LenaSchwarzer Russischer Terrier – riesig, schwarz, aber wieso ausgerechnet ein Gentest zu Harnsteinen?
Jonas ReuterWeil eine Genstudie von 2008 bei genau dieser Rasse dieselbe SLC2A9-Mutation fand wie beim Dalmatiner.
LenaDas klingt nach einer Dalmatiner-Krankheit, nicht nach einem Wachhund von der Statur eines Rottweilers.
Jonas ReuterGenetisch verbindet beide trotzdem dieselbe Mutation – die Rassezugehörigkeit allein sagt wenig über das individuelle Risiko.
LenaUnd wie findet man das als Halter überhaupt heraus, bevor der Hund echte Probleme bekommt?
Jonas ReuterGenau darum geht’s jetzt – Testwege, Zuchtvorgaben hierzulande und was das für die Tierkrankenversicherung bedeutet.
Fazit: Die Genstudie von Bannasch et al. (2008, PLoS Genetics) identifizierte beim Schwarzen Russischen Terrier dieselbe SLC2A9-Exon-5-Mutation und denselben Haplotyp wie beim Dalmatiner. Laut einer Studie von Karmi et al. (2010, American Journal of Veterinary Research) waren von 101 getesteten Tieren dieser Rasse rund 27 % homozygot betroffen und weitere 50 % Anlageträger (dieselben Zahlen finden sich auch auf der Testseite von Paw Print Genetics). Ein DNA-Test liefert dabei nur eine Risikoeinschätzung – Diagnose und Behandlung bleiben Aufgabe der behandelnden Tierärztin oder des Tierarztes.
Der Schwarze Russische Terrier ist im deutschsprachigen Raum eine Rasse mit Nischenstatus, aber keineswegs ein Exot ohne Geschichte: Entwickelt wurde er ab den 1940er-Jahren in einer kynologischen Militärschule nahe Moskau, der berühmten “Roter Stern”-Zwingeranlage, durch gezielte Kreuzung von Riesenschnauzer, Rottweiler, Airedale Terrier und Neufundländer – mit dem Riesenschnauzer als vermutlich prägendstem Vorfahren. Die FCI erkannte die Rasse 1984 offiziell an, seit 1985 werden Importhunde im Zuchtbuch des Klub für Terrier von 1894 e. V. (KfT) geführt, dem für die Rasse zuständigen VDH-Mitgliedsverein.
Weniger bekannt ist, dass genau diese Rasse in einer der grundlegenden Arbeiten zur Hundegenetik namentlich auftaucht: In der Studie, die 2008 die molekulare Ursache der Hyperurikosurie (HUU) beim Dalmatiner aufklärte, wurden auch Schwarze Russische Terrier mit Harnsteinen genotypisiert – mit einem Ergebnis, das bis heute für Zucht, Diagnostik und Versicherungsfragen relevant ist. Dieser Artikel ordnet ein, was der zugrunde liegende SLC2A9-Gentest leisten kann, welche Testangebote und Zuchtregeln im deutschsprachigen Raum tatsächlich gelten – und wo Halterinnen und Halter selbst bei sorgfältiger Recherche auf offene Fragen stoßen.
- Wie SLC2A9 und HUU funktionieren
- Die Entdeckung 2008 – warum der Schwarze Russische Terrier zu den betroffenen Rassen zählt
- Symptome und Differentialdiagnose
- Wie man testen lässt – Testangebote im deutschsprachigen Raum
- Zucht und Regulierung
- Auswirkung auf die Tierkrankenversicherung
- Was Halter des Schwarzen Russischen Terriers heute tun können
- Häufig gestellte Fragen
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Wie SLC2A9 und HUU funktionieren
Hyperurikosurie und Hyperurikämie (HUU) sind laut dem Riney Canine Health Center der Cornell University eine seltene, angeborene Veränderung des Purinstoffwechsels: Betroffene Hunde scheiden deutlich mehr Harnsäure über Blut und Urin aus als gesunde Artgenossen. Ursächlich ist eine Funktionsstörung des Transportproteins SLC2A9, das normalerweise am Abbau- und Rückresorptionsweg der Harnsäure in Leber und Niere beteiligt ist. Ist dieser Weg gestört, bleibt mehr schwer wasserlösliche Harnsäure im Urin zurück, wo sie zu Kristallen und in der Folge zu Ammoniumurat-Harnsteinen (Uraturolithen) auskristallisieren kann – mit dem Risiko von Harnwegsverschluss, Entzündungen und, unbehandelt, chirurgisch zu entfernenden Blasensteinen.
Die Vererbung ist autosomal-rezessiv: Ein Hund muss zwei Kopien der Risikovariante tragen (je eine von Vater und Mutter), um selbst betroffen zu sein. Träger mit nur einer Kopie zeigen in aller Regel keine erhöhten Harnsäurewerte, können die Variante aber an die Hälfte ihrer Nachkommen weitergeben.
Die Entdeckung 2008 – warum der Schwarze Russische Terrier zu den betroffenen Rassen zählt
Den molekulargenetischen Nachweis lieferte 2008 eine Arbeitsgruppe um Danika Bannasch mit der Publikation “Mutations in the SLC2A9 Gene Cause Hyperuricosuria and Hyperuricemia in the Dog” (PLoS Genetics, Band 4, Ausgabe 11, e1000246). Die Autoren identifizierten eine Missense-Mutation in Exon 5 des SLC2A9-Gens (c.563G>T, Aminosäureaustausch Cys188Phe). Alle 247 untersuchten Dalmatiner waren für diese Variante homozygot – ein Befund, der die seit Jahrzehnten bekannte Uratsteinneigung dieser Rasse erstmals genetisch erklärte.
Entscheidend für den Schwarzen Russischen Terrier ist ein zweiter Teil derselben Studie: Bannasch und Kolleginnen screenten zusätzlich 378 Hunde aus 58 weiteren Rassen als allgemeine Populationsstichprobe – und fanden dabei keine einzige Trägervariante; alle 378 Hunde waren Wildtyp. Getrennt davon testeten sie gezielt einzelne Hunde aus Rassen, die klinisch bereits für Uratsteine bekannt waren: zwei Bulldoggen und zwei Schwarze Russische Terrier, die bereits Uratsteine gebildet hatten. Alle vier dieser klinisch auffälligen Hunde waren homozygot für dieselbe Exon-5-Mutation – und trugen denselben Haplotyp wie die Dalmatiner. Die Autoren werten dies nicht als drei unabhängige Mutationsereignisse, sondern als Hinweis auf eine sehr alte, “identical by descent” vererbte Mutation, die von einem gemeinsamen Vorfahren stammt und lange vor der modernen Rassebildung entstanden sein dürfte. Für Halterinnen und Halter bedeutet das konkret: Die genetische Ursache ist bei Dalmatiner, Bulldogge und Schwarzem Russischen Terrier identisch, auch wenn die drei Rassen äußerlich und stammbaumtechnisch nichts miteinander zu tun haben.
LenaWenn die Mutation so alt ist – warum betrifft sie dann nicht alle Rassen gleichermaßen?
Jonas ReuterWeil sie sich in nur wenigen Zuchtlinien erhalten hat; in den 378 allgemein gescreenten Hunden aus 58 Rassen fand sich gar keine, nur bei den 4 bereits erkrankten Hunden aus zwei Rassen.
Symptome und Differentialdiagnose
Klinisch zeigen betroffene Hunde laut Karmi et al. (2010) meist wiederkehrende, harnwegsinfektionsähnliche Symptome: häufiges Urinieren in kleinen Mengen, Pressen beim Wasserlassen und sichtbares Blut im Urin. Von 101 in dieser Studie getesteten Schwarzen Russischen Terriern der US-Population waren rund 50 % Anlageträger und etwa 27 % homozygot betroffen – Zahlen, die zeigen, dass die Variante in der Rasse keineswegs eine theoretische Randnotiz ist, auch wenn eine belastbare Prävalenz für die deutsche oder DACH-weite Zuchtpopulation zum Zeitpunkt der Recherche nicht vorliegt.
Wichtig für die Differentialdiagnose: Nicht jeder Uratstein bei einem Schwarzen Russischen Terrier geht zwangsläufig auf die SLC2A9-Variante zurück. Eine deutsche Zuchtstätte betont auf ihrer Gesundheitsseite ausdrücklich, dass weder der Status “Träger” noch sogar “frei” (N/N) vor der Bildung jeglicher Blasen- oder Nierensteinart schützt. Ein N/N-Ergebnis schließt Harnsteine also nicht kategorisch aus; mögliche andere Ursachen (z. B. ein portosystemischer Lebershunt, der den Harnsäurestoffwechsel unabhängig vom SLC2A9-Genotyp stören kann) müssen die endgültige Abklärung mittels Urinanalyse, bildgebender Diagnostik (Röntgen oder Ultraschall) und gegebenenfalls Leberfunktionsdiagnostik durch die Tierarztpraxis mit einschließen. Die ACVIM-Konsensusempfehlungen zur Behandlung und Prävention von Uroliten bei Hund und Katze unterscheiden hier grundsätzlich zwischen mehreren Steintypen (u. a. Urat-, Struvit- und Oxalatsteine), deren Management jeweils unterschiedlich ausfällt.
LenaAber ein negatives Testergebnis heißt dann sicher “keine Harnsteine”, oder?
Jonas ReuterNicht ganz – eine Züchterseite betont ausdrücklich, dass selbst ein “frei”-Ergebnis nicht vor jeglicher Steinbildung schützt.
Wie man testen lässt – Testangebote im deutschsprachigen Raum
Für die kommerziellen Testangebote (LABOKLIN, Genomia, UC Davis VGL) genügt eine Wangenschleimhautprobe. Die KfT-Zuchtordnung selbst verlangt für die dort verpflichtend registrierte Untersuchung allerdings eine Blutprobe statt eines Wangenabstrichs – Züchterinnen und Züchter sollten vor der Probenahme direkt beim KfT-Zuchtausschuss klären, welches Probenmaterial für die offizielle Eintragung anerkannt wird. Anders als beim Dalmatiner, wo die Mutation praktisch rassefixiert ist, wird der SLC2A9/HUU-Test von den meisten Laboren als sogenannter “All-Breed”-Test geführt, also unabhängig von einer festen Rasseliste angeboten – konsequent, da laut Bannasch et al. (2008) grundsätzlich jede Rasse Trägertiere aufweisen kann. Für Halterinnen und Halter in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet sich in erster Linie LABOKLIN in Bad Kissingen an: Der Test läuft dort per TaqMan-SNP-Assay (Service-ID 8154) mit einer angegebenen Bearbeitungszeit von drei bis fünf Werktagen nach Probeneingang, die Probe wird über die Tierarztpraxis eingesandt. Der genaue Einzeltestpreis war zum Zeitpunkt der Recherche über die öffentlich zugänglichen Preiskataloge nicht abschließend zu verifizieren; vergleichbare LABOKLIN-Einzelmarker für Erbkrankheiten bewegen sich erfahrungsgemäß im Bereich von rund 55 bis 65 Euro, der aktuelle Betrag sollte aber direkt beim Labor erfragt werden, da sich Preislisten mehrmals jährlich ändern. Eine konkrete, öffentlich einsehbare Alternative bietet das tschechische Labor Genomia, das denselben HUU-Test mit wählbarer Anzeigewährung (u. a. Euro) auflistet, umgerechnet rund 51 Euro (Preisangabe der Website: 56 US-Dollar, Stand der Recherche, Kurs schwankt), bei einer angegebenen Bearbeitungszeit von rund 12 Werktagen – als EU-Labor eine unkompliziertere Versandoption für Halter in Deutschland und Österreich als ein Test in den USA.
International bietet außerdem das Veterinary Genetics Laboratory der UC Davis denselben Test an, ebenso das inzwischen zu Orivet gehörende Angebot von Paw Print Genetics – ein Weg, den insbesondere Halter eines aus Russland, Osteuropa oder den USA importierten Schwarzen Russischen Terriers über die heimische Tierarztpraxis in Betracht ziehen können. Eine deutsche Zuchtstätte für die Rasse verweist auf ihrer Website ausdrücklich sowohl auf OFFA (offa.org) als auch auf LABOKLIN als Testadressen, was zur oben beschriebenen verpflichtenden KfT-Testpraxis passt. Für Halter in der Schweiz kommt als nicht-EU-Land ein zusätzlicher Schritt hinzu: Ein Wangenschleimhautabstrich als biologisches Material muss beim Versand an ein deutsches oder tschechisches Labor korrekt als “nicht-infektiöses tierisches Untersuchungsmaterial” deklariert werden; die genauen Zollformalitäten variieren je nach Kurierdienst und sollten vor dem Versand direkt beim gewählten Labor erfragt werden.
LenaUnd der Test selbst – reicht da eine einfache Speichelprobe?
Jonas ReuterJa, ein Wangenschleimhautabstrich genügt. LABOKLIN bietet ihn sogar als All-Breed-Test unabhängig von der Rasseliste an.
Zucht und Regulierung
Der Schwarze Russische Terrier wird von der Fédération Cynologique Internationale unter der Standardnummer 327 in FCI-Gruppe 2 (Pinscher und Schnauzer, Molosser und Schweizer Sennenhunde), Sektion 1.4 “Tchiorny Terrier”, ohne Arbeitsprüfung geführt; der aktuell gültige Standardtext datiert vom 13. Oktober 2010. In Deutschland liegt die Zuständigkeit beim Klub für Terrier von 1894 e. V. (KfT) als VDH-Mitgliedsverein. Die aktuelle Zuchtordnung des KfT (Stand 17.08.2023) schreibt für die Zuchtzulassung eine Untersuchung auf Hüftgelenksdysplasie (HD, Klasse A1/A2–B1/B2) vor (die Ellbogendysplasie-Pflicht im selben Dokument betrifft eine andere Rasse, den Airedale Terrier, nicht den Schwarzen Russischen Terrier). Anders als zunächst vermutet ist der SLC2A9/HUU-Gentest beim KfT tatsächlich verpflichtender Bestandteil der Zuchtzulassung, mit konkreten Paarungsregeln: Eine Verpaarung zweier Anlageträger (N/HUU × N/HUU) ist untersagt; homozygot betroffene Hunde (HUU/HUU) dürfen nur auf begründeten Antrag und ausschließlich mit einem genetisch freien Partner (N/N) zur Zucht eingesetzt werden. Die HUU-Testpraxis ist damit beim KfT keine Sache einzelner Züchter, sondern eine explizite Verbandsvorgabe.
In Österreich liegt die Zuständigkeit beim Österreichischen Kynologenverband (ÖKV): Für die Eintragung ins qualitativ höherwertige “A-Blatt” des Österreichischen Hundezuchtbuchs müssen Zuchttiere die vom jeweiligen Rasseverein festgelegten Gesundheits-, Wesens- und/oder Leistungskriterien erfüllen. Der Schwarze Russische Terrier bleibt dabei eine Nischenrasse mit nur einer Handvoll beim ÖKV registrierter Zuchtstätten im Land. In der Schweiz obliegt die Rassebetreuung der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG) und dem 1989 gegründeten Schwarzer Terrier Club Schweiz; nach älteren, öffentlich verfügbaren Angaben des Clubs (Stand ca. 2012, aktuellere Zahlen ließen sich nicht auffinden) lebten damals rund 120 Schwarze Russische Terrier im Land, mit nur einer einzigen Züchterin bzw. einem einzigen Züchter, die/der SKG- und Certodog-Papiere für die Rasse ausstellen konnte – ein noch kleinerer Markt als in Deutschland oder Österreich.
Zu prüfen ist außerdem, ob der Qualzuchtparagraph § 11b Tierschutzgesetz (TierSchG) hier einschlägig ist. Der Wortlaut verbietet Zuchtkombinationen, bei denen nach dem Stand des Zuchtwissens mit erblich bedingten Schmerzen, Leiden oder Schäden durch fehlende, untaugliche oder umgestaltete Körperteile oder Organe zu rechnen ist. HUU ist keine übertriebene äußerliche Zuchtmerkmal-Fehlbildung wie etwa Brachyzephalie, sondern eine Stoffwechselstörung eines inneren Organsystems (Harnsäuretransport in Leber und Niere) – der Gesetzestext ist insofern breit genug formuliert, dass eine wissentliche Anpaarung zweier Anlageträger textlich erfasst sein könnte. Anders als bei klassischen Qualzucht-Fallgruppen (extreme Fellfaltenbildung, verkürzte Gesichtsschädel) konnte im Rahmen dieser Recherche jedoch kein Beleg für eine tatsächliche behördliche oder gerichtliche Anwendung von § 11b auf HUU oder vergleichbare Stoffwechselerkrankungen gefunden werden; die praktische Vollzugspraxis konzentriert sich nach verfügbaren Quellen weiterhin fast ausschließlich auf äußerlich sichtbare Übertreibungsmerkmale. Für Züchterinnen und Züchter bleibt der DNA-Test dennoch das naheliegende Mittel, um eine nach § 11b theoretisch angreifbare Anpaarung von vornherein zu vermeiden.
Österreich und die Schweiz regeln Qualzucht jeweils anders als Deutschland. Das österreichische § 5 Abs. 2 Tierschutzgesetz verbietet Zuchtkombinationen, die für Tier oder Nachkommen mit starken Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwerer Angst verbunden sind, benennt als Regelbeispiele aber ähnlich wie Deutschland vor allem äußerlich erkennbare Merkmale (Atemnot, Bewegungsanomalien, Blindheit u. Ä.) – eine gezielte Anwendung auf HUU ist auch hier nicht belegt. Die Schweizer Tierschutzverordnung (TSchV) Art. 25 formuliert breiter: Zuchtziele, die zu eingeschränkten Organ- oder Sinnesfunktionen führen, sind nur zulässig, wenn sie ohne belastende Pflege- oder Behandlungsmaßnahmen kompensierbar sind – ein gestörter Harnsäuretransport ließe sich argumentativ durchaus als “eingeschränkte Organfunktion” lesen, doch auch dazu fehlt eine dokumentierte Vollzugspraxis speziell zu HUU.
Auswirkung auf die Tierkrankenversicherung
Nach der auf dem deutschen Markt gängigen Systematik (siehe dogvers.de zu Sonderfällen bei Vorerkrankungen, mit Verweis auf die vorvertragliche Anzeigepflicht nach § 19 VVG) gilt eine Erkrankung als Vorerkrankung, wenn sie vor Vertragsabschluss diagnostiziert, behandelt oder als angeborene Fehlentwicklung bereits bekannt war. Für HUU beim Schwarzen Russischen Terrier ergibt sich daraus eine Grauzone, die je nach Versicherer unterschiedlich behandelt wird. Wichtig für Österreich und die Schweiz: § 19 VVG ist deutsches Recht und gilt dort nicht direkt – die beiden Länder haben eigene, inhaltlich ähnliche Regelungen (dazu gleich mehr), sodass sich die deutschen Fallzahlen und Versichererlisten nicht 1:1 übertragen lassen.
In Österreich regelt die vorvertragliche Anzeigepflicht der eigenständige § 16 VersVG (Versicherungsvertragsgesetz) – eine eigene österreichische Norm, keine Anwendung des deutschen § 19 VVG. § 116 VersVG definiert die Tierversicherung zusätzlich als eigenen Vertragstyp (Ersatz des Tierwerts bei Tod sowie Deckung für Krankheits- und Unfallkosten). Konkrete österreichische Anbieter mit veröffentlichten Erbkrankheits-Klauseln für Rassehunde ließen sich im Rahmen dieser Recherche nicht verifizieren; Interessenten sollten die Klausel zu “angeborenen und ererbten Krankheiten” bei der Anbieterauswahl (z. B. über Vergleichsportale wie durchblicker.at) gezielt abfragen, statt sich auf die deutschen Beispiele dieses Artikels zu verlassen.
Der Schweizer Markt organisiert Hundekrankenversicherung anders als DE/AT: Helvetia bietet sie über die Marke “wau-miau” in vier gestuften Paketen (Basic/Clever/Optima/Exclusive) an, mit Prämien ab rund 7 Franken pro Monat (abhängig von Rasse, Alter und gewählter Selbstbehaltsstufe). Erb- bzw. rassetypische Krankheiten sind dabei erst ab der Paketstufe Optima mitversichert, mit einer Kostenobergrenze von maximal 5.000 Franken pro Jahr für diesen Bereich – wer nur Basic oder Clever wählt, hat für eine HUU-bedingte Behandlung keinen Schutz. Die genauen Bedingungen sollten vor Abschluss direkt bei Helvetia/wau-miau bestätigt werden, da sich Paketinhalte ändern können.
Agila wirbt ausdrücklich mit “keine Rasseausschlüsse” und schließt die “Behandlung rassespezifischer Erkrankungen” grundsätzlich in den Versicherungsschutz ein; im selben Bedingungswerk sind jedoch “angeborene Krankheiten und Defekte” pauschal ausgeschlossen, während für eine definierte Liste erblicher Erkrankungen (u. a. HD, ED, Kreuzbandprobleme, Allergien) eine verlängerte Wartezeit von sechs Monaten statt der sonst üblichen einen Monats gilt. HUU beziehungsweise die daraus resultierende Urolithiasis taucht in der öffentlich einsehbaren Liste dieser Erbkrankheiten nicht namentlich auf – ob ein Uratstein bei einem HUU/HUU-Hund als “angeborener Defekt” (dann ausgeschlossen) oder als “rassespezifische Erkrankung” nach sechs Monaten Wartezeit (dann versichert) eingestuft wird, ist damit nicht ohne Rückfrage beim Versicherer zu klären.
Bei BarmeniaGothaer gilt in den Standardtarifen eine 18-monatige Wartezeit für Gelenk- und rassespezifische Erkrankungen (in der Premium-Plus-Variante verkürzt auf sechs Monate); bereits vor Vertragsabschluss bekannte angeborene oder erworbene Fehlentwicklungen sind grundsätzlich vom Schutz ausgenommen. Auch hier ist eine bereits durch Gentest bekannte HUU/HUU-Konstellation im Zweifel als “bekannte Fehlentwicklung” zu werten und sollte im Gesundheitsfragebogen wahrheitsgemäß angegeben werden, da unrichtige Angaben nach § 19 VVG zum vollständigen Verlust des Versicherungsschutzes führen können. Angesichts dieser uneinheitlichen Handhabung ist Haltern eines Schwarzen Russischen Terriers zu raten, die konkrete Einstufung von Uratsteinen bzw. HUU – Ausschluss, Wartezeit oder regulärer Schutz – vor Vertragsabschluss schriftlich beim jeweiligen Versicherer zu erfragen, statt sich auf eine der beiden hier beschriebenen Praxen zu verlassen.
Was Halter des Schwarzen Russischen Terriers heute tun können
- Vor dem Kauf eines Welpen beim Züchter nach dem SLC2A9/HUU-Testergebnis beider Elterntiere fragen, idealerweise mit Prüfbericht von LABOKLIN, UC Davis VGL oder Paw Print Genetics.
- Bei einem bereits vorhandenen Hund unbekannten Status einen Gentest per Wangenschleimhautabstrich über die Tierarztpraxis veranlassen.
- Bei einem N/HUU- oder HUU/HUU-Ergebnis regelmäßige Urinkontrollen, ausreichende Wasserzufuhr und – nach tierärztlicher Abklärung – eine purinreduzierte Diät in Betracht ziehen, wie sie in der Pilotstudie von Westropp et al. (2017) zur Steinprävention untersucht wurde.
- Wiederkehrende Harnwegssymptome (häufiges Urinieren, Blut im Urin, Pressen) nicht vorschnell als “einfache Blasenentzündung” abtun, sondern differentialdiagnostisch abklären lassen – insbesondere bei bekanntem HUU-Status.
- Vor Vertragsabschluss einer Tierkrankenversicherung die konkrete Einstufung von Uratsteinen bzw. HUU (Ausschluss, Wartezeit oder regulärer Schutz) direkt beim Versicherer schriftlich erfragen.
- Bei Zuchtambitionen ausschließlich N/N- oder sorgfältig geplante N/N-×-Träger-Verpaarungen anstreben, um HUU/HUU-Nachkommen zu vermeiden.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information; Diagnose- und Behandlungsentscheidungen sollten immer gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt getroffen werden.
Häufig gestellte Fragen
Q. Ist Hyperurikosurie beim Schwarzen Russischen Terrier heilbar?
Es gibt keine ursächliche Therapie, die den SLC2A9-Gendefekt selbst behebt. Management erfolgt über purinreduzierte Diät, erhöhte Wasseraufnahme und ggf. Anhebung des Urin-pH-Werts; laut den ACVIM-Konsensusempfehlungen kann Allopurinol ergänzend eingesetzt werden, birgt ohne strikte Purinrestriktion aber das Risiko, andere Steintypen (Xanthinsteine) zu begünstigen. Die konkrete Behandlung gehört in tierärztliche Hände.
Q. Bedeutet ein Träger-Status (N/HUU) automatisch Harnsteine bei meinem Hund?
Nein. Anlageträger mit nur einer Kopie der Variante zeigen laut aktuellem Kenntnisstand in der Regel keine erhöhten Harnsäurewerte und keine klinischen Symptome, können die Variante aber an rund die Hälfte ihrer Nachkommen weitergeben.
Q. Wo kann ich meinen Schwarzen Russischen Terrier in Deutschland, Österreich oder der Schweiz testen lassen?
LABOKLIN in Bad Kissingen bietet den SLC2A9/HUU-Test als All-Breed-Test per Wangenschleimhautabstrich an, die Probe wird über die Tierarztpraxis eingesandt. Alternativ stehen internationale Labore wie UC Davis VGL oder das zu Orivet gehörende Paw-Print-Genetics-Angebot zur Verfügung, was insbesondere bei importierten Tieren infrage kommt.
Q. Übernimmt meine Tierkrankenversicherung die Behandlung von Harnsteinen bei HUU?
Das ist je nach Versicherer und Tarif unterschiedlich geregelt und hängt davon ab, ob der Steinleiden als “angeborener Defekt” (häufig ausgeschlossen) oder als “rassespezifische Erkrankung” nach Ablauf einer Wartezeit eingestuft wird. Diese Einstufung sollte vor Vertragsabschluss schriftlich beim jeweiligen Versicherer erfragt werden.
Quellen
- Bannasch D, Safra N, Young A, Karmi N, Schaible RS, Ling GV (2008). “Mutations in the SLC2A9 Gene Cause Hyperuricosuria and Hyperuricemia in the Dog.” PLoS Genetics 4(11):e1000246.
- Cornell University, Riney Canine Health Center. “Hyperuricosuria and Hyperuricemia (or Urolithiasis) HUU.”
- Westropp JL, Larsen JA, Johnson EG, Bannasch D, Fascetti AJ, Biourge V, Queau Y (2017). “Evaluation of dogs with genetic hyperuricosuria and urate urolithiasis consuming a purine restricted diet: a pilot study.” BMC Veterinary Research 13:45.
- ACVIM Small Animal Consensus Recommendations on the Treatment and Prevention of Uroliths in Dogs and Cats.
- Karmi N, Safra N, Young A, Bannasch DL (2010). “Validation of a urine test and characterization of the putative genetic mutation for hyperuricosuria in Bulldogs and Black Russian Terriers.” American Journal of Veterinary Research 71(8):909-914.
- Paw Print Genetics. “Hyperuricosuria” — Testseite Schwarzer Russischer Terrier (Zahlen von Karmi et al. 2010 übernommen).
- UC Davis Veterinary Genetics Laboratory (VGL). “Hyperuricosuria (HUU)” — Testangebot.
- LABOKLIN Bad Kissingen. “Hyperurikosurie (HUU/SLC)” — TaqMan-SNP-Assay, Service-ID 8154.
- Fédération Cynologique Internationale (FCI). “Russischer Schwarzer Terrier” — Standardnummer 327, FCI-Gruppe 2, Sektion 1.4.
- VDH-Welpen. “Russischer Schwarzer Terrier” — Rasseportrait und Geschichte.
- Klub für Terrier von 1894 e.V. (KfT). Zucht-Ordnung, Stand 17.08.2023.
- Tierschutzgesetz (TierSchG) § 11b — Verbot von Qualzucht.
- BarmeniaGothaer. “Hundekrankenversicherung” — Bedingungen zu Erbkrankheiten und Wartezeiten.
- AGILA Haustierversicherung. “Hundekrankenversicherung” — Bedingungen zu rassespezifischen und angeborenen Erkrankungen.
- dogvers.de. “Hundekrankenversicherung Sonderfälle: Vorerkrankungen/Alter.”
- Schwarzer Russischer Terrier Zucht. “Gesundheit” — Hinweise zu HUU, Testadressen und Ammoniumurat-Steinen.
- Genomia (Tschechien). “Hyperuricosuria” — Testpreis und Bearbeitungszeit (EU-Labor).
- Österreichischer Kynologenverband (ÖKV). Zuchtbuchreferat und A-Blatt-Kriterien.
- § 5 Tierschutzgesetz (Österreich) — Qualzuchtverbot.
- Schweizerische Kynologische Gesellschaft (SKG). Rassen & Rasseklubs.
- Tierschutzverordnung (TSchV) Art. 25 (Schweiz) — Grundsätze der Zucht.
- § 16 VersVG (Österreich) — vorvertragliche Anzeigepflicht.
- § 116 VersVG (Österreich) — Tierversicherung als Vertragstyp.
- wau-miau (Helvetia/ERV) Schweiz. “Hundeversicherung” — Paketstufen Basic/Clever/Optima/Exclusive, Erbkrankheiten ab Optima (max. CHF 5’000/Jahr), Prämien ab CHF 7.05/Monat.
Foto: Laslovarga, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Hyperurikosurie (SLC2A9) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.
In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
Sorgen um die Gesundheit Ihres Tieres? — Sprechen Sie mit einer Tierärztin/einem Tierarzt
Eine gesicherte Diagnose und jede Behandlung sind Sache der Tierärztin/des Tierarztes, nicht eines Testkits.
Bundestierärztekammer — Tierarztsuche
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Diese Seite bietet bildende Information, keine tierärztliche Diagnose oder Beratung. Entscheidungen zur Gesundheit Ihres Tieres treffen Sie bitte stets mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt.

