Fazit: Die angeborene Stummelrute des Epagneul Breton geht auf die dominante Variante c.189C>G im Gen TBXT (früher „T“, Brachyury) zurück: Eine Kopie verkürzt die Rute, zwei Kopien sind in aller Regel schon im Mutterleib tödlich. Eine norwegische Studie (AniCura Jeløy und NMBU) fand 2026 an den HD-Röntgenbildern von 744 Bretonen bei 47,8 % einen lumbosakralen Übergangswirbel und bei Hunden mit natürlicher Stummelrute eine etwa doppelt so hohe Chance dafür (Odds Ratio 2,04). Das ist eine Assoziation am Röntgenbild, keine nachgewiesene Ursache; die Rutenlänge wurde laut Abstract auf dem Röntgenbild beurteilt, eine Genotypisierung wird dort nicht beschrieben. Praktisch beantwortet der Gentest zwei Fragen: Ist die kurze Rute angeboren statt kupiert, und sollte man zwei Stummelruten-Träger besser nicht miteinander verpaaren? In Deutschland kostet der Test bei LABOGEN 63,00 € (inkl. 19 % MwSt., Stand Juli 2026). Er liefert eine Risikoinformation, keine Diagnose – Rückenbeschwerden oder Auffälligkeiten bei Welpen klärt die Tierärztin oder der Tierarzt.
- Stummelrute von Geburt an – lässt sich das beweisen?
- Ein vertauschter Baustein im Brachyury-Gen: die Entdeckung von 2001
- Welche Rassen die Variante tragen – und welche trotz kurzer Rute nicht
- Wie oft die norwegischen Röntgenbilder einen Übergangswirbel zeigten
- Wo die Datenlage aufhört: Corgis ohne Wirbeldefekt und offene Punkte
- Zwei Kurzruten verpaaren: was im Wurf fehlt
- Das Qualzucht-Gutachten von 1999 und seine überholte Vererbungsangabe
- Labore, Preise und der Weg in die Praxis in Deutschland, Österreich und der Schweiz
- Häufige Fragen
- Literatur und Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Stummelrute von Geburt an – lässt sich das beweisen?
Für die meisten Rassen ist die Frage „natürlich oder kupiert?“ eine Formalität. Beim Epagneul Breton ist sie es nicht, und das liegt an einer seltenen Konstellation aus Gesetz, Rassestandard und Vereinsregeln. Der § 6 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen eines Wirbeltieres. Ausgenommen ist unter anderem der Eingriff, der „bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerläßlich ist und tierärztliche Bedenken nicht entgegenstehen“ (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 b). Das Labor LABOKLIN fasst den Rechtsstand auf seiner Testseite so zusammen, dass das Kupieren in Deutschland seit 1998 verboten ist.
Hinzu kommt § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung: Hunde, bei denen Ohren oder Rute „tierschutzwidrig“ amputiert wurden, dürfen nicht ausgestellt werden, und dasselbe gilt für Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder beurteilt werden. Nach dem Wortlaut trifft das Verbot die tierschutzwidrige Amputation; ein im Rahmen der Jagdhund-Ausnahme rechtmäßig gekürzter Hund fällt nach dieser Lesart nicht darunter. Das ist eine Auslegung des Verordnungstextes, keine Rechtsberatung.
Der FCI-Standard Nr. 95 stellt beide Wege nebeneinander: „Der Epagneul Breton wird/kann mit einer Stummelrute oder rutenlos geboren. Wenn die Rute kupiert ist, beträgt die ideale Länge 3 – 6 cm. Die Länge von 10 cm darf nicht überschritten werden.“ Am fertigen Hund sieht ein angeborener Stummel von 5 cm und ein kupierter von 5 cm für Laien gleich aus. Der deutsche Zuchtverein, der Club für Bretonische Vorstehhunde (C.B.V.) im VDH, schreibt in seiner Zuchtordnung vom Mai 2023, dass Welpen „nur an Jäger und Falkner abgegeben“ werden, und Art. 14 regelt das Kupieren „entsprechend dem jeweils gültigen FCI-Rassestandard sowie den gesetzlichen Bestimmungen“. Der Bretone wird also genau in die Gruppe abgegeben, für die die gesetzliche Ausnahme gedacht ist.
Gerade deshalb ist der Herkunftsnachweis keine akademische Frage. LABOKLIN formuliert es wörtlich: „Die DNA-Analyse erlaubt den Nachweis, ob die Stummelrute natürlichen Ursprungs ist.“ Trägt ein kurzrutiger Bretone die Variante, ist eine angeborene Verkürzung plausibel belegt. Trägt er sie nicht, spricht das bei dieser Rasse gegen eine genetisch bedingte Stummelrute – ob dann gekürzt wurde, beantwortet der Test allerdings nicht, denn er misst nur diesen einen Genort.
LenaHeißt das, ich sollte den Befund aufheben, falls jemand bei einer Prüfung nachfragt? Jonas ReuterAufheben schadet nicht. LABOKLIN bewirbt den Test ausdrücklich als Nachweis der natürlichen Herkunft; ob ein Richter oder Verein ihn verlangt, regeln aber die jeweiligen Prüfungs- und Zuchtordnungen.Ein vertauschter Baustein im Brachyury-Gen: die Entdeckung von 2001
Die genetische Grundlage der natürlichen Stummelrute wurde 2001 an der MRC Human Biochemical Genetics Unit des University College London beschrieben. Haworth und Kollegen fanden beim Hund eine Missense-Mutation im Gen für den Transkriptionsfaktor T, auch Brachyury genannt (griechisch für „kurzer Schwanz“). Dieses Gen wird für die Entwicklung des hinteren Mesoderms gebraucht, also jener Zellschicht, aus der beim Embryo unter anderem die Wirbelsäule und die Schwanzanlage hervorgehen. Die Variante tauscht in der hoch konservierten T-Box-Region die Aminosäure Isoleucin an Position 63 gegen Methionin; das Protein bindet dadurch schlechter an seine DNA-Zielsequenz (Haworth et al. 2001). Nach der OMIA-Datenbank der Universität Sydney stammte der untersuchte Hund aus der Rasse Pembroke Welsh Corgi.
Heute lautet das offizielle Gensymbol beim Hund TBXT (NCBI Gene 403653, Chromosom 1). In Laborkatalogen tauchen dafür andere Bezeichnungen auf: LABOKLIN führt den Test als „Brachyurie (Stummelrute)“, FERAGEN als „T-Lokus Stummelrute (Bobtail, natürliche kurze Rute)“ mit der Abkürzung „T-Loc“, und viele Befunde schreiben das Gen schlicht als „T“. Gemeint ist immer derselbe Genort.
Auch die Schreibweise der Variante verwirrt. In der Originalarbeit von 2001 und in der norwegischen Corgi-Studie von 2008 heißt sie C295G, seit der Rassenübersicht von 2009 und in OMIA c.189C>G. OMIA vermerkt ausdrücklich, dass die C295G-Mutation „now called C189G“ ist. Die neue Zählung beginnt beim Startcodon: 189 geteilt durch 3 ergibt Codon 63, was zur Proteinänderung p.Ile63Met passt. Dass die ältere Zahl um 106 Positionen höher liegt, beruht sehr wahrscheinlich auf einer Zählung ab dem Anfang der klonierten cDNA – das ist eine Schlussfolgerung, denn der Volltext von 2001 lag für diesen Artikel nicht vor.
Der Erbgang hat zwei Gesichter. Für die Rute wirkt die Variante dominant: Schon eine Kopie genügt, und die Länge reicht von fast rutenlos bis etwa halb oder viertel so lang wie üblich. Für die Lebensfähigkeit verhält sie sich rezessiv: Erst zwei Kopien führen in der Regel zum Absterben des Embryos. Haworth und Kollegen schlossen das aus mehreren unabhängigen Verpaarungen zweier Stummelruten-Eltern: „the homozygous phenotype is embryonic lethal“.
Welche Rassen die Variante tragen – und welche trotz kurzer Rute nicht
Ein Team um Hytönen prüfte 2009 im Journal of Heredity 360 Hunde aus 23 Rassen (ohne Pembroke Welsh Corgi), darunter 156 Hunde mit natürlicher Kurzrute. In 17 Rassen fand sich c.189C>G, und zwar in vollständiger Übereinstimmung mit dem kurzen Rutenphänotyp. Der Epagneul Breton gehört nach den übereinstimmenden Rassenlisten in OMIA und beim tschechischen Labor Genomia zu diesen 17 Rassen, ebenso Australian Shepherd, Dänisch-Schwedischer Hofhund, Jack Russell Terrier, Mudi, Schipperke, Spanischer Wasserhund und Schwedischer Vallhund (Hytönen et al. 2009). Die Zahl der untersuchten Bretonen konnte für diesen Artikel nicht ermittelt werden, weil die Tabelle der Originalarbeit nicht zugänglich war.
Ebenso aufschlussreich ist der Gegenbefund. In sechs kurzrutigen Rassen trugen die Hunde weder c.189C>G noch eine andere kodierende Veränderung im T-Gen. LABOKLIN nennt sie auf seiner deutschen Testseite: Boston Terrier, English Bulldog, Cavalier King Charles Spaniel, Parson Russell Terrier, Rottweiler und Zwergschnauzer. Bemerkenswert ist das Paar Jack Russell / Parson Russell: Die eine Rasse steht auf der Testliste, die andere ausdrücklich nicht. Für diese sechs Rassen ist ein T-Lokus-Test als Herkunftsnachweis daher ungeeignet; ihre kurzen Ruten haben andere Ursachen.
Für den Bretonen-Halter folgt daraus etwas Praktisches: Die Rutenlänge allein ist kein sicherer Ersatz für den Gentest. Ein Hund mit sehr kurzem Stummel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Träger, doch der Test macht aus einer Vermutung einen dokumentierten Befund. Und kein Labortest kann zeigen, ob ein Hund zusätzlich zu einer angeborenen Kurzrute noch einen Teil der Rute verloren hat.
Wie oft die norwegischen Röntgenbilder einen Übergangswirbel zeigten
Die neueste Arbeit zum Thema stammt aus Norwegen und betrifft den Bretonen direkt. Berg, Sævik, Lingaas und Trangerud (AniCura Jeløy Dyresykehus und NMBU) werteten 2026 im Canadian Veterinary Journal retrospektiv die standardisierten ventrodorsalen Beckenaufnahmen aus, die im HD-Programm des Norwegischen Kennel Klubs angefertigt worden waren. Insgesamt flossen 1.679 Hunde ein: 744 Epagneuls Breton und 935 Dänisch-Schwedische Hofhunde (Berg et al. 2026).
Gesucht war ein lumbosakraler Übergangswirbel (LÜW, englisch LTV), also ein Wirbel am Übergang von Lenden- zu Kreuzwirbelsäule, der Merkmale beider Abschnitte zeigt. Beim Bretonen lag die LÜW-Prävalenz bei 47,8 %, beim Hofhund bei 14,9 %. Eine natürliche Stummelrute (Stumpf- und Kurzrute zusammen) zeigten 26,7 % der Bretonen, beim Hofhund kam nur die Kurzrute vor (11,0 %). Bretonen mit natürlicher Stummelrute hatten eine etwa doppelt so hohe Chance auf einen LÜW (Odds Ratio 2,04; 95-%-Konfidenzintervall 1,47–2,85; P < 0,001), am stärksten die Hunde mit Stumpfrute. Beim Hofhund lag die Odds Ratio bei 1,66 (0,99–2,76; P = 0,05) und war damit nicht signifikant. Die Autoren schreiben: „Natural bobtail phenotypes are associated with LTV in Brittany dogs, with stump-tailed dogs showing the strongest association.“
LenaFast jeder zweite Bretone mit Übergangswirbel – das klingt erschreckend. Ist meiner krank? Jonas ReuterDie 47,8 % beschreiben einen Röntgenbefund in einer gescreenten norwegischen Population. Das Abstract berichtet keine klinischen Beschwerden; ob Ihr Hund Probleme hat, zeigt nur die Untersuchung.Drei Grenzen sind für die Einordnung entscheidend. Erstens wurde die Rute am Röntgenbild beurteilt, nicht im Labor bestimmt; das Abstract beschreibt keine Genotypisierung, und der Volltext ist noch unter Embargo. Ob der LÜW bei den Bretonen tatsächlich mit c.189C>G zusammenläuft, ist daher offen. Zweitens handelt es sich um eine Querschnittsstudie: Sie zeigt ein gemeinsames Auftreten, keinen Mechanismus. Drittens stammen die Hunde aus dem HD-Screening, also aus einer Population, deren Besitzer röntgen ließen. Die Werte lassen sich weder auf andere Rassen noch ohne Weiteres auf deutsche oder französische Bretonen-Linien übertragen.
Wo die Datenlage aufhört: Corgis ohne Wirbeldefekt und offene Punkte
Einen wichtigen Kontrast liefert die Arbeit von Indrebø und Kollegen von der Norwegischen Tierärztlichen Hochschule in Oslo (2008). Sie röntgten 19 erwachsene Pembroke Welsh Corgis mit natürlicher Kurzrute, die aus Verpaarungen von Kurz- mit Langrute stammten. Keiner dieser Hunde zeigte angeborene Wirbelsäulendefekte; die Autoren hielten einen Zusammenhang zwischen heterozygoter Kurzrute und Wirbelfehlbildungen für wahrscheinlich nicht gegeben (Indrebø et al. 2008). Die Stichprobe ist klein, und es ging um eine andere Rasse – aber sie warnt davor, aus dem Bretonen-Befund ein allgemeines „Stummelrute bedeutet Rückenleiden“ zu machen.
Offen bleibt nach heutigem Stand:
- ob der Übergangswirbel bei den kurzrutigen Bretonen dem Genotyp folgt oder einem anderen Faktor;
- welche klinischen Folgen der LÜW bei diesen Hunden hat – das Abstract nennt nur den Röntgenbefund;
- ob die besonders kurze „Stumpfrute“ einem anderen Genotyp oder zusätzlichen modifizierenden Genen entspricht;
- wie häufig die Variante in deutschen, österreichischen oder französischen Bretonen-Linien ist. Eine veröffentlichte Allelfrequenz für c.189C>G wurde nicht gefunden.
Für deutsche Züchter gibt es einen naheliegenden Anknüpfungspunkt. Die Zuchtordnung des C.B.V. verlangt eine HD-Röntgenuntersuchung ab einem Alter von zwölf Monaten, ausgewertet durch einen vom Verein bestellten Gutachter. Genau auf solchen Beckenaufnahmen hat die norwegische Gruppe den lumbosakralen Übergang beurteilt. Eine Befundung des LÜW sieht die Zuchtordnung in ihrer Fassung vom Mai 2023 nach unserer Volltextsuche nicht vor; Gentest oder Regeln zur Verpaarung kurzrutiger Hunde kommen darin ebenfalls nicht vor. Wer wissen möchte, ob das HD-Bild des eigenen Hundes einen Übergangswirbel zeigt, kann die Tierärztin oder den Gutachter direkt danach fragen.
Zwei Kurzruten verpaaren: was im Wurf fehlt
Nach den Mendelschen Regeln entsteht bei der Verpaarung zweier Träger (Genotyp N/T) im Mittel ein Viertel reinerbiger Embryonen (T/T), die Hälfte Träger mit Stummelrute und ein Viertel mit langer Rute. Wird ein Kurzruten-Hund dagegen mit einem langrutigen Partner (N/N) verpaart, entstehen keine reinerbigen Embryonen, und etwa die Hälfte der Welpen ist erwartungsgemäß kurzrutig. Diese Prozentsätze sind theoretische Erwartungswerte; im einzelnen Wurf kann das Verhältnis deutlich abweichen.
Dass die fehlenden Viertel wirklich fehlen, belegen zwei Beobachtungen. Hytönen und Kollegen fanden unter 360 Hunden keinen einzigen reinerbigen Träger von c.189C>G: „No dogs were found to be homozygous for the C189G mutation, suggesting that the homozygous condition is lethal.“ Und beim Schwedischen Vallhund war die Wurfgröße um 29 % kleiner, wenn beide Eltern kurzrutig waren. Diese Zahl wurde nur beim Vallhund gemessen; für den Bretonen gibt es keine entsprechende Auswertung, und man sollte sie nicht einfach übertragen. LABOKLIN beschreibt die Folge für alle Rassen allgemein: Bei der Verpaarung zweier stummelschwänziger Hunde ist die Wurfgröße „im Vergleich zu einer Verpaarung zweier langschwänziger Hunde verringert“.
LenaAlso sterben die reinerbigen Welpen immer, bevor man sie überhaupt sieht? Jonas ReuterMeistens, aber nicht immer. Die Osloer Corgi-Studie von 2008 beschreibt zwei rutenlos geborene Welpen, die reinerbig waren und schwere Fehlbildungen an Enddarm und Wirbelsäule hatten.Diese beiden Welpen stammten von kurzrutigen Eltern, waren völlig rutenlos und hatten eine Anorektalatresie (keine offene Verbindung des Enddarms nach außen) sowie mehrere Wirbelsäulendefekte. Beide waren homozygot für die Variante. Indrebø und Kollegen halten fest: „homozygotes for this mutation with serious anatomical defects may be born.“ Auch der britische Kennel Club schreibt, dass Welpen mit zwei Kopien wahrscheinlich vor der Geburt sterben und, falls sie doch geboren werden, an schweren Fehlbildungen leiden. Die Aussage „reinerbige Welpen werden nie geboren“ ist also falsch.
Wichtig für Züchter: Wird ein Welpe ganz ohne Rute geboren, setzt er keinen Kot ab, wirkt der Bauch aufgetrieben oder sind die Hinterbeine schwach, gehört er sofort in tierärztliche Behandlung. Ein fehlender After ist ein Notfall. Ob tatsächlich eine Fehlbildung vorliegt und welche Behandlung infrage kommt, entscheidet allein die Tierärztin oder der Tierarzt.
Behördliche Vorgaben speziell für den Bretonen gibt es dazu nicht. Als Beispiel, wie eine Verwaltung das Thema aufgreift, taugt der österreichische Leitfaden zur Beurteilung von Qualzuchtmerkmalen bei Hunden (vom Vollzugsbeirat beschlossen, überarbeitet 07/2023, u. a. auf noe.gv.at veröffentlicht). Er führt in der Zeile Australian Shepherd „NBT (Natural Bobtail) – Phänotyp – NBT x NBT verboten“. Der Epagneul Breton wird in diesem Leitfaden nicht genannt; es handelt sich um eine Vollzugshilfe der österreichischen Tierschutzbehörden, nicht um ein Gesetz. Für Bretonen-Züchter in Deutschland ist er keine Pflicht, zeigt aber, wohin die Beurteilung bei anderen Kurzruten-Rassen gehen kann.
Das Qualzucht-Gutachten von 1999 und seine überholte Vererbungsangabe
Wer in Deutschland zu kurzen Ruten recherchiert, stößt schnell auf das Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes, das 1999 im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums erstellt wurde. Es führt Brachyurie (verkürzte Rute) und Anurie (fehlende Rute) als Merkmal und schreibt, Verkürzungen der Schwanzwirbelsäule – insbesondere Anurie – seien „häufig vergesellschaftet mit Missbildungen an weiteren Abschnitten der Wirbelsäule (Block-, Schmetterlings- und Keilwirbelbildungen) bis hin zu Spina bifida“. Als mögliche Folgen nennt es Rückenmarksbeeinträchtigungen mit Störungen der Hinterhand bis zu Lähmungen sowie Harn- und Kot-Inkontinenz.
Die Empfehlung des Gutachtens lautet Röntgendiagnostik und Zuchtverbot für Tiere, die neben Brachy- oder Anurie „auch Wirbeldefekte an weiteren Abschnitten der Wirbelsäule aufweisen“. Ein Verbot der Stummelrute an sich spricht das Gutachten nicht aus. Den Epagneul Breton nennt es nicht; als Beispiele erscheinen andere Rassen wie Cocker, Entlebucher und Rottweiler.
Bei der Vererbung ist das Dokument überholt. Es beschreibt die Kurzrute noch als autosomal-rezessiv, gestützt auf Arbeiten von Pullig aus den 1950er-Jahren am Cocker. Die T-Variante wurde erst 2001 entdeckt, zwei Jahre nach dem Gutachten. Für die TBXT-bedingte Stummelrute gilt heute: dominant für das Rutenmerkmal, rezessiv letal für den Embryo. Wer das Gutachten zitiert, sollte die Symptombeschreibung als Leitfaden für den Tierarztbesuch verstehen und die Genetik-Passage als historischen Stand kennzeichnen.
Labore, Preise und der Weg in die Praxis in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Im deutschsprachigen Raum ist der Test ohne Umweg über ausländische Anbieter zu bekommen. Der Preiskatalog Genetik von LABOGEN (Juli 2026) führt unter der Nummer 8219 „Brachyurie (Stummelrute)“ mit einer Bearbeitungszeit von 3–5 Werktagen. Der Bretone steht in der Rassenliste als „Bretonischer Spaniel“. Die Preise:
| Markt | Besitzerpreis | Züchterpreis | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 63,00 € | 48,00 € | inkl. 19 % MwSt. |
| Österreich | 63,53 € | 48,41 € | inkl. 20 % MwSt. |
| Schweiz | 64,15 CHF | 48,90 CHF | zzgl. MwSt. (Katalog CHD) |
Ein Bretonen-Paket gibt es im Katalog nicht; Brachyurie ist nur in den Paketen für Australian Shepherd/Miniature American Shepherd, Spanischen Wasserhund und Welsh Corgi enthalten (jeweils 110 €). Laut LABOKLIN-Testseite arbeitet das Labor mit einem TaqMan-SNP-Assay. Das Salzburger Labor FERAGEN listet „T-Loc“ als Bestandteil seines DogCheck; der DogCheck 4.0 wird „ab € 124,90“ angeboten (MwSt.-Status nicht geprüft) und deckt laut Anbieter bis zu 220 genetische Erkrankungen, Körper- und Fellmerkmale ab. Wer ohnehin ein Breitbandprofil möchte, bekommt den Rutenbefund dort mit. Außerhalb des DACH-Raums bieten Genomia in Pilsen (56,00 USD ohne MwSt., 12 Werktage) und AnimaLabs (54,90 € inkl. MwSt.) den Test ebenfalls an.
Welche Probenart das Labor akzeptiert, steht in den jeweiligen Einsendehinweisen. Für den Herkunftsnachweis ist es sinnvoll, die Probe in der Tierarztpraxis nehmen und die Identität des Hundes bestätigen zu lassen, damit der Befund später eindeutig diesem Hund zugeordnet werden kann.
LenaUnd wenn mein Bretone im Alter steif läuft – zahlt dann die Versicherung das Röntgen? Jonas ReuterDas hängt vom Tarif ab. Ein geprüftes Bedingungswerk eines österreichischen Versicherers schließt angeborene Fehlentwicklungen samt Folgen aus; andere Tarife wurden hier nicht ausgewertet.Bei Rückenbeschwerden führt der Weg zuerst zur Haustierarztpraxis, die über Röntgen und gegebenenfalls Überweisung an eine neurologische oder orthopädische Fachpraxis entscheidet. Nach der Gebührenordnung für Tierärzte (Einfachsatz) kosten die erste und zweite Röntgenaufnahme je 26,53 € (GOT Nr. 166), eine Myelographie 76,33 € (Nr. 174); dazu kommen Untersuchung, Sedierung und der in der Praxis übliche Gebührensatz. Den Gentest-Befund sollte man zum Termin mitbringen, aber nicht überbewerten: Er sagt etwas über die Rute, nichts darüber, ob ein Übergangswirbel tatsächlich Beschwerden macht. Wer eine Tierkrankenversicherung hat, prüft vorab, ob angeborene oder entwicklungsbedingte Anomalien ausgeschlossen sind und ob eine Wartezeit läuft; beim Helvetia-Tarif in Österreich (AVB 2024, Ziff. 5.1) sind angeborene Fehlentwicklungen ausgeschlossen.
Die Rasse ist in Deutschland klein. Die VDH-Welpenstatistik verzeichnet für den Epagneul Breton 45 Welpen im Jahr 2025, nach 23 im Jahr 2024 und 40 im Jahr 2023 – bei insgesamt 55.053 VDH-Welpen aller Rassen und 1.198 Welpen beim Deutsch Kurzhaar. In Frankreich ist der Bretone dagegen laut FCI-Standard „zahlenmäßig die am häufigsten vorkommende Vorstehhundrasse“. Bei so wenigen deutschen Würfen pro Jahr zählt jede Verpaarung, und ein Wurf mit einem Viertel weniger Welpen fällt ins Gewicht. Der CBV erhebt bei der Wurfabnahme derzeit 55,00 € je Welpe; Wurfabnahme ist frühestens nach der 7., Abgabe frühestens nach der 8. Lebenswoche.
Häufige Fragen
Q. Ist eine natürliche Stummelrute beim Epagneul Breton eine Krankheit?
Nein. Hunde mit einer Kopie der TBXT-Variante haben eine verkürzte Rute; der britische Kennel Club nennt für eine Kopie keine bekannten Gesundheitsprobleme, und 19 erwachsene kurzrutige Corgis in Oslo zeigten keine angeborenen Wirbeldefekte. Beim Bretonen fand die norwegische Studie von 2026 einen statistischen Zusammenhang mit dem Übergangswirbel, der weder Ursache noch Krankheit beweist. Beschwerden klärt die Tierärztin oder der Tierarzt.
Q. Kann der Gentest beweisen, dass mein Hund nicht kupiert wurde?
Er kann belegen, dass der Hund die Variante trägt und eine angeborene Kurzrute damit plausibel ist – LABOKLIN beschreibt den Test genau dafür. Ob zusätzlich ein Stück der Rute entfernt wurde, zeigt kein Gentest. Bei Hunden ohne die Variante beantwortet der Test die Frage nach dem Kupieren nicht.
Q. Darf ich zwei Bretonen mit Stummelrute miteinander verpaaren?
Ein ausdrückliches Verbot für Bretonen ist in den hier geprüften Quellen nicht zu finden; die CBV-Zuchtordnung enthält dazu keine Regel. Genetisch ist zu erwarten, dass ein Viertel der Embryonen reinerbig ist und meist abstirbt, sodass Würfe kleiner ausfallen können. Mit einem langrutigen Partner entstehen keine reinerbigen Welpen. Im Zweifel mit Zuchtwart und Tierarzt absprechen.
Q. Mein Bretone ist negativ getestet, hat aber eine kurze Rute. Wie passt das?
Möglich ist, dass die Rute gekürzt wurde oder eine andere, nicht über diesen Genort erfasste Ursache vorliegt. Ein negativer Befund bedeutet außerdem nicht, dass die Wirbelsäule unauffällig ist – der Test misst nur die eine Variante c.189C>G.
Q. Wie sicher ist die Aussage „47,8 % der Bretonen haben einen Übergangswirbel“?
Sie gilt für 744 Bretonen aus dem norwegischen HD-Screening und beschreibt einen Röntgenbefund, keine Erkrankung. Für deutsche Linien gibt es keine veröffentlichten Zahlen. Ob der eigene Hund einen LÜW hat, lässt sich auf dem HD-Röntgenbild beurteilen.
Q. Was tun, wenn ein Welpe ohne Rute geboren wird und keinen Kot absetzt?
Sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik aufsuchen. Reinerbige Welpen können mit fehlendem After und Wirbeldefekten geboren werden; ein verschlossener Enddarm ist ein Notfall. Die Diagnose und jede Behandlungsentscheidung liegen beim Tierarzt.
Literatur und Quellen
- Haworth K, Putt W, Cattanach B, Breen M, Binns M, Lingaas F, Edwards YH (2001). Canine homolog of the T-box transcription factor T; failure of the protein to bind to its DNA target leads to a short-tail phenotype. Mamm Genome 12(3):212-218.
- Hytonen MK, Grall A, Hedan B, Dreano S, Seguin SJ, Delattre D, Thomas A, Galibert F, et al. (2009). Ancestral T-box mutation is present in many, but not all, short-tailed dog breeds. J Hered 100(2):236-240.
- Indrebo A, Langeland M, Juul HM, Skogmo HK, Rengmark AH, Lingaas F (2008). A study of inherited short tail and taillessness in Pembroke Welsh corgi. J Small Anim Pract 49(5):220-224.
- Berg JA, Saevik BK, Lingaas F, Trangerud C (2026). Association between the natural bobtail phenotype and lumbosacral transitional vertebra in Brittany dogs and Danish-Swedish Farmdogs. Can Vet J 67(8):882-888.
- OMIA 000975-9615: Tail, short in Canis lupus familiaris (dog). Online Mendelian Inheritance in Animals, University of Sydney. Accessed 2026-10-18.
- NCBI Gene ID 403653: TBXT T-box transcription factor T [Canis lupus familiaris]. National Center for Biotechnology Information. Accessed 2026-10-18.
- The Royal Kennel Club. DNA test – T-box (bob tail). Accessed 2026-10-18.
- FCI-Standard Nr. 95: Epagneul Breton (18.06.2003). Fédération Cynologique Internationale. Abgerufen 2026-10-18.
- LABOGEN: Preiskatalog Genetik Deutschland, Juli 2026. Abgerufen 2026-10-17.
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH): Welpenstatistik. Abgerufen 2026-10-17.
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Angeborene Stummelrute (TBXT / T-Box) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.
In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
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Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
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