Kurz gesagt: Der Landseer ist eine eigenständige Rasse (Landseer ECT), 1960 von der FCI getrennt vom Neufundländer anerkannt. Bei ihm tritt Cystinurie Typ I-A auf: eine autosomal-rezessive Variante im Gen SLC3A1. Betroffene Hunde scheiden zu viel Cystin im Urin aus, das zu Blasen-/Nierensteinen auskristallisiert. Beim Rüden kann ein Stein die enge Harnröhre blockieren — ein lebensbedrohlicher Notfall. Ein DNA-Test liefert Zucht- und Risikoinformation, ist aber keine Diagnose.
- Was Cystinurie und SLC3A1 sind (der COLA-Transporter)
- Von viel Cystin zu Steinen — und der Rüden-Notfall
- Frei, Träger, betroffen — die rezessive Zuchtmathematik
- Diagnostik und Management: Urin, Nitroprussid, Ultraschall, Diät
- Was der Test kann — und was nicht
- Häufige Fragen (FAQ)
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Was Cystinurie und SLC3A1 sind (der COLA-Transporter)
Cystinurie ist keine Krankheit der Blase im engeren Sinn, sondern ein Defekt der Nierentubuli. Im proximalen Nierentubulus sitzt ein zweiteiliger Transporter, oft nach seinen Substraten „COLA“ genannt: Er holt die Aminosäuren Cystin, Ornithin, Lysin und Arginin aus dem Primärharn zurück ins Blut. Dieser Transporter ist ein Heterodimer aus einer schweren Kette, rBAT (kodiert von SLC3A1), und einer leichten Kette, b0,+AT (kodiert von SLC7A9).
Beim Landseer betrifft die relevante Form das Gen SLC3A1. Sie ist in der Datenbank OMIA als OMIA:000256-9615 gelistet, wo der Landseer neben Neufundländer und Labrador geführt wird. Die Testgrundlage ist die im Neufundländer-Typ beschriebene rezessive I-A-Variante (Nonsense-Variante c.586C>T / p.Arg196*), die dieselbe Labor-Testpanel-Grundlage bildet.
Von viel Cystin zu Steinen — und der Rüden-Notfall
LenaUnd warum wird ausgerechnet das gefährlich? Jonas ReuterWeil von den vier Aminosäuren nur Cystin schlecht löslich ist. Brons 2013 (PMID 24001348) beschreibt, wie es im sauren Urin auskristallisiert und Steine bildet.Stört eine SLC3A1-Mutation den Transporter, wandern Cystin, Ornithin, Lysin und Arginin vermehrt in den Urin. Drei davon sind gut löslich und harmlos. Nur Cystin ist das Problem, weil es schlecht wasserlöslich ist — besonders in saurem Urin, wo es auskristallisiert und sich zu Cystin-Harnsteinen in Blase oder Niere zusammenlagert.
Hier zählt die Anatomie: Rüden haben eine lange, enge Harnröhre. Ein wandernder Stein kann sich darin einklemmen und den Harnfluss vollständig blockieren. Das ist ein lebensbedrohlicher Notfall — es drohen Blasenruptur und Nierenversagen. Zeigt ein Rüde vergebliches Pressen, Blut im Urin oder Unfähigkeit, Wasser zu lassen, muss er sofort tierärztlich behandelt werden. Unkastrierte Rüden tragen das höchste Verschlussrisiko.
Frei, Träger, betroffen — die rezessive Zuchtmathematik
LenaBedeutet ein positiver Test automatisch, dass der Hund krank ist? Jonas ReuterNein. Typ I-A ist rezessiv: Ein Träger mit einer Kopie ist meist unauffällig. Erst zwei Kopien bedeuten Risiko — laut Brons 2013 ist die Prävalenz beim Landseer unbekannt.Cystinurie Typ I-A wird autosomal-rezessiv vererbt. Ein Träger (eine Kopie der Variante) ist klinisch meist unauffällig, gibt die Variante aber an die Hälfte der Nachkommen weiter. Betroffen (zwei Kopien) bedeutet Risiko für die Steinbildung. Verpaart man zwei Träger, sind statistisch etwa 25 % der Welpen betroffen, 50 % Träger und 25 % frei — deshalb ist der Status beider Elterntiere zuchtrelevant.
Wichtig für die Einordnung: Man darf das nicht verallgemeinern. Manche Cystinurie-Typen bei anderen Rassen werden dominant vererbt, teils androgenabhängig. Die Vererbung variiert also je nach Rasse und Typ. Für den Landseer gilt konkret der rezessive Typ I-A.
Diagnostik und Management: Urin, Nitroprussid, Ultraschall, Diät
LenaWie findet man die Steine, wenn der DNA-Test keine Diagnose ist? Jonas ReuterÜber die Klinik: Der Cornell Riney Health Center-Leitfaden nennt Urinuntersuchung, Nitroprussid-Test, Bildgebung und Steinanalyse als tierärztliche Schritte.Ein DNA-Test ersetzt keine Diagnose. Cystin-Steine werden von der Tierärztin oder dem Tierarzt festgestellt und behandelt: durch Urinuntersuchung auf Cystinkristalle, den Nitroprussid-Urintest, Bildgebung per Ultraschall oder Röntgen (Achtung: Cystinsteine können röntgennegativ sein) sowie durch Steinanalyse.
Das Management umfasst je nach Fall Diät und Harn-Alkalisierung (um die Cystin-Löslichkeit zu verbessern) und im Verschlussfall eine Notfall-Operation. Unkastrierte Rüden gelten dabei als Hunde mit dem höchsten Verschlussrisiko und brauchen die engmaschigste Überwachung.
Was der Test kann — und was nicht
LenaWofür lohnt sich der Test dann überhaupt? Jonas ReuterFür drei Dinge: Zuchtplanung, Risikoeinschätzung und frühere Überwachung. Der Cornell-Leitfaden betont, dass genetische Information die klinische Kontrolle ergänzt, nicht ersetzt.Der DNA-Test prüft die rezessive SLC3A1-I-A-Variante und ordnet den Hund als frei, Träger oder betroffen ein. Was er kann: Träger in der Zucht sichtbar machen, Verpaarungen zweier Träger vermeiden helfen, das Risiko einordnen und bei betroffenen Rüden eine frühere, gezieltere Überwachung anstoßen.
Was er nicht kann: Er sagt nicht, ob und wann ein Hund tatsächlich Steine bildet, und er ist keine klinische Diagnose. Ein positives Testergebnis ist ein Anlass für tierärztliche Begleitung — kein Grund zur Panik, aber ein klares Signal, den Rüden-Notfall Harnröhrenverschluss ernst zu nehmen.
| Typ | Gen | Vererbung | Landseer? |
|---|---|---|---|
| Typ I-A | SLC3A1 | autosomal-rezessiv | ja (Landseer) |
| Typ II-A | SLC3A1 | dominant | nein (andere Rassen) |
| Typ II-B | SLC7A9 | dominant | nein (andere Rassen) |
| Typ III | androgenabhängig | androgenabhängig | nein (andere Rassen) |
Häufige Fragen (FAQ)
Q. Mein Landseer-Rüde presst, kommt aber kein Urin — was tun?
Das kann ein Harnröhrenverschluss durch einen Stein sein: ein lebensbedrohlicher Notfall mit Gefahr von Blasenruptur und Nierenversagen. Sofort tierärztlich behandeln lassen, nicht abwarten.
Q. Ist der Landseer nur ein schwarz-weißer Neufundländer?
Nein. Der Landseer (Landseer ECT, European Continental Type) ist eine eigenständige Rasse mit deutsch/schweizerischem Ursprung, die die FCI 1960 getrennt vom Neufundländer anerkannt hat; Heimatverein ist der 1976 gegründete Deutsche Landseer Club.
Q. Bedeutet „Träger“, dass mein Hund krank wird?
Bei Typ I-A (rezessiv) ist ein Träger mit nur einer Kopie meist klinisch unauffällig, gibt die Variante aber weiter. Risiko besteht erst bei zwei Kopien (betroffen).
Q. Ersetzt der DNA-Test den Tierarztbesuch?
Nein. Der Test ist genetische Risiko- und Zuchtinformation, keine Diagnose. Steine werden per Urinuntersuchung, Nitroprussid-Test, Ultraschall/Röntgen und Steinanalyse festgestellt und behandelt.
Quellen
- Landseer (Rasse), Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Landseer_dog
- OMIA:000256-9615 (Cystinurie, SLC3A1, Canis lupus familiaris): https://omia.org/OMIA000256/9615/
- Henthorn et al. 2000 (PMID 11129328): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11129328/
- Brons et al. 2013 (PMID 24001348): https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3946761/
- Cornell Riney Canine Health Center — Cystinuria: https://www.vet.cornell.edu/departments-centers-and-institutes/riney-canine-health-center/canine-health-topics/cystinuria
Titelbild: Landseer von Canarian, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
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Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
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