Langhaariger Whippet und MDR1: Warum 50 % Genträger sind – Gentest, VDH-Status und Zucht

Langhaariger Whippet Deutsch

Kurz gesagt: Der Langhaarige Whippet (in Deutschland vom VDH als “Silken Windsprite” geführt) gehört laut der Washington State University zu den Rassen mit der höchsten dokumentierten MDR1-Trägerquote überhaupt: rund 50 % der untersuchten Tiere tragen die Genvariante nt230(del4). Ein einzelnes freies Testergebnis schließt ausschließlich diesen einen Locus aus – es ersetzt weder die tierärztliche Anamnese noch einen vollständigen Gentest bei einem darauf spezialisierten Labor.

Wer einen Langhaarigen Whippet besitzt oder züchtet, stößt früher oder später auf den Begriff MDR1 – meist im Zusammenhang mit einer Warnung vor bestimmten Entwurmungsmitteln oder Narkosemedikamenten. Das ist kein Randthema: Bei kaum einer anderen Rasse ist die Genvariante so häufig dokumentiert wie bei dieser langhaarigen Whippet-Variante, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter mehreren Namen kursiert (Langhaariger Whippet, Silken Windsprite, seltener Longhaired Whippet).

Dieser Artikel fasst zusammen, was wissenschaftlich zur Mutation bekannt ist, welche Wirkstoffe betroffen sind, wie der genetische Hintergrund der Rasse einzuordnen ist – und was das für Halterinnen und Halter sowie Züchterinnen und Züchter im deutschsprachigen Raum konkret bedeutet, einschließlich der oft unklaren Frage nach VDH- und FCI-Anerkennung.

MDR1, P-Glykoprotein und die Blut-Hirn-Schranke

Diese Seite enthält Affiliate-Werbung. Sie ist eine informative Zusammenfassung veröffentlichter, begutachteter Evidenz und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln oder ihnen vorzubeugen. Bei Symptomen oder Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte stets an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Das MDR1-Gen (offiziell ABCB1) enthält den Bauplan für ein Transportprotein namens P-Glykoprotein. Das deutsche Labor LABOGEN aus Bad Kissingen beschreibt die Funktion anschaulich: P-Glykoprotein-Transporter “sitzen als Schutzbarriere an den Wänden der Blutgefäße im Gehirn und sind Teil der Blut-Hirn-Schranke”, die verhindert, dass die meisten Medikamente und toxischen Substanzen ins Gehirn gelangen. Bei Hunden mit der defekten MDR1-Variante fehlt dieser Schutzmechanismus – Wirkstoffe, die bei genetisch unauffälligen Hunden problemlos herausgefiltert werden, reichern sich im Gehirn an und können dort massive neurologische Symptome auslösen.

Die Entdeckung: nt230(del4) und eine Mutation aus der Zeit vor der modernen Rassezucht

Die molekulare Ursache wurde erstmals 2001 von Katrina Mealey und Kolleginnen und Kollegen an der Washington State University beschrieben (Mealey et al., Pharmacogenetics 2001). Bei einem Ivermectin-empfindlichen Collie fanden die Forschenden eine Deletion von vier Basenpaaren an Position 230 des MDR1-Gens (nt230[del4]). Diese Verschiebung des Leserasters führt dazu, dass die Proteinproduktion vorzeitig abbricht – statt des vollständigen, 1281 Aminosäuren langen P-Glykoproteins entsteht nach gängiger Fachliteratur nur ein stark verkürztes, funktionsloses Fragment.

Noch bemerkenswerter ist der Ursprung: Eine Analyse von Neff und Kolleginnen und Kollegen (PNAS 2004) zeigte, dass sich die Mutation auf einen einzigen Hund zurückverfolgen lässt, der in Großbritannien lebte – und zwar bereits vor 1873, also bevor die moderne Rassehundezucht mit organisierten Zuchtbüchern überhaupt begann. Die Variante verbreitete sich anschließend über gemeinsame Abstammungslinien in mehrere heutige Rassen, lange bevor diese als eigenständige Rassen definiert wurden. Das erklärt, warum MDR1 heute in einer scheinbar bunten Mischung von Hütehunden und einzelnen Windhundvarianten auftaucht, statt auf eine einzelne, klar abgegrenzte Rasse beschränkt zu sein.

LenaLenaAber unser Whippet ist doch ein Windhund, keine Collie-Kreuzung – warum betrifft ihn das überhaupt?
Jonas ReuterJonas ReuterGenau das ist der Punkt: Die Studie von Neff et al. 2004 zeigt, dass die Mutation älter ist als die heutigen Rassegrenzen. Sie stammt von einem einzelnen Hund vor 1873 und wurde über gemeinsame Ahnen in mehrere spätere Rassen weitergegeben – die Rassezugehörigkeit an sich schützt also nicht.

WSU-Daten: Warum ausgerechnet der Langhaarige Whippet betroffen ist

Die belastbarste aktuelle Quelle für Rassehäufigkeiten stammt vom Washington State University Veterinary Clinical Pharmacology Laboratory (WADDL/PrIMe, Stand Oktober 2021). Die dort veröffentlichte Tabelle listet den Langhaarigen Whippet mit einer Trägerhäufigkeit von rund 50 % – gleichauf mit dem Australian Shepherd und der Miniatur-Variante, und nur vom Collie (rund 70 %) übertroffen. Zum Vergleich einige weitere Werte aus derselben Tabelle: McNab 30 %, Silken Windhound 30 %, Chinook 25 %, Shetland Sheepdog 15 %, Deutscher Schäferhund 10 %, Border Collie unter 5 %.

Bemerkenswert ist die Abgrenzung innerhalb der Rasse selbst: Der kurzhaarige Standard-Whippet taucht in der WSU-Liste nicht auf. Die dokumentierte Belastung betrifft ausschließlich die langhaarige Variante – ein Hinweis darauf, dass die Mutation über einen begrenzten Abstammungszweig eingeflossen ist und nicht über die Whippet-Population insgesamt.

Andere Quellen nennen abweichende Zahlen, die man nicht unkritisch mitteln sollte, sondern nebeneinander einordnen muss: Der deutsche Wikipedia-Artikel zum “MDR1-Defekt” gibt für den Langhaarwhippet eine Genotyp-Verteilung von 25 % frei, 60 % Träger, 15 % betroffen an. Eine unabhängige, in einer anderen Quelle zitierte Untersuchung an 89 Hunden kam auf eine Allelfrequenz von 46,1 %, mit 51,7 % heterozygoten und 15,7 % homozygot betroffenen Tieren. Diese Zahlen liegen in ähnlicher Größenordnung wie die WSU-Angabe, sind aber methodisch nicht direkt vergleichbar. Für die praktische Einordnung gilt: Die WSU-Zahl von rund 50 % ist die am häufigsten zitierte und stammt aus der aktuellsten, öffentlich dokumentierten Übersichtsarbeit – sie sollte als Leitwert dienen, ohne die anderen Angaben zu verschweigen.

LenaLenaWieso gibt es überhaupt einen Langhaar-Whippet, wenn der Rassestandard eigentlich Kurzhaar vorschreibt?
Jonas ReuterJonas ReuterDie gängige, wenn auch nicht lückenlos belegte Erklärung ist eine historische Einkreuzung mit einer Hütehunderasse in einem amerikanischen Zwinger zwischen 1955 und 1975 – spätere Untersuchungen brachten das mit Shetland Sheepdogs in Verbindung, einer Rasse, die laut WSU selbst zu 15 % MDR1-Träger ist.

Gefährliche Wirkstoffe: die WSU-Liste

Laut der WSU-Übersicht gelten für Hunde mit MDR1-Mutation folgende Wirkstoffe als potenziell gefährlich oder dosiskritisch: Ivermectin, Eprinomectin, Selamectin, Milbemycin und Moxidectin (alles Antiparasitika), Loperamid (ein rezeptfrei erhältliches Durchfallmittel), Acepromazin und Butorphanol (Sedativa/Narkosemittel), sowie die Chemotherapeutika Vincristin, Vinblastin, Doxorubicin und Paclitaxel und das Apomorphin (u. a. zur Auslösung von Erbrechen). LABOGEN nennt zusammenfassend “Ivermectin, Loperamid, Opioide sowie bestimmte Narkose- und Krebsmedikamente” als betroffene Substanzgruppen. Wichtig: Diese Liste ersetzt keine tierärztliche Medikamentenprüfung – sie ist eine Orientierung dafür, worauf man bei Anamnesegesprächen aktiv hinweisen sollte.

Genotypen: frei, Träger, betroffen – und was das für die Zucht bedeutet

Nach dem von der Orthopedic Foundation for Animals (OFA) beschriebenen Modell gibt es drei Genotypen: N/N (frei, keine Mutation), N/MDR1 (Träger, ein mutiertes und ein normales Allel – kann gelegentlich ebenfalls empfindlich reagieren und gibt die Variante an rund 50 % der Nachkommen weiter) und MDR1/MDR1 (betroffen, beide Allele mutiert – Empfindlichkeit bereits bei niedrigen Dosen). Werden zwei Trägertiere miteinander verpaart, sind nach den Mendelschen Regeln im statistischen Mittel etwa 25 % der Welpen homozygot betroffen.

Das deutsche Labor Laboklin (Bad Kissingen) geht in seiner Einordnung sogar über die reine OFA-Definition hinaus: Auch bei heterozygoten Trägertieren (N/MDR1) empfiehlt Laboklin unter Berufung auf WSU-Daten bei bestimmten Wirkstoffen wie Acepromazin eine Dosisreduktion um rund 25 % – bei homozygot betroffenen Tieren (MDR1/MDR1) sogar um 30–50 %. Träger sind mit anderen Worten nicht automatisch unproblematisch, auch wenn sie im Alltag meist unauffällig bleiben.

LenaLenaWenn beide Elterntiere frei getestet sind, kann ich mir dann als Käufer den Gentest beim Welpen sparen?
Jonas ReuterJonas ReuterNur wenn beide Elterntiere tatsächlich mit N/N dokumentiert sind, ist das Risiko beim Wurf gemäß der Mendel-Vererbung praktisch ausgeschlossen. Ohne belastbare Zuchtpapiere beider Elterntiere bleibt ein eigener Test die einzig verlässliche Absicherung.

VDH, FCI und die Realität der Rasseanerkennung in Deutschland

Hier lohnt sich ein ehrlicher Blick, weil online viel Verwirrung herrscht: Die FCI erkennt den Langhaarigen Whippet nicht als eigenständige Variante an – der FCI-Rassestandard für den Whippet beschreibt ausschließlich ein kurzes, glattes Fell. Auf nationaler Ebene hat der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) die langhaarige Variante am 29.10.2014 unter dem Namen “Silken Windsprite” anerkannt; betreut wird die Rasse seither vom Deutschen Windhundzucht- und Rennverband (DWZRV). Diese Anerkennung ist ausdrücklich national, nicht international über die FCI – eine FCI-Anerkennung über alle rund 84 Mitglieds- und Partnerländer hinweg ist bislang nicht erfolgt.

Parallel dazu gibt es seit Februar 2010 mit dem Deutschen Langhaar Whippet Club e.V. (DLWC) einen eigenständigen, zuchtbuchführenden Verein, der unter dem Namen “Langhaar Whippet” firmiert und nach eigenen Angaben zwischen 2010 und 2025 rund 228 Welpen registriert hat. Für Interessentinnen und Interessenten bedeutet das konkret: Je nachdem, über welchen Verein bzw. welche Papiere ein Tier erworben wird, kann es entweder als “Silken Windsprite” (VDH/DWZRV) oder als “Langhaar Whippet” (DLWC) geführt sein – beides bezeichnet dieselbe langhaarige Variante, die Zuchtstrukturen laufen jedoch getrennt.

Eine für Whippet- oder Windhundzuchtvereine spezifische, verpflichtende MDR1-Testpflicht vor der Zuchtzulassung konnte für diesen Artikel nicht verifiziert werden. Zum Vergleich: Für Collie- und Sheltie-Zuchtvereine hat der VDH bereits zum 1. Januar 2010 einen verpflichtenden MDR1-Test vor der Zuchtzulassung eingeführt. Ob eine vergleichbare Regelung auch für den Langhaarigen Whippet/Silken Windsprite gilt, ließ sich nicht mit einer aktuellen, verifizierbaren Quelle belegen – Interessierte sollten das direkt beim jeweiligen Zuchtverein (DWZRV bzw. DLWC) erfragen, statt sich auf ungeprüfte Angaben zu verlassen.

LenaLenaAlso ist mein Whippet offiziell gar keine “richtige” Rasse?
Jonas ReuterJonas ReuterEr ist eine vom VDH national anerkannte Variante namens Silken Windsprite, aber international von der FCI bisher nicht anerkannt – das ist ein Status, den z. B. auch andere junge Rassen zeitweise hatten, kein Makel am einzelnen Hund.

Gentest in Deutschland: Laboklin und LABOGEN aus Bad Kissingen

Zwei der bekanntesten deutschen Labore für Tiergenetik – Laboklin GmbH & Co. KG und LABOGEN – haben ihren Sitz beide in Bad Kissingen und bieten kommerzielle MDR1-Tests an. Beide arbeiten mit einem PCR-Verfahren, das die nt230(del4)-Deletion direkt nachweist, und akzeptieren als Probenmaterial sowohl Blut (EDTA-Blut) als auch Wangenabstrich-Sets, die sich ohne Tierarztbesuch zu Hause entnehmen lassen.

Laboklin führt in seiner aktuellen Rasseliste für den MDR1-Test explizit sowohl den “Langhaarigen Whippet” als auch den Silken Windhound auf und bestätigt damit die Relevanz des Tests für diese Windhundvarianten unabhängig von der Herkunft aus der Hüterasse-Linie. LABOGEN nennt in seiner Rasseliste die Bezeichnung “Silken Windsprite”. Beide Labore geben das Ergebnis in den drei bereits beschriebenen Kategorien N/N, N/MDR1 und MDR1/MDR1 aus. Konkrete Preise oder Bearbeitungszeiten werden auf den jeweiligen Webseiten nicht pauschal veröffentlicht und sollten direkt beim Labor oder über die betreuende Tierarztpraxis angefragt werden. Als grobe Orientierung: MDR1-Gentests bei deutschen Laboren wie Laboklin oder LABOGEN liegen erfahrungsgemäß meist in der Größenordnung von etwa 30–50 Euro pro Test, abhängig von Labor, Probenart (Wangenabstrich vs. Blutprobe) und eventuellen Zuschlägen für die Tierarztpraxis – für den tatsächlich aktuell gültigen Preis sollte man dennoch immer direkt beim Labor nachfragen. Bezahlt wird in der Regel per Rechnung oder Kreditkarte direkt an das Labor, oder die Kosten werden über die betreuende Tierarztpraxis mit abgerechnet, wenn diese die Probe einsendet.

Tierärztlicher Überweisungsweg bei Symptomen

Zeigt ein Langhaariger Whippet nach Gabe eines der oben genannten Wirkstoffe – etwa nach einer Wurmkur mit Ivermectin oder einer Sedierung vor einem Eingriff – Symptome wie Zittern, erweiterte Pupillen, Gangunsicherheit, übermäßigen Speichelfluss oder Bewusstseinstrübung, ist das ein tierärztlicher Notfall. In Deutschland, Österreich und der Schweiz führt der Weg dann typischerweise über die Haustierarztpraxis zur nächsten Tierklinik mit Notdienst; größere Kliniken in Ballungsräumen (etwa Universitätskliniken für Kleintiere) verfügen häufig über mehr Erfahrung mit MDR1-assoziierten Zwischenfällen. Wichtig für die Anamnese: den (vermuteten oder bestätigten) MDR1-Status des Hundes sowie alle kürzlich verabreichten Medikamente aktiv mitteilen, auch wenn danach nicht gefragt wird – viele akute Vergiftungsbilder werden erst durch diesen Hinweis richtig eingeordnet. Eine Diagnose oder Therapieentscheidung kann ausschließlich die behandelnde Tierärztin oder der behandelnde Tierarzt treffen; dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.

LenaLenaReicht es, wenn ich dem Tierarzt sage, mein Hund ist ein Whippet?
Jonas ReuterJonas ReuterBesser ist es, konkret “Langhaariger Whippet bzw. Silken Windsprite, MDR1-Status unbekannt oder Träger” zu sagen – die WSU-Liste mit den betroffenen Wirkstoffen kann man sich sogar vorab ausdrucken und mitbringen.

Tierkrankenversicherung

Ob und wie eine Tierkrankenversicherung MDR1-bedingte Behandlungskosten abdeckt, hängt vom jeweiligen Anbieter und Tarif ab und lässt sich hier nicht pauschal für den deutschsprachigen Raum beantworten. Generell gilt: Ein bereits bekannter Gendefekt kann je nach Versicherer und Vertragsgestaltung als Vorerkrankung behandelt werden, was Einfluss auf Aufnahme, Wartezeiten oder Leistungsausschlüsse haben kann – das sollte vor Vertragsabschluss direkt beim Versicherer erfragt werden, idealerweise bevor ein Gentest durchgeführt wird oder ein Vorfall dokumentiert ist. Wer einen Welpen mit unbekanntem MDR1-Status übernimmt, sollte diese Frage möglichst früh klären, statt sie erst im Schadensfall zu entdecken.

Eine häufige Verwechslung vorab: Das deutsche Gendiagnostikgesetz (GenDG) regelt ausdrücklich genetische Untersuchungen beim Menschen (etwa im medizinischen oder versicherungsrechtlichen Kontext) und ist auf Tiere nicht anwendbar – für den MDR1-Test beim Hund gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine vergleichbare eigenständige gesetzliche Regelung, die den Umgang von Tierkrankenversicherern mit Gentestergebnissen speziell vorschreibt. In der Praxis gehen deutsche, österreichische und schweizerische Tierkrankenversicherer branchenüblich ähnlich vor wie bei anderen bekannten Vorerkrankungen: Ein bereits dokumentiertes Testergebnis (insbesondere N/MDR1 oder MDR1/MDR1) kann bei Vertragsabschluss als Vorerkrankung gewertet werden und zu Leistungsausschlüssen für damit zusammenhängende Behandlungen führen, während für neu abgeschlossene Verträge zudem allgemein üblich ist, dass eine Wartezeit von einigen Wochen bis wenigen Monaten gilt, bevor Leistungen überhaupt beansprucht werden können. Da dies je nach Anbieter und Tarif unterschiedlich gehandhabt wird, ersetzt auch diese allgemeine Einordnung nicht die Nachfrage beim konkreten Versicherer.

Zuchtmanagement-Empfehlungen

Angesichts der von der WSU dokumentierten rund 50 % Trägerhäufigkeit ist ein unkontrolliertes Ausschließen aller Träger aus der Zucht weder realistisch noch nötig – bei einer derart hohen Ausgangsfrequenz würde das den ohnehin kleinen Genpool der Rasse zusätzlich verengen. Der in der Fachwelt übliche und auch von Laboklin/OFA nahegelegte Ansatz ist stattdessen die gezielte Verpaarung: Ein getesteter Träger (N/MDR1) kann mit einem sicher freien Partner (N/N) verpaart werden, wodurch nach der Mendel-Vererbung keine homozygot betroffenen (MDR1/MDR1) Welpen entstehen können, auch wenn rechnerisch rund die Hälfte der Welpen selbst wieder Träger wird. Zwei Trägertiere sollten dagegen nicht miteinander verpaart werden, da dabei im statistischen Mittel etwa ein Viertel der Welpen homozygot betroffen wäre. Voraussetzung für diese Strategie ist in jedem Fall ein dokumentierter Gentest beider Zuchttiere vor der Verpaarung, nicht erst danach.

Was Halterinnen und Halter heute tun können

  • Einen MDR1-Gentest bei einem etablierten Labor (z. B. Laboklin oder LABOGEN, beide Bad Kissingen) durchführen lassen, per Blutprobe oder Wangenabstrich – unabhängig davon, ob der Hund als Zuchttier vorgesehen ist.
  • Das Testergebnis (N/N, N/MDR1 oder MDR1/MDR1) in den Heimtierausweis eintragen lassen und bei jedem Tierarztbesuch, auch bei Vertretungspraxen oder im Urlaub im Ausland, aktiv erwähnen.
  • Die WSU-Liste der kritischen Wirkstoffe (u. a. Ivermectin, Loperamid, Acepromazin) kennen und speziell bei rezeptfreien Entwurmungs- oder Durchfallmitteln genau auf den Wirkstoff statt nur auf den Markennamen achten.
  • Bei Zuchtinteresse vorab beim betreuenden Verein (DWZRV bzw. DLWC) nach aktuellen Gesundheitsauflagen und dem MDR1-Status beider potenzieller Elterntiere fragen.
  • Vor Abschluss einer Tierkrankenversicherung gezielt nachfragen, wie mit einem bekannten oder noch unbekannten MDR1-Status umgegangen wird.
  • Bei akuten Symptomen nach Medikamentengabe sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt bzw. eine Tierklinik mit Notdienst kontaktieren und den MDR1-Verdacht aktiv ansprechen.

Häufig gestellte Fragen

Q. Ist jeder Langhaarige Whippet automatisch von MDR1 betroffen?
Nein. Laut WSU-Daten tragen rund 50 % der untersuchten Tiere die Genvariante – das ist eine der höchsten dokumentierten Raten unter allen Rassen, aber kein Automatismus. Nur ein Gentest zeigt den individuellen Status (N/N, N/MDR1 oder MDR1/MDR1).

Q. Warum ist beim kurzhaarigen Standard-Whippet keine MDR1-Häufigkeit dokumentiert?
Die WSU-Rasseliste führt den kurzhaarigen Whippet nicht auf. Die dokumentierte Belastung betrifft ausschließlich die langhaarige Variante, deren Fell historisch mit einer Einkreuzung in Verbindung gebracht wird.

Q. Ist der Langhaarige Whippet vom VDH oder von der FCI anerkannt?
Der VDH hat die Variante 2014 unter dem Namen “Silken Windsprite” national anerkannt (betreut vom DWZRV). Eine internationale FCI-Anerkennung besteht bislang nicht; der FCI-Standard für den Whippet beschreibt nur die kurzhaarige Form.

Q. Welche Medikamente sind bei einem betroffenen Hund besonders riskant?
Laut WSU u. a. Ivermectin, Selamectin, Moxidectin, Loperamid, Acepromazin, Butorphanol sowie mehrere Chemotherapeutika. Die vollständige Liste sollte vor jeder Behandlung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgeglichen werden.

Q. Kann ein Träger (N/MDR1) ganz normal behandelt werden?
Nicht uneingeschränkt. Laboklin verweist auf WSU-Empfehlungen zur Dosisreduktion (z. B. rund 25 % bei Acepromazin) auch bei heterozygoten Trägertieren, nicht nur bei homozygot betroffenen Hunden.

Quellen

  • Mealey KL, Bentjen SA, Gay JM, Cantor GH (2001). “Ivermectin sensitivity in collies is associated with a deletion mutation of the mdr1 gene.” Pharmacogenetics 11(8):727–733. PubMed
  • Neff MW et al. (2004). “Breed distribution and history of canine mdr1-1Δ, a pharmacogenetic mutation with clinical importance.” PNAS 101(32):11725–11730. PNAS
  • Washington State University, WADDL/PrIMe: “Dog breeds commonly affected by MDR1 mutation” (2021). prime.vetmed.wsu.edu
  • Orthopedic Foundation for Animals (OFA): “Multiple Drug Sensitivity (MDR1).” ofa.org
  • LABOGEN, Bad Kissingen: MDR1-Genvariante (Ivermectinunverträglichkeit). labogen.com
  • Laboklin GmbH & Co. KG, Bad Kissingen: MDR1-Defekt beim Hund. laboklin.de
  • Silken Windsprite Club e.V.: Die Rasse-Anerkennung (VDH-Anerkennung 29.10.2014, DWZRV). silkenwindsprite-club.de
  • Deutscher Langhaar Whippet Club e.V. (DLWC): Vereinsangaben zu Zuchtbuch und Welpenzahlen seit 2010. dlwc.de

So lassen Sie Ihr Tier testen

Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.

Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich MDR1 (ABCB1) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).

Innerhalb der EU / in Deutschland

Wisdom Panel Premium
🌐 Servicegebiet: USA, Kanada & UK (regionale Labore); Kontinentaleuropa unbestätigt
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Cheek swab; 265+ conditions including MDR1 and DM (SOD1). Lafora disease is reported as a LINKAGE test (marker-based prediction, not the NHLRC1 repeat itself) — the company itself advises confirming with a direct test before breeding decisions.
Orivet
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Standalone tests incl. MDR1 (ivermectin sensitivity) and Degenerative Myelopathy (DM). GenoPet kit also on Amazon.
WSU PrIMe / VCPL (discovered MDR1)
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Dr. Mealey’s lab — the group that discovered ABCB1-1Δ. Direct-to-owner MDR1 test. DM: verify.
Wisdom Panel Premium
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Wangenabstrich; Panel inkl. MDR1. Auch bei Amazon.de (Wisdom Panel Essential) erhältlich.
Feragen
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Österreich (Marke dna-test-hund.de für DE). MDR1-Defekt einzeln oder im Rassetest. DM: bitte prüfen.
Laboklin
🌐 Servicegebiet: EU-Labornetz + UK (andere Regionen im Einzelfall)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Fachlabor. MDR1-Genvariante sowie DM (beide SOD1-Varianten c.118G>A / c.52A>T, u. a. Berner Sennenhund). Einsendung über die Tierarztpraxis.
Genomia
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
MDR1 (ABCB1):❓ Unbestätigt
Labor in Pilsen (Tschechien), EU. Einzeltest auf die NHLRC1-Lafora-Mutation, für zwölf Rassen gelistet (u. a. Rauhaarzwergteckel, Beagle, Basset Hound, Chihuahua, Welsh Corgi). Direktbestellung durch Halterinnen und Halter möglich; Wangenabstrich-Kits werden angeboten. Preis und Bearbeitungszeit auf der Testseite.

Außerhalb der EU

Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.

Embark (Breed + Health)
🌐 Servicegebiet: US/Kanada/EU/UK/Australien (US-Labor; international zahlt Rückporto selbst)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Cheek swab; multi-condition health panel that includes MDR1 and DM (SOD1). Also on Amazon (US health kit; JP = parallel-import).
Paw Print Genetics
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Clinical-grade lab; standalone MDR1. Other conditions incl. DM: verify on the product page.
LabGenVet (Canada)
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
MDR1 (ABCB1):❓ Unbestätigt
Canadian veterinary genetics lab. Direct NHLRC1 Lafora test listed for Beagle, Chihuahua, Miniature Wirehaired Dachshund, Newfoundland and Pembroke Welsh Corgi. Mail-in; confirm sample type and international shipping with the lab.

In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)

Pontely Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Heim-Abstrich-Hunde-DNA-Dienst aus Japan; deckt u. a. MDR1 und PRA ab. Weitere Varianten: nicht offiziell angegeben (prüfen). Dienst für Japan — außerhalb bitte Versand bestätigen.
Kahotechno DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
VEQTA Hunde-Erbkrankheiten-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Amanecer DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Servicegebiet offiziell nicht angegeben (bitte prüfen)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Universität Gifu / Kagoshima — DM (SOD1)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan, über Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):❌ Nein
Anicom DM (SOD1)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):❓ Unbestätigt
Orivet Japan — Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Japan & Asien (Probe geht an das Labor in Japan)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
amomag — Hunde-DNA-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan (keine internationale Probenrücksendung)
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
AIRDEC mini — Lafora-(Epm2b)-Test
🌐 Servicegebiet: Nur Japan, über Ihre Tierärztin/Ihren Tierarzt
Verfügbar in: Japan
MDR1 (ABCB1):❓ Unbestätigt
Japanisches Labor mit Einzeltest auf Epm2b (NHLRC1); nur Vollblut (keine Wangenabstriche), Einsendung über eine Tierarztpraxis in Japan.
Basepaws Dog DNA
🌐 Servicegebiet: Praktisch nur USA (international: Rückversand ans US-Labor selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Dog health panel includes MDR1. DM (SOD1): verify on the product page. Also on Amazon.
UC Davis VGL (dog)
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
University lab; standalone MDR1 and DM (SOD1) tests, owner-orderable.
Breedwise DNA
🌐 Servicegebiet: International auf Anfrage (Versand je nach Land)
Verfügbar in: USA
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
Standalone MDR1 oral swab (US). DM: verify on the product page.
OFA / University of Missouri
🌐 Servicegebiet: Weltweiter Postversand (Zoll-/Einfuhrdokumente ggf. nötig; Rückversand selbst organisieren)
Verfügbar in: USA
MDR1 (ABCB1):✅ Ja
The originating DM lab (Awano 2009). SOD1 c.118G>A test; result = risk class, not a diagnosis. MDR1: verify.
GLBizzia Haustier-DNA-Test (China)
🌐 Servicegebiet: Nur China (international unbestätigt)
Verfügbar in: China
MDR1 (ABCB1):❓ Unbestätigt
Urban Animal (India)
🌐 Servicegebiet: Nur Indien (Ausland auf Anfrage)
Verfügbar in: Indien
MDR1 (ABCB1):❌ Nein
India-based broad panel (130+ conditions); MDR1 / DM not explicitly published — verify.

Sorgen um die Gesundheit Ihres Tieres? — Sprechen Sie mit einer Tierärztin/einem Tierarzt

Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.

Bundestierärztekammer — Tierarztsuche

Dieser Abschnitt enthält Werbung (Affiliate-Links); bei einem Kauf über diese Links können wir eine Provision erhalten. Als Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Käufen. Gentests garantieren keine Vorbeugung, Diagnose oder Behandlung von Krankheiten – die Ergebnisse zeigen lediglich Tendenzen und dienen der Information.

Diese Seite bietet bildende Information, keine tierärztliche Diagnose oder Beratung. Entscheidungen zur Gesundheit Ihres Tieres treffen Sie bitte stets mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt.

Impressum · Datenschutzerklärung

Über den Autor

Jonas Reuter

Jonas Reuter

Redaktion & Text (kein Tierarzt)

Autor mit molekularbiologischem Hintergrund und langjähriger Hunde- und Katzenhalter. Kein Tierarzt – er übersetzt begutachtete Genetik-Forschung und Primärdaten in verständliche Sprache, stets als Information und nicht als Diagnose.

Copied title and URL