Fazit: Beim Bernhardiner ist die maligne Hyperthermie (Gen RYR1) eine seltene Narkose-Überempfindlichkeit, die das Merck Veterinary Manual für diese Rasse als gemeldet führt. Bei Riesenrassen tritt sie oft nicht bei einer geplanten Kastration auf, sondern im schlimmsten Moment: bei der Notoperation einer Magendrehung, für die Bernhardiner selbst als Risikorasse gelten. Eine Studie von 2025 (Vet Anaesth Analg) zeigte zudem, dass neue RYR1-Varianten spontan entstehen können, unabhängig von den Elterntieren. Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung.
- Maligne Hyperthermie beim Bernhardiner – eine Rasse auf der Meldeliste, keine Krankheitsakte
- Was die Forschung 2025 tatsächlich gezeigt hat
- Der Bernhardiner und die Lücke in der Primärliteratur
- Wie selten ist das wirklich? Eine slowakische Untersuchung gibt eine Ahnung
- Das erste Warnzeichen ist nicht das Fieber
- Auslöser, Nicht-Auslöser und die Behandlung mit Dantrolen
- Der Bernhardiner in Deutschland: kleine, wachsende Population – und ein zweites Narkoserisiko
- Gentest auf RYR1: Angebot in Deutschland und im europäischen Ausland
- Rechtlicher Rahmen: Was das Gendiagnostikgesetz nicht regelt – und was Zuchtordnungen tatsächlich verlangen
- Tierkrankenversicherung, erblich bedingte Befunde und wer den Gentest bezahlt
- Was Bernhardiner-Halter konkret tun können
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Maligne Hyperthermie beim Bernhardiner – eine Rasse auf der Meldeliste, keine Krankheitsakte
Maligne Hyperthermie ist keine Krankheit im klassischen Sinn, sondern eine Reaktion des Körpers auf bestimmte Narkosemittel. Auslöser sind volatile Inhalationsanästhetika wie Isofluran sowie das depolarisierende Muskelrelaxans Succinylcholin. Bei genetisch empfindlichen Hunden öffnet sich dann im Skelettmuskel ein Kalziumkanal (der Ryanodinrezeptor Typ 1, RyR1) und schließt nicht mehr richtig. Die Muskulatur bleibt angespannt, verbraucht ungebremst Energie, und Körpertemperatur sowie Kohlendioxid-Produktion steigen rasant an.
Der Merck Veterinary Manual führt den Bernhardiner unter den Rassen, bei denen diese Empfindlichkeit gemeldet wurde – gemeinsam mit Pointern, Greyhounds, Labrador Retrievern, Springer Spaniels, Bichon Frisés, Golden Retrievern und Border Collies. Eine unabhängige veterinärmedizinische Nachschlagequelle listet den Bernhardiner ebenfalls unter den gemeldeten Rassen. Wichtig ist die Einordnung: „gemeldet” bedeutet nicht „häufig”. Es bedeutet, dass Einzelfälle dokumentiert sind, nicht, dass es belastbare Häufigkeitszahlen für die Rasse gibt.
Was die Forschung 2025 tatsächlich gezeigt hat
Die bisher detaillierteste aktuelle Arbeit zu diesem Thema stammt von der Washington State University: Perez Jimenez et al. (2025, Veterinary Anaesthesia and Analgesia, 52(1):8-18) analysierten zwei Hunde, die während einer Isofluran-Narkose an einer tödlichen malignen Hyperthermie starben – ein 7-jähriger Pitbull-Mix und ein erst 12 Monate alter Golden Retriever. Per Next-Generation-Sequencing wurden bei beiden Tieren zuvor beim Hund nicht beschriebene Missense-Varianten im RYR1-Gen gefunden: p.Gly2375Arg beim Pitbull-Mix und p.Pro152Leu beim Golden Retriever.
Bemerkenswert: Die Position p.Gly2375Arg entspricht exakt einer beim Menschen bereits bekannten Mutationsstelle für maligne Hyperthermie. Und bei der Untersuchung der Elterntiere des Golden Retrievers zeigte sich, dass keiner der beiden Elternhunde die Variante trug – die Mutation war neu entstanden (de novo). Für Riesenrassen wie den Bernhardiner, bei denen eine Rasse-spezifische Studie bislang fehlt, ist diese Erkenntnis übertragbar: Eine unauffällige Ahnenreihe ist keine Garantie, weil neue Varianten unabhängig von der Zuchtlinie entstehen können.
Der Bernhardiner und die Lücke in der Primärliteratur
An dieser Stelle ist Ehrlichkeit wichtiger als Vollständigkeit: Eine gezielte Recherche nach rassespezifischer Primärliteratur zu Bernhardiner und RYR1/maligner Hyperthermie über die Merck-Auflistung hinaus ergab kein eigenständiges Fallbericht- oder Genetik-Papier speziell zum Bernhardiner. Die Rasse taucht in Übersichtslisten (Merck, sowie einer weiteren veterinärmedizinischen Referenzdatenbank) als gemeldete Rasse auf, aber es gibt – anders als beim Labrador Retriever oder Golden Retriever mit den Arbeiten von Roberts et al. (2001) und Perez Jimenez et al. (2025) – keinen dokumentierten Bernhardiner-Einzelfall mit publizierter Gensequenzierung.
Das ist kein Entwarnungssignal, sondern schlicht eine Datenlücke. Die grundlegende genetische Ursache wurde erstmals 2001 beim Hund allgemein beschrieben: Roberts et al. (2001, Anesthesiology, 95(3):716-725) identifizierten die Variante c.1640T>C (V547A) im RYR1-Gen bei einer Zuchtkolonie und bestätigten anhand von 47 Hunden im Muskelkontraktionstest einen autosomal-dominanten Erbgang – eine Kopie der Variante genügt für die Empfindlichkeit. Ob diese oder andere RYR1-Varianten beim Bernhardiner konkret vorkommen, ist schlicht nicht systematisch untersucht.
Wie selten ist das wirklich? Eine slowakische Untersuchung gibt eine Ahnung
LenaWenn es so selten ist, muss man sich dann überhaupt Gedanken machen? Jonas ReuterSelten heißt nicht ausgeschlossen. Eine slowakische Studie fand bei 50 Zuchthunden aus 27 Rassen keinen einzigen Träger – das beweist aber nicht die Abwesenheit.Haluskova et al. (2023, Veterinární Medicína, 68(11):428-434) testeten 50 Zuchthunde aus 27 Rassen in der Slowakei auf die T1640C-RYR1-Variante und fanden keinen einzigen Träger. Statistisch ist das erwartbar, wenn die Variante insgesamt selten ist: Bei einer Häufigkeit von beispielsweise 1:500 wäre eine Stichprobe von 50 Tieren viel zu klein, um zuverlässig einen Träger zu finden. Die Studie zeigt also eher die Grenzen kleiner Stichproben als eine belastbare Nullrate für die Hundepopulation insgesamt.
Für Bernhardiner-Halter in Deutschland heißt das: Es gibt schlicht keine verlässliche Zahl, wie viele Tiere der Rasse die Veranlagung tragen. Weder „sehr selten, kein Thema” noch „häufiger als gedacht” lässt sich mit den vorliegenden Daten belegen. Genau deshalb ist die praktische Vorsichtsmaßnahme – Narkose-Vorgeschichte dokumentieren, Tierarzt informieren – unabhängig von der tatsächlichen Häufigkeit sinnvoll.
Das erste Warnzeichen ist nicht das Fieber
Ein verbreitetes Missverständnis betrifft den Namen der Erkrankung selbst. Man würde erwarten, dass zuerst die Körpertemperatur steigt – tatsächlich ist laut Merck Veterinary Manual der Anstieg der endtidalen CO2-Konzentration das früheste messbare Zeichen, noch vor dem Temperaturanstieg. Das liegt daran, dass die anhaltende Muskelkontraktion sofort mehr Sauerstoff verbraucht und mehr Kohlendioxid produziert; die Wärme ist erst die Folge des gesteigerten Stoffwechsels.
Praktisch bedeutet das: Eine Kapnographie (Messung des ausgeatmeten CO2) während der Narkose ist der empfindlichste frühe Warnsensor – empfindlicher als ein Thermometer. Als Halter lohnt sich vor einer geplanten Operation die konkrete Nachfrage, ob während der Narkose eine CO2-Überwachung eingesetzt wird, statt nur nach der Temperaturkontrolle zu fragen.
Auslöser, Nicht-Auslöser und die Behandlung mit Dantrolen
Nach Angaben des Merck Veterinary Manual lösen vor allem volatile Inhalationsanästhetika (Halothan, Isofluran, Sevofluran) sowie Succinylcholin die Krise aus; auch Stress, Erregung oder starke körperliche Anstrengung können bei empfindlichen Tieren eine ähnliche Reaktion hervorrufen. Die einzige spezifische Behandlung ist Dantrolen (2-3 mg/kg intravenös, bei Bedarf wiederholt), das die unkontrollierte Kalziumfreisetzung im Muskel bremst.
Dass ein Wechsel der Narkosetechnik funktionieren kann, zeigt ein kanadischer Fallbericht: Shin & Ambros (2025, Canadian Veterinary Journal, 66(8):868-873) beschreiben einen Hund, der während einer Isofluran-Narkose eine Krise entwickelte. Nach Umstellung auf eine totale intravenöse Anästhesie (TIVA) mit Propofol, verstärkter Beatmung, aktiver Kühlung und Dantrolen erholte sich das Tier. Sechs Wochen später wurde eine erneute Operation von Beginn an unter TIVA durchgeführt – ohne Zwischenfall. Die Veranlagung bedeutet also nicht, dass gar keine Narkose mehr möglich ist, sondern dass die Methode angepasst werden muss.
Der Bernhardiner in Deutschland: kleine, wachsende Population – und ein zweites Narkoserisiko
LenaIst das bei einer so seltenen Rasse überhaupt relevant für viele Halter? Jonas ReuterRelevant ja, aber aus einem anderen Grund: Bernhardiner sind selbst eine Risikorasse für Magendrehung, die ebenfalls eine Notnarkose erfordert.Der Bernhardiner ist in Deutschland eine kleine, aber laut VDH-Welpenstatistik wachsende Population: 2024 wurden 190 Bernhardiner-Welpen bei VDH-Mitgliedsvereinen registriert, gegenüber 154 im Jahr 2023. Nach der VDH-Rassebeschreibung stammt die Rasse vom Großen Sankt-Bernhard-Pass in der Schweiz, wurde durch die Zuchtarbeit von Heinrich Schumacher geprägt und 1887 offiziell als Rasse anerkannt; in Deutschland betreuen unter anderem der St. Bernhards-Klub und der Bernhardiner Club Deutschland die Zucht. Der VDH beschreibt das Wesen als ausgeglichen und familienfreundlich, weist aber auch auf gesundheitliche Zuchtziele bei Hüfte, Ellbogen und Augen hin.
Für die Narkosefrage kommt beim Bernhardiner ein zweiter, unabhängiger Risikofaktor hinzu: die Magendrehung (Gastric Dilatation-Volvulus, GDV). Tierärztliche Quellen führen den Bernhardiner neben Deutschem Schäferhund, Rottweiler, Deutscher Dogge, Dobermann und Boxer ausdrücklich als Risikorasse für diesen lebensbedrohlichen Notfall, wobei das Risiko bei Riesenrassen bereits ab einem Alter von etwa drei Jahren deutlich zunimmt. Anders als eine geplante Kastration ist eine Magendrehungs-Operation ein ungeplanter Notfall: Der Hund kommt im Schockzustand, es bleibt kaum Zeit für ausführliche Anamnese, und die Narkose muss trotz instabilem Kreislauf sofort eingeleitet werden. Ohne Operation verläuft eine Magendrehung nahezu immer tödlich, aber auch mit Operation überleben nicht alle Tiere. Bei nicht fixiertem Magen liegt die Rezidivrate bei einem erneuten Ereignis nach Angaben einer Tierklinik bei rund 80 Prozent, weshalb bei der Erstoperation meist gleich eine Magenpexie mitgemacht wird.
Das bedeutet für Bernhardiner-Halter praktisch: Die maligne Hyperthermie ist nicht das einzige Narkose-relevante Thema dieser Rasse, und im Ernstfall einer Magendrehung fehlt oft die Zeit, um erst in Ruhe eine Vorgeschichte zu klären. Genau deshalb lohnt es sich, Informationen zu einer möglichen Narkose-Empfindlichkeit vorab und schriftlich festzuhalten, statt sie erst im Notfall mündlich zu erwähnen.
Gentest auf RYR1: Angebot in Deutschland und im europäischen Ausland
In Deutschland bietet das Labor LABOKLIN (Bad Kissingen) einen direkten Test auf die maligne Hyperthermie an: ein TaqMan-SNP-Assay, Ergebnis 3-5 Werktage nach Probeneingang, mit ausdrücklichem Hinweis auf den autosomal-dominanten Erbgang. Das auf Tiergenetik spezialisierte Labor Generatio (Center for Animal Genetics, Heidelberg) führt den Test ebenfalls, mit einem Preis um 53,90 Euro (inkl. MwSt.) laut eigener Preisangabe. International bietet das tschechische Labor Genomia den gleichen RYR1-Test (V547A) rassenübergreifend an, mit einem Listenpreis von umgerechnet rund 56 US-Dollar und einer Bearbeitungszeit von etwa 12 Werktagen. Für Endverbraucher, die selbst ein Kit bestellen möchten, führt der US-Anbieter Embark maligne Hyperthermie (RYR1) im Gesundheitsteil seines Breed+Health-Kits (Listenpreis 199 US-Dollar).
Da für den Bernhardiner keine rassespezifische Positivliste existiert, ist die Testentscheidung eher eine allgemeine Vorsichtsmaßnahme vor planbaren Eingriffen als eine Reaktion auf eine bekannte Häufung in der Rasse. Wer testen möchte, sollte das mit der Zuchtstätte oder dem behandelnden Tierarzt absprechen – insbesondere bei geplanten Eingriffen wie Kastration oder Zahnsanierung, für die genug Vorlaufzeit für Probenversand und Auswertung eingeplant werden kann.
Rechtlicher Rahmen: Was das Gendiagnostikgesetz nicht regelt – und was Zuchtordnungen tatsächlich verlangen
Ein Missverständnis lässt sich an dieser Stelle direkt ausräumen: Das deutsche Gendiagnostikgesetz (GenDG) regelt genetische Untersuchungen ausschließlich beim Menschen (einschließlich Embryonen und Feten) – Heimtiere fallen nicht in seinen Anwendungsbereich. Wer beim Bernhardiner einen RYR1-Test in Auftrag gibt, bewegt sich also außerhalb dieses Gesetzes, nicht innerhalb eines vergleichbaren tierbezogenen Regelwerks.
Verbindlich ist stattdessen das Tierschutzgesetz mit der Tierschutz-Hundeverordnung: Zur Zucht dürfen nur gesunde, verhaltenssichere Hunde eingesetzt werden, und Zuchtverbände müssen den Behörden geeignete Zuchtkonzepte zur Bekämpfung von Erbkrankheiten nachweisen. Innerhalb des VDH ist es die jeweilige Zuchtordnung des Rasseclubs (beim Bernhardiner der St. Bernhards-Klub bzw. Bernhardiner Club Deutschland), die konkret festlegt, welche Gesundheitsuntersuchungen vor einer Zuchtzulassung Pflicht sind – üblicherweise Hüftgelenks- und Ellbogenscreening. Ein bundesweit verbindlicher RYR1/MH-Gentest ist darin nach aktuellem Stand nicht vorgeschrieben; die Entscheidung für einen Test bleibt damit, anders als etwa bei einer HD-Auswertung, freiwillig und liegt beim einzelnen Züchter oder Halter.
Tierkrankenversicherung, erblich bedingte Befunde und wer den Gentest bezahlt
LenaWenn wir einen Gentest machen lassen und er positiv ausfällt, zahlt dann die Versicherung mehr für die Narkose? Jonas ReuterEher umgekehrt: Angeborene und erblich bedingte Befunde sind bei vielen Tarifen ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgenommen.Ein Punkt, der bei Riesenrassen mit bekannten erblichen Themen oft unterschätzt wird, ist die Vertragslage bei der Tierkrankenversicherung. Beim Anbieter Agila sind laut den veröffentlichten Leistungsbedingungen angeborene Krankheiten grundsätzlich nicht mitversichert – und zwar auch dann, wenn sie beim Vertragsabschluss noch nicht bekannt waren. Bereits bestehende Vorerkrankungen, die dem Halter oder dem Tierarzt zum Abschlusszeitpunkt bekannt waren, sind ebenfalls ausgeschlossen; im Einzelfall ist nach Prüfung aber eine Versicherung mit individuellen Ausschlüssen möglich. Bei anderen deutschen Anbietern wie der Uelzener Tierkrankenversicherung gilt für erblich bedingte Erkrankungen häufig eine Wartezeit von etwa einem Jahr in der OP-Versicherung, während rassetypische Erkrankungen nicht pauschal ausgeschlossen werden.
Für die maligne Hyperthermie heißt das konkret: Der Gentest selbst dient in erster Linie der Narkose-Sicherheit, nicht der Kostenerstattung. Ob eine Klinik die Kosten für einen Gentest oder eine wegen des Befunds angepasste Narkosetechnik (z. B. TIVA statt Inhalationsnarkose) übernimmt, hängt vom individuellen Tarif und Vertrag ab und sollte vor einem geplanten Eingriff direkt beim Versicherer erfragt werden. Wer eine Versicherung für einen jungen Bernhardiner abschließt, tut gut daran, die Klauseln zu angeborenen und erblich bedingten Erkrankungen genau zu lesen, bevor ein Verdacht überhaupt im Raum steht.
Was Bernhardiner-Halter konkret tun können
Unabhängig davon, ob ein Gentest gemacht wird, lassen sich einige Punkte schon vor der nächsten Narkose klären:
1. Vor jeder geplanten Narkose gezielt nachfragen. Wird während der Operation eine Kapnographie (CO2-Messung) eingesetzt? Das ist laut Merck Veterinary Manual das früheste Warnsignal, deutlich vor dem Temperaturanstieg.
2. Frühere Narkose-Zwischenfälle dokumentieren. Ungewöhnlich lange Aufwachphasen, unerklärliches Fieber oder Muskelsteifheit nach einer früheren Operation sind wichtige Hinweise – auch wenn sie in einer anderen Praxis aufgetreten sind.
3. Notfall-relevante Informationen schriftlich mitgeben. Da eine Magendrehung als Notfall keine Zeit für eine ausführliche Anamnese lässt, sollte ein möglicher Hinweis auf Narkose-Empfindlichkeit auf einer gut sichtbaren Karte oder im Impfpass vermerkt sein.
4. Bei Testwunsch frühzeitig planen. Ergebnisse von LABOKLIN liegen laut eigener Angabe nach 3-5 Werktagen vor; internationale Labore können je nach Versand länger brauchen. Für planbare Eingriffe genug Vorlauf einrechnen.
5. Versicherungsbedingungen vor dem Verdachtsfall prüfen. Klauseln zu angeborenen/erblich bedingten Erkrankungen sollten bereits beim Vertragsabschluss bekannt sein, nicht erst, wenn ein Befund vorliegt.
Die maligne Hyperthermie ist selten, und die meisten Bernhardiner durchlaufen jede Narkose ohne jeden Zwischenfall. Die Erkenntnisse aus 2025 zeigen aber, dass eine unauffällige Familiengeschichte keine vollständige Sicherheit bietet – und dass bei Riesenrassen mit zusätzlichem Magendrehungs-Risiko die Vorbereitung auf eine Notnarkose genauso wichtig ist wie die auf eine geplante.
Häufig gestellte Fragen
Q. Ist die maligne Hyperthermie beim Bernhardiner besonders häufig?
Es gibt keine belastbaren Häufigkeitsdaten für diese oder praktisch jede andere Rasse. Der Bernhardiner wird vom Merck Veterinary Manual als gemeldete Rasse geführt, was einzelne dokumentierte Fälle bedeutet, aber keine Aussage über die Häufigkeit in der Gesamtpopulation erlaubt. Eine slowakische Untersuchung an 50 Zuchthunden aus 27 Rassen fand keinen einzigen Träger, was angesichts der kleinen Stichprobe wenig überrascht.
Q. Sollte ich meinen Bernhardiner vor einer Kastration testen lassen?
Das ist eine Entscheidung, die Sie mit Ihrem Tierarzt treffen sollten. Ein Test kann bei planbaren Eingriffen zusätzliche Sicherheit geben, ist aber keine Voraussetzung für eine sichere Narkose – auch ohne Testergebnis lassen sich Vorsichtsmaßnahmen wie CO2-Überwachung und ein angepasster Narkoseplan umsetzen.
Q. Was passiert, wenn im Notfall (z. B. bei Magendrehung) keine Zeit für einen Gentest bleibt?
Ein Gentest ist für die Notfallversorgung ohnehin nicht praktikabel, da die Ergebnisse Tage bis Wochen brauchen. Entscheidend im Notfall ist, dass das Behandlungsteam über bekannte frühere Narkose-Auffälligkeiten informiert wird und die Vitalwerte – insbesondere die endtidale CO2-Konzentration – engmaschig überwacht werden.
Q. Übernimmt meine Tierkrankenversicherung die Kosten für den Gentest oder eine angepasste Narkose?
Das hängt vom jeweiligen Tarif ab. Bei manchen Anbietern sind angeborene und erblich bedingte Befunde grundsätzlich von der Erstattung ausgeschlossen, bei anderen gilt eine Wartezeit. Klären Sie das am besten direkt mit Ihrem Versicherer, bevor ein Verdacht oder ein Testergebnis vorliegt.
Q. Kann mein Bernhardiner trotz positivem RYR1-Befund normal operiert werden?
Ein positiver Befund bedeutet nicht, dass keine Operation mehr möglich ist. Der Fallbericht von Shin & Ambros (2025) zeigt, dass nach einer durchgestandenen Krise eine erneute Operation unter einer angepassten Narkosetechnik (totale intravenöse Anästhesie) komplikationslos verlaufen kann. Die Wahl der Methode liegt beim behandelnden Tierarzt.
Q. Ist die maligne Hyperthermie das Gleiche wie ein Hitzschlag im Sommer?
Nein. Ein Hitzschlag entsteht durch äußere Hitze und Anstrengung und kann jeden Hund treffen. Die maligne Hyperthermie ist eine genetisch bedingte Reaktion auf bestimmte Narkosemittel, bei der die Muskulatur selbst unkontrolliert Wärme produziert. Beide Zustände sind Notfälle – bei Anzeichen wie extrem hoher Körpertemperatur, Muskelsteifheit oder Kollaps sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Quellen
- Gesetze im Internet — Gendiagnostikgesetz (GenDG). https://www.gesetze-im-internet.de/gendg/BJNR252900009.html
- Gesetze im Internet — Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV). https://www.gesetze-im-internet.de/tierschhuv/BJNR083800001.html
- Perez Jimenez TE, Issaka Salia O, Neibergs HL, et al. Novel ryanodine receptor 1 (RYR1) missense gene variants in two pet dogs with fatal malignant hyperthermia identified by next-generation sequencing. Vet Anaesth Analg. 2025;52(1):8-18. https://doi.org/10.1016/j.vaa.2024.10.131
- Roberts MC, Mickelson JR, Patterson EE, et al. Autosomal dominant canine malignant hyperthermia is caused by a mutation in the gene encoding the skeletal muscle calcium release channel (RYR1). Anesthesiology. 2001;95(3):716-725. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/11575546/
- Haluskova J, Holeckova B, Kokulova L, et al. Detection of the T1640C RYR1 mutation indicating malignant hyperthermia in dogs. Vet Med (Praha). 2023;68(11):428-434. https://doi.org/10.17221/46/2023-VETMED
- Shin CW, Ambros B. A case of suspected malignant hyperthermia in a dog. Can Vet J. 2025;66(8):868-873. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12330792/
- Merck Veterinary Manual — Malignant Hyperthermia in Dogs. https://www.merckvetmanual.com/dog-owners/metabolic-disorders-of-dogs/malignant-hyperthermia-in-dogs
- OMIA:000621-9615 — Malignant hyperthermia in Canis lupus familiaris. https://omia.org/OMIA000621/9615/
- LABOKLIN — Maligne Hyperthermie (MH), Hund. https://laboklin.de/de/leistungen/genetik/erbkrankheiten/hund/maligne-hyperthermie-mh/
- Genomia — Prüfung von Hunden: MH. https://www.genomia.cz/de/test/mh/
- Embark — Malignant Hyperthermia (RYR1). https://embarkvet.com/products/dog-health/health-conditions/malignant-hyperthermia/
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) — Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine. https://www.vdh.de/ueber-den-vdh/welpenstatistik/
- Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) — Rasse des Monats: Bernhardiner. https://www.vdh.de/rasse-des-monats/rasse-des-monats-bernhardiner/
- Tierklinik Ismaning — Notfall Magendrehung beim Hund. https://tierklinik-ismaning.de/magendrehung-beim-hund/
- AGILA Haustierversicherung — Welche Kosten werden im Tierkrankenschutz übernommen und welche sind ausgeschlossen? https://kontakt.agila.de/hc/de/articles/41083244982417-Welche-Kosten-werden-im-Tierkrankenschutz-übernommen-und-welche-sind-ausgeschlossen
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Maligne Hyperthermie (RYR1) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
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In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
Sorgen um die Gesundheit Ihres Tieres? — Sprechen Sie mit einer Tierärztin/einem Tierarzt
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Bundestierärztekammer — Tierarztsuche
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