Türkisch Angora Blutgruppe B (CMAH): Neonatale Isoerythrolyse, Transfusionssicherheit und Bluttyp-Test vor der Zucht

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Kurz gesagt: Die Türkisch Angora hat mit rund 46 % eine der höchsten Typ-B-Häufigkeiten unter den Katzenrassen (Arıkan 2003). Die Blutgruppe wird vom CMAH-Gen bestimmt und ist ein völlig gesundes Merkmal, keine Krankheit. Relevant wird sie bei der Zucht: Eine Typ-B-Kätzin, verpaart mit einem Typ-A-Kater, kann Typ-A-Kitten mit neonataler Isoerythrolyse bekommen. Ein DNA-Test sagt die Gruppe voraus, ist aber rassenabhängig und ersetzt die serologische Bestimmung im Tierlabor nicht — er ist kein Diagnosewerkzeug.

Blutgruppen A/B/AB und das CMAH-Gen

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LenaLenaMeine Nachbarin züchtet Türkisch Angora und hatte gerade einen Wurf — was bedeutet „Blutgruppe” bei Katzen überhaupt? Jonas ReuterJonas ReuterKatzen haben das AB-System mit drei Gruppen: A, B und dem seltenen AB. Bighignoli et al. 2007 (BMC Genet 8:27) zeigten, dass ein einziges Gen, CMAH, dahintersteckt.

Das AB-Blutgruppensystem der Katze kennt drei Typen: A, B und AB. Das CMAH-Gen kodiert ein Enzym, das einen Zucker an der Oberfläche der roten Blutkörperchen umwandelt — konkret NeuAc zu NeuGc. NeuGc ist das Typ-A-Antigen. Sind beide Kopien des CMAH-Gens funktionsfähig, entsteht NeuGc und die Katze ist Typ A. Sind beide Kopien funktionslos, bleibt nur NeuAc übrig und die Katze ist Typ B — Typ B wird also rezessiv vererbt, A ist dominant über B (Bighignoli et al. 2007, PMID 17916260). Der Typ AB beruht auf einem separaten Mechanismus, einer eigenen CMAH-Variante (c.364C>T, vor allem bei der Ragdoll beschrieben; Gandolfi et al. 2016, PLOS One), und ist mit unter 1 % sehr selten. Wichtig: Typ-B-Katzen tragen von Natur aus starke Anti-A-Antikörper — auch ohne je eine Bluttransfusion erhalten zu haben.

Warum Typ-B-Kätzinnen NI riskieren

LenaLenaKann diese Blutgruppe für die Kitten gefährlich werden? Jonas ReuterJonas ReuterJa, bei einer bestimmten Verpaarung. Silvestre-Ferreira und Pastor 2010 beschreiben die neonatale Isoerythrolyse als Folge der Anti-A-Antikörper einer Typ-B-Mutter.

Der kritische Punkt ist die Zucht. Wird eine Typ-B-Kätzin mit einem Typ-A- (oder AB-)Kater verpaart, können Typ-A-Kitten entstehen. Über das Kolostrum — die erste Muttermilch — nehmen diese Kitten die starken Anti-A-Antikörper der Mutter auf. Diese Antikörper zerstören die roten Blutkörperchen der Kitten: neonatale Isoerythrolyse (NI). Betroffene Kitten schwächeln oder sterben, zeigen Pigmenturie (dunkler Urin) und mitunter eine Schwanzspitzen-Nekrose. Das Management bei einer solchen bekannten Verpaarung: Man hält in den ersten etwa 16 bis 24 Stunden das Kolostrum der Mutter fern und lässt die Kitten von einer Typ-A-Amme aufziehen oder zieht sie in dieser Zeit von Hand auf, bis der Darm keine Antikörper mehr aufnimmt (Silvestre-Ferreira & Pastor 2010). Danach ist das Säugen an der eigenen Mutter unbedenklich.

Türkisch Angora und die Zahlen — DNA gegen Serologie

LenaLenaWie hoch ist das Risiko bei der Türkisch Angora denn konkret? Jonas ReuterJonas ReuterAuffällig hoch. Arıkan et al. 2003 fanden bei 28 Angoras 46,4 % Typ B — eine der höchsten Raten überhaupt.

Arıkan et al. 2003 (J Vet Med A 50(6):303, PMID 12887623) untersuchten 28 Türkisch Angoras und fanden 53,6 % Typ A, 46,4 % Typ B und 0 % Typ AB. Damit gehört die Rasse zu den Rassen mit der höchsten Typ-B-Häufigkeit, bestätigt im Review von Silvestre-Ferreira & Pastor 2010 (PMID 20631821). Genau hier liegt der wichtigste Ehrlichkeitspunkt: Ein DNA-Test auf die CMAH-Varianten ist rassenabhängig und ersetzt die Serologie nicht. Kehl, Mueller & Giger 2019 (Anim Genet 50(4), PMID 30854707) fanden bei Rex-Rassen trotz hoher serologischer B-Häufigkeit im Genotyp keine Typ-B-Tiere — die bekannten CMAH-Varianten erklärten den Phänotyp dort nicht. Die Autoren halten fest, die Genotypisierung sei „noch kein Ersatz für die immunhämatologische Untersuchung”. Ein DNA-Test ist für die Zuchtplanung nützlich, eine echte Zucht- oder Transfusionsentscheidung muss aber durch eine serologische Blutgruppenbestimmung im Tierlabor bestätigt werden.

Rasse Typ-B-Häufigkeit (serologisch, ca.)
Türkisch Van 60 %
Türkisch Angora 46 %
Devon Rex 41 %
Cornish Rex 33 %
Sphynx 17 %

Werte gerundet nach Silvestre-Ferreira & Pastor 2010 und Arıkan et al. 2003.

Transfusionssicherheit

LenaLenaUnd wenn so eine Katze mal eine Bluttransfusion braucht? Jonas ReuterJonas ReuterDann ist Typkompatibilität überlebenswichtig. Wegen der vorbestehenden Anti-A-Antikörper kann laut Silvestre-Ferreira & Pastor 2010 schon die erste falsche Transfusion tödlich hämolysieren.

Weil Typ-B-Katzen bereits von Natur aus starke Anti-A-Antikörper besitzen, ist eine typinkompatible Transfusion — Typ-A-Blut in eine Typ-B-Katze — schon beim ersten Mal gefährlich. Anders als bei manchen anderen Spezies braucht es keine vorherige Sensibilisierung: Es kann sofort zu einer akuten, tödlichen Hämolyse kommen. Deshalb gilt in der Praxis vor jeder Transfusion die serologische Blutgruppenbestimmung und die Kreuzprobe (Cross-Match) im Tierlabor als Standard. Ein DNA-Ergebnis allein reicht dafür nicht — die Entscheidung am Behandlungstag beruht auf der aktuellen serologischen Typisierung.

Was ein DNA-Test kann und was nicht

LenaLenaLohnt sich ein DNA-Test für die Zucht dann trotzdem? Jonas ReuterJonas ReuterAls Planungshilfe ja, als Ersatz nein. Kehl et al. 2019 betonen, dass die Genotypisierung die immunhämatologische Untersuchung nicht ersetzt.

Ein DNA-Test sagt die Blutgruppe voraus und kann in der Zuchtplanung helfen, Verpaarungen mit NI-Risiko frühzeitig einzuschätzen. Was er nicht kann: Er ist rassenabhängig, erfasst nicht zwangsläufig alle für eine Rasse relevanten Varianten (siehe die Rex-Diskrepanz bei Kehl et al. 2019) und ersetzt die serologische Typisierung im Tierlabor nicht. Ein DNA-Test schließt insbesondere kein NI-Risiko sicher aus — dafür sind die serologische Bestimmung beider Elterntiere und das entsprechende Kolostrum-Management maßgeblich. Und: Die Blutgruppe ist ein Merkmal, keine Diagnose. Eine Typ-B-Türkisch-Angora ist völlig gesund. Geht es um kranke oder schwächelnde Kitten oder um eine konkrete Zucht- bzw. Transfusionsentscheidung, gehört das in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes.

Häufige Fragen (FAQ)

Q. Ist die Blutgruppe B eine Krankheit?
Nein. A, B und AB sind normale Merkmale des AB-Blutgruppensystems. Eine Typ-B-Türkisch-Angora ist völlig gesund; relevant wird die Gruppe nur für Zucht und Transfusion.

Q. Wie entsteht neonatale Isoerythrolyse (NI) und wie beugt man vor?
Eine Typ-B-Kätzin, verpaart mit einem Typ-A- oder AB-Kater, kann Typ-A-Kitten bekommen. Deren rote Blutkörperchen werden durch die Anti-A-Antikörper im Kolostrum zerstört. Vorbeugen lässt sich durch typgerechte Verpaarungsplanung und, bei Risikoverpaarung, durch Vorenthalten des mütterlichen Kolostrums in den ersten etwa 16–24 Stunden (Silvestre-Ferreira & Pastor 2010).

Q. Reicht ein DNA-Test, oder brauche ich zusätzlich eine serologische Bestimmung?
Für verbindliche Zucht- und Transfusionsentscheidungen brauchen Sie die serologische Typisierung im Tierlabor. Der DNA-Test ist rassenabhängig und ersetzt die immunhämatologische Untersuchung nicht (Kehl, Mueller & Giger 2019). Er kann kein NI-Risiko sicher ausschließen.

Q. Warum ist eine falsche Bluttransfusion sofort gefährlich?
Typ-B-Katzen tragen bereits ohne vorherige Transfusion starke Anti-A-Antikörper. Erhält eine Typ-B-Katze Typ-A-Blut, kann schon die erste Transfusion eine akute, potenziell tödliche Hämolyse auslösen. Deshalb wird vor jeder Transfusion serologisch typisiert und gekreuzt.

Quellen

Titelbild: Türkisch Angora von Empire.ottoman, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

So lassen Sie Ihr Tier testen

Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Innerhalb der EU / in Deutschland

Langford Vets (Univ. Bristol)
UK university lab; MC-HCM (A31P), Ragdoll HCM (R820W) and PKD1 PCR tests. Mail-in via a vet/breeder.
Laboklin (Katze)
Fachlabor mit Katzen-Erbkrankheitstests; HCM/PKD-Verfügbarkeit bitte direkt bestätigen. Einsendung über die Tierarztpraxis.

Außerhalb der EU

Basepaws Cat DNA (Zoetis)
Cheek swab. 40+ health markers incl. HCM (MYBPC3 A31P & R820W) and PKD1.
Optimal Selection / Wisdom Panel Feline
Cheek-swab feline panel incl. HCM (Maine Coon A31P & Ragdoll R820W) and PKD1.
UC Davis VGL (cat)
University lab; separate Maine Coon (A31P) & Ragdoll (R820W) HCM tests and a PKD1 test. Accepts international samples.
Orivet (Feline)
Feline DNA tests incl. Ragdoll HCM (R820W). PKD1: verify on the product page.

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Über den Autor

Jonas Reuter

Jonas Reuter

Redaktion & Text (kein Tierarzt)

Autor mit molekularbiologischem Hintergrund und langjähriger Hunde- und Katzenhalter. Kein Tierarzt – er übersetzt begutachtete Genetik-Forschung und Primärdaten in verständliche Sprache, stets als Information und nicht als Diagnose.

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