd […] und Samoyed bekannt“, und CombiBreed formuliert, die geprüfte Variante „kommt beim […] Australian Shepherd vor“. Beides ist durch die Literatur nicht gedeckt: Genomia zitiert selbst nur Yeh et al. (2013), und genau diese Arbeit fand weder bei Aussies noch bei Samojeden ein Deletionsallel; Donner et al. fanden es bei 550 Samojeden ebenfalls nicht. Labortexte beschreiben, für wen ein Test angeboten wird – nicht, wo eine Variante nachgewiesen ist.
Zweitens: Die Feragen-Produktseite zu „CD1, AMAL“ nennt im Beschreibungstext das Gen HCRTR2 statt CNGB3. Rassenliste und Kürzel passen zur Deletion, der Genname nicht – fragen Sie vor der Bestellung schriftlich nach, welche Variante untersucht wird. Drittens: Im Online-Shop von Generatio (Heidelberg) fanden wir unter den Suchbegriffen „cone“, „Zapfen“, „Achromatopsie“, „Tagblind“ und „CNGB3“ keinen Zapfendegenerations-Test. Wisdom Panel, aus dessen Daten die Studie von Donner et al. stammt, hat keine deutschsprachige Länderseite. Auch Embark (USA, Versand nach Deutschland gegen eine Pauschale von 20 US-Dollar) führt den Australian Shepherd unter „Breeds affected“ und spricht von „Australian Shepherd-type dogs“; als Belege nennt die Seite nur Sidjanin 2002 und Yeh 2013 – also auch hier eine Angebotsliste, kein Nachweis beim Standard-Aussie.
CombiBreed verschickt nach Zahlungseingang ein eigenes Tupfer-Set für den Backenabstrich, LABOKLIN akzeptiert laut Katalog 0,5–1 ml EDTA-Blut oder Backenabstriche; bei den übrigen Anbietern klären Sie das Probenmaterial vor der Bestellung. Da der Genotyp lebenslang gleich bleibt, fällt der Test nur einmal an.
Pflichttests im CASD, beim ÖKV und im ASCS: eine Leerstelle mit System
In Deutschland ist für den Australian Shepherd im VDH genau ein Verein zuständig: Das VDH-Rasselexikon nennt als einziges Ergebnis den Club für Australian Shepherd Deutschland e.V. (CASD), der auch den MAS betreut. Seine Zuchtordnung in der Fassung vom 06.06.2026 verlangt für die Zuchtzulassung ab 15 Monaten Untersuchungen auf HD und ED (beim MAS statt ED die Patella), außerdem die Gentests MDR, CEA, PRA, HSF4, DM, HUU (beim MAS zusätzlich NAD), den Merle-Status (seit 01.07.2022) sowie eine Augenuntersuchung auf erbliche Erkrankungen, die bei Antragstellung nicht älter als zwölf Monate sein darf. Die Zapfendegeneration kommt im gesamten Dokument nicht vor. Wer über die Pflicht hinaus testet, kann die Titel „Canine Health Responsibility“ I oder II beantragen.
Österreich regelt die Rasse zentral. Australian Shepherd und Miniature American Shepherd gehören zu den vom ÖKV direkt betreuten Rassen. Die Zuchtvoraussetzungen, gültig ab 01.01.2025, verlangen für beide Rassen eine ECVO-Augenuntersuchung (am Decktag höchstens zwölf Monate alt), DNA-Tests auf CEA, HC, prcd-PRA und MDR1 – Träger nur mit getestet freien Partnern –, einen Test auf Natural Bobtail und auf den M-Lokus mit Verpaarung nach der Risikotabelle von Corinne Benavides. Die DNA-Abstammung läuft über das Partnerlabor Feragen. Zapfendegeneration: nicht gefordert, auch nicht beim MAS.
In der Schweiz ist der Australian Shepherd Club der Schweiz (ASCS) zuständig. Seine Ausführungsbestimmungen AB/ZRASCS 2024 machen den DM-Gentest für alle Zuchthunde zur Pflicht, verlangen ab 1.1.2025 den M-Lokus-Test mit Allellängenangabe und seit Juli 2024 eine DNA-Verifizierung. Bemerkenswert ist ein Nebensatz: Der DM-Test sei „im Aussie-Gentestpaket von Laboklin enthalten“. Der Verein verweist also auf genau das Paket, das keinen Zapfendegenerations-Test umfasst. Der MAS untersteht in der Schweiz den Grünen Weisungen der SKG: verlangt werden HD, Katarakt-Untersuchung sowie Gentests auf PRA, MDR1 und CEA.
LenaKein Verein verlangt den Test – ist er für meinen Aussie also überflüssig? Jonas ReuterFreiwillig heißt nicht sinnlos. Stehen MAS in der Ahnentafel, ist er ein Argument, denn dort fanden Yeh et al. die Deletion. Sonst spricht die Datenlage für große Seltenheit.Das Fehlen in allen drei Regelwerken passt zur Datenlage, denn für die Deletion beim Standard-Aussie fehlt jeder veröffentlichte Nachweis. Eine Garantie für den einzelnen Hund folgt daraus aber nicht. Die gesetzliche Grenze zieht in Deutschland § 11b Tierschutzgesetz: Verboten ist die Zucht, wenn zu erwarten ist, dass bei Nachkommen erblich bedingt Organe für den artgemäßen Gebrauch untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten; nach Absatz 2 kann die Behörde sogar das Unfruchtbarmachen anordnen. Die Tierschutz-Hundeverordnung (§ 10) überträgt dieselben Kriterien auf Ausstellungen und Prüfungen. Ob Tagblindheit darunter fällt, ist nicht entschieden. Dass der CASD auf seiner Startseite gegen Verschärfungen rund um Merle und Natural Bobtail mobilisiert, zeigt, wie genau die Aussie-Zucht beobachtet wird. Bei zwei verpaarten Trägern ist statistisch jeder vierte Welpe betroffen – ein Test vor der Verpaarung ist die einfachste Absicherung, auch ohne Vereinspflicht.
Ein negatives Ergebnis richtig einordnen
Ein Befund „N/N“ für die Deletion ist eine präzise, aber schmale Aussage. Er bedeutet: Dieser Hund trägt die eine bekannte Deletion nicht. Er sagt nichts über die Punktmutation D262N, die eine eigene Untersuchung braucht, und nichts über andere Gene. Das UC-Davis-Labor prüft beide Varianten in einem Test und wertet laut seinen Kriterien auch die Kombination aus je einer Kopie beider Varianten als betroffen; einen veröffentlichten Fallbericht zu dieser Kombination beim Hund haben wir allerdings nicht gefunden. Es handelt sich um eine Beurteilungsregel des Labors.
Dass Tagblindheit auch ohne die bekannte Deletion vorkommt, ist gut belegt. Seddon et al. (2006) zeigten in einer australischen Malamute-Familie, dass nicht alle tagblinden Hunde dieselbe genetische Ursache hatten. Yeh et al. berichten von einem tagblinden Malamute, der für die Deletion normal getestet wurde. Bei Gordon Settern mit ähnlichem Verhalten fanden Good et al. (2016) keine CNGB3-Mutation, und bei der Standard-Rauhaardackel-Form schlossen Wiik et al. (2008) CNGB3 als Ursache aus.
Für Aussie-Halter besonders interessant ist eine Fallserie: Hurn et al. (2003) beschrieben drei tagblinde Hunde, darunter einen zwölf Monate alten Australian Cattle Dog – einen anderen Hütehund. Das ERG bestätigte eine Störung der Zapfenfunktion, die augenärztliche Untersuchung war ansonsten normal. Einen Gentest gab es in dieser Arbeit nicht. Die Erkrankung ist also klinisch auch bei Rassen beschrieben, für die keine Variante bekannt ist.
Umgekehrt ist ein Befund mit zwei Kopien eine starke Risikoinformation, aber keine Diagnose; ob der Hund betroffen ist, klärt die Untersuchung.
Warum der Augentest beim DOK nichts findet – und was dann hilft
Viele Aussie-Halter kennen die regelmäßige Augenuntersuchung durch DOK- oder ECVO-Tierärzte, weil der CASD sie für Zuchthunde alle 24 Monate bis zum achten Lebensjahr vorschreibt. Sie beurteilt vor allem die Strukturen des Auges – genau dort liegt die Grenze bei der Zapfendegeneration.
LenaDie DOK-Augenuntersuchung war unauffällig. Ist Tagblindheit damit ausgeschlossen? Jonas ReuterLeider nicht. Laut Dufour und Aguirre bleibt der Augenhintergrund bei CNGB3-Hunden mindestens bis zum vierten Lebensjahr normal. Den Zapfenausfall zeigt erst das ERG.Das Elektroretinogramm misst die elektrische Antwort der Netzhaut auf Lichtreize und trennt die Beiträge von Stäbchen und Zapfen. Das DOK-Glossar beschreibt es als Funktionsprüfung der Netzhaut, etwa vor Kataraktoperationen. In Deutschland bietet zum Beispiel die Ophthalmologie der Klinik für Kleintiere an der TiHo Hannover die Elektroretinographie an; die Kosten werden dort nach eigener Angabe vorher besprochen, und Haustierärzte können über ein Überweisungsformular anmelden. In der Schweiz nennt die Ophthalmologie der Kleintierklinik Bern den „Netzhautfunktionstest (Elektroretinogramm)“ ausdrücklich. In Österreich akzeptiert der ÖKV ECVO-zertifizierte Augenuntersucher; fragen Sie Ihre Praxis nach einer Stelle mit ERG-Ausstattung. Der übliche Weg: Haustierarzt, Überweisung zur Augenspezialistin, vorhandenen Gentestbefund mitbringen.
Selbst beitragen können Sie systematische Beobachtung. Garcia et al. (2010) ließen 14 Hunde durch einen Hindernisparcours laufen, bei vier Helligkeitsstufen. Hunde mit Achromatopsie brauchten im Vergleich zu ihrem eigenen Lauf bei fast völliger Dunkelheit (0,2 Lux) bei 25 Lux im Mittel 2,6-mal, bei 65 Lux 3,2-mal und bei 646 Lux 5,7-mal so lange. Ab 25 Lux ließen sie sich von gesunden Hunden unterscheiden. Für die Praxis heißt das: Filmen Sie Ihren Hund auf derselben Strecke einmal in der Dämmerung und einmal im hellen Tageslicht. Ein solcher Vergleich hilft der Augenspezialistin mehr als jede Beschreibung im Behandlungsraum.
Bestätigt sich die Diagnose, ändert sich der Alltag mehr als das Leben. Die Tierschutz-Hundeverordnung (§ 2) verlangt ausreichend Auslauf im Freien, der dem Gesundheitszustand anzupassen ist – für einen tagblinden Hund bedeutet das typischerweise Spaziergänge in den Morgen- und Abendstunden, vertraute Wege und akustische Signale vor Hindernissen. Hilfsmittel gegen Blendung können das Wohlbefinden verbessern, sind aber keine Therapie.
Was der Test in Euro kostet und was die Police dazu sagt
Die Kosten sind überschaubar. Der Einzeltest auf die Deletion liegt bei 49,00 € (Feragen), 57,48 € plus 3,95 € Versand (CombiBreed) oder 58,00 € inkl. MwSt (Genomia). Wer ohnehin ein Paket plant, kann rechnen: LABOKLIN-Paket 8624 (110,00 €) plus Feragen-Einzeltest (49,00 €) ergibt 159,00 €; das CombiBreed-Aussie-Paket mit enthaltenem CD-Test kostet 146,49 € plus 3,95 € Versand, also 150,44 €. Die Paketinhalte sind nicht deckungsgleich. LABOKLIN gewährt Züchterpreise gegen Vorlage einer aktuellen Mitgliedsbescheinigung des Zuchtvereins; CombiBreed bearbeitet Aufträge erst nach Zahlungseingang.
Eine Tierkrankenversicherung übernimmt den vorsorglichen Gentest in der Regel nicht. Die Kundeninformation der HanseMerkur zum Tarif Premium formuliert das ausdrücklich: Kosten für anlasslose Untersuchungen ohne Symptome werden nicht erstattet, „insbesondere auch für Zuchttauglichkeitsuntersuchungen“. Gleichzeitig zählt der Tarif zu den versicherten Ursachen die „Fehlentwicklung“, die „auf angeborenen, erblich bzw. genetisch bedingten oder erworbenen Anomalien beruhen“ kann. Für eine Reihe besonderer Diagnosen – darunter CEA, PRA und der MDR1-Gendefekt – gelten eine Wartezeit von zwölf Monaten, eine Obergrenze von 5.000 € und die Bedingung, dass erste Symptome nach Versicherungsbeginn auftreten. Die Zapfendegeneration ist in dieser Liste nicht genannt. Da die Symptome mit 8 bis 12 Wochen beginnen können, entscheidet in der Praxis vor allem der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Lesen Sie die Bedingungen vor dem Einzug des Welpen.
Häufige Fragen
Q. Kommt die Tagblindheits-Deletion beim Australian Shepherd vor?
In den veröffentlichten Screenings wurde sie beim Standard-Aussie bisher nicht gefunden: 118 Hunde aus 22 Ländern (Yeh et al. 2013) und 2.295 Hunde (Donner et al. 2023) waren negativ. Das schließt einzelne Träger nicht aus. Nachgewiesen ist die Deletion beim verwandten Miniature American Shepherd.
Q. Prüft der LABOKLIN-Test 8780 meinen Aussie auf Tagblindheit?
Nein. 8780 ist laut Preiskatalog Juli 2026 dem Deutsch Kurzhaar zugeordnet und prüft dessen Punktmutation. Die Deletion bieten unter anderem Feragen (49,00 €), CombiBreed (57,48 € zzgl. Versand) und Genomia (58,00 €) an. Achten Sie im Auftrag auf „CNGB3-Deletion“, „CD1“ oder „AMAL“.
Q. Verlangt der CASD oder ein anderer Verein den Test?
Nein. Weder die CASD-Zuchtordnung (Fassung 06.06.2026) noch die ÖKV-Zuchtvoraussetzungen 2025 noch die Bestimmungen des ASCS bzw. der SKG führen die Zapfendegeneration als Pflichttest – auch nicht für den MAS.
Q. Mein Aussie ist für die Deletion N/N getestet. Kann er trotzdem tagblind werden?
Das Ergebnis schließt nur diese eine Variante aus. Tagblindheit ist auch bei Hunden ohne bekannte Variante beschrieben. Wenn Ihr Hund im Hellen unsicher wirkt, lassen Sie ihn tierärztlich untersuchen; gesichert wird die Diagnose über das ERG bei einer Augenspezialistin.
Q. Reicht die regelmäßige DOK-Augenuntersuchung, um die Erkrankung zu erkennen?
In der Regel nicht. Der Augenhintergrund betroffener Hunde bleibt mindestens bis zum vierten Lebensjahr unauffällig. Hinweise geben Verhalten in unterschiedlicher Helligkeit und Pupillenreaktionen; die Bestätigung liefert das ERG.
Q. Gibt es eine Behandlung?
Nein. Gentherapie hat bei Hunden in Forschungsstudien die Zapfenfunktion wiederhergestellt, beim Menschen zeigte eine erste Studie aber kein einheitliches Wirkmuster. Für Hundehalter ist das keine verfügbare Option. Diagnose und Betreuung gehören in tierärztliche Hand.
Quellen
- Yeh CY, Goldstein O, Kukekova AV, Holley D, Knollinger AM, Huson HJ, Pearce-Kelling SE, Acland GM, Komáromy AM (2013). Genomic deletion of CNGB3 is identical by descent in multiple canine breeds and causes achromatopsia. BMC Genetics 14:27.
- Donner J, Freyer J, Davison S, Anderson H, Blades M, Honkanen L, Inman L, Brookhart-Knox CA, Louviere A, Forman OP, Chodroff Foran R (2023). Genetic prevalence and clinical relevance of canine Mendelian disease variants in over one million dogs. PLoS Genetics 19(2):e1010651.
- Majchrakova Z, Hrckova Turnova E, Bielikova M, Turna J, Dudas A (2023). The incidence of genetic disease alleles in Australian Shepherd dog breed in European countries. PLOS ONE 18(2):e0281215.
- Online Mendelian Inheritance in Animals (OMIA). OMIA:001365-9615 — Achromatopsia-3, CNGB3-related in Canis lupus familiaris. Nicholas FW, Tammen I, Sydney Informatics Hub (2025). doi:10.25910/2AMR-PV70
- University of California, Davis, Veterinary Genetics Laboratory. Cone Degeneration (dog DNA test). Wayback Machine snapshot 2025-09-11.
- Sidjanin DJ, Lowe JK, McElwee JL, Milne BS, Phippen TM, Sargan DR, Aguirre GD, Acland GM, Ostrander EA (2002). Canine CNGB3 mutations establish cone degeneration as orthologous to the human achromatopsia locus ACHM3. Human Molecular Genetics 11(16):1823-1833.
- Seddon JM, Hampson EC, Smith RI, Hughes IP (2006). Genetic heterogeneity of day blindness in Alaskan Malamutes. Animal Genetics 37(4):407-410.
- Dufour VL, Aguirre GD (2025; online 2024). Canine models of inherited retinal diseases: from neglect to well-recognized translational value. Mammalian Genome 36(2):500-510.
- Komáromy AM, Alexander JJ, Rowlan JS, Garcia MM, Chiodo VA, Kaya A, Tanaka JC, Acland GM, Hauswirth WW, Aguirre GD (2010). Gene therapy rescues cone function in congenital achromatopsia. Human Molecular Genetics 19(13):2581-2593.
- Zein WM, Jeffrey BG, Wiley HE, Turriff AE, Tumminia SJ, Tao W, Bush RA, Marangoni D, Wen R, Wei LL, Sieving PA (2014). CNGB3-achromatopsia clinical trial with CNTF: diminished rod pathway responses with no evidence of improvement in cone function. Investigative Ophthalmology & Visual Science 55(10):6301-6308.
- Michaelides M, Hirji N, Wong SC, Besirli CG, Zaman S, Kumaran N, et al. (2023). First-in-human gene therapy trial of AAV8-hCARp.hCNGB3 in adults and children with CNGB3-associated achromatopsia. American Journal of Ophthalmology 253:243-251.
- Garcia MM, Ying GS, Cocores CA, Tanaka JC, Komáromy AM (2010). Evaluation of a behavioral method for objective vision testing and identification of achromatopsia in dogs. American Journal of Veterinary Research 71(1):97-102.
- Hurn SD, Hardman C, Stanley RG (2003). Day-blindness in three dogs: clinical and electroretinographic findings. Veterinary Ophthalmology 6(2):127-130.
- Good KL, Komáromy AM, Kass PH, Ofri R (2016). Novel retinopathy in related Gordon setters: a clinical, behavioral, electrophysiological, and genetic investigation. Veterinary Ophthalmology 19(5):398-408.
- Wiik AC, Ropstad EO, Bjerkås E, Lingaas F (2008). A study of candidate genes for day blindness in the standard wire haired dachshund. BMC Veterinary Research 4:23.
- Tanaka N, Dutrow EV, Miyadera K, Delemotte L, MacDermaid CM, Reinstein SL, et al. (2015). Canine CNGA3 gene mutations provide novel insights into human achromatopsia-associated channelopathies and treatment. PLoS One 10(9):e0138943.
- Mowat FM, Iwabe S, Aguirre GD, Petersen-Jones SM (2025; online 2024). Consensus guidelines for nomenclature of companion animal inherited retinal disorders. Veterinary Ophthalmology 28(3):663-667.
- LABOKLIN / LABOGEN. Preiskatalog Genetik Deutschland, Juli 2026 (Positionen 8780, 8166, 8624). Abgerufen am 04.10.2026.
- Feragen. Achromatopsie (Zapfendegeneration, CD1, AMAL). Abgerufen am 04.10.2026.
- Genomia s.r.o. Zapfendegeneration bei Hunden (Cone degeneration – CD). Abgerufen am 04.10.2026.
- CombiBreed (Certagen GmbH). Achromatopsie 3 (Tagesblindheit), H904. Abgerufen am 04.10.2026.
- CombiBreed (Certagen GmbH). CombiBreed Australian Shepherd, H321. Abgerufen am 04.10.2026.
- Antagene. Achromatopsia. Abgerufen am 04.10.2026.
- Club für Australian Shepherd Deutschland e.V. Zuchtordnung vom 16.06.2002 in der geänderten Fassung vom 06.06.2026.
- Österreichischer Kynologenverband. Zuchtvoraussetzungen für ÖKV betreute Rassen, gültig ab 01.01.2025.
- Australian Shepherd Club der Schweiz. Ausführungsbestimmungen zum Zuchtreglement AB/ZRASCS 2024.
- Schweizerische Kynologische Gesellschaft. Verzeichnis der Rassen, Grüne Weisungen, Stand 28.10.2025.
- Verband für das Deutsche Hundewesen. Welpenstatistik 2011–2025.
- Fédération Cynologique Internationale. Miniature American Shepherd (367).
- Dortmunder Kreis (DOK). Fachbegriffe.
- Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Klinik für Kleintiere. Ophthalmologie.
- Kleintierklinik Bern (Vetsuisse). Ophthalmologie.
- HanseMerkur. Kundeninformation Tier-Krankenversicherung Premium (Stand Februar 2026).
- Tierschutzgesetz § 11b.
- Tierschutz-Hundeverordnung § 10 (Ausstellungsverbot).
- Tierschutz-Hundeverordnung § 2 (Allgemeine Anforderungen an das Halten).
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Achromatopsie / Zapfendegeneration (CNGB3) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.
In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
Sorgen um die Gesundheit Ihres Tieres? — Sprechen Sie mit einer Tierärztin/einem Tierarzt
Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
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