Fazit: Beim Basenji wurde der erbliche Pyruvatkinase-Mangel (PK-Mangel, Gen PKLR) des Hundes zuerst entdeckt – und hier ist er nach Einschätzung der Fachliteratur heute vermutlich so gut wie verschwunden. Die Studie von Inal Gultekin et al. (2012) schreibt, die Basenji-Variante „scheint aus der Rasse verschwunden zu sein“; der amerikanische Rasseklub BCOA spricht von einer „virtually eliminated“ Erkrankung, bei der aber „a few carriers still exist“. Eine formale Bevölkerungsstudie, die das belegt, gibt es nicht, und schon einmal – 1991 – tauchten nach einer vermeintlichen Ausrottung vier schwer kranke Hunde auf. In Deutschland, Österreich und der Schweiz verlangt keiner der zuständigen Zuchtverbände (BKD, ÖKV, SKG) einen PK-Test; Labore bieten ihn trotzdem an, einzeln für 48 bis 63 Euro oder im Basenji-Paket. Für Welpenkäufer ist der PK-Status eine Zusatzfrage hinter Fanconi, Augen und Hüften; für Züchter mit Importlinien oder unklarer Herkunft ist der Test eine preiswerte Absicherung. Ein Gentest ist keine Diagnose: Zeigt ein Basenji Blässe, Schwäche oder Blutarmut, gehört die Abklärung in die Hände einer Tierärztin oder eines Tierarztes.
- Eine Rasse als Lehrbuchfall: Basenji-Forschung von 1969 bis 1995
- 1991: Als eine verschwunden geglaubte Krankheit zurückkehrte
- Warum die Enzymmessung beim Basenji täuscht – und was die DNA änderte
- „Scheint aus der Rasse verschwunden“ – wie belastbar ist dieser Satz?
- Was die Krankheit beim Hund bedeutet – und was die Knochenmarkstudien zeigen
- BKD, ÖKV, SKG: Was die Zuchtverbände im deutschsprachigen Raum verlangen
- Was die Labore trotzdem anbieten – Preise in Euro
- Kaufvertrag, Versicherung, Klinik: die praktischen Folgen in DACH
- Entscheidungshilfe: Testen oder nicht – vier typische Situationen
- Häufige Fragen
- Quellen
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Eine Rasse als Lehrbuchfall: Basenji-Forschung von 1969 bis 1995
Die Rolle des Basenji erschließt sich am besten chronologisch. 1969 beschrieben J. B. Tasker und Kollegen im Journal of the American Veterinary Medical Association eine „Familial anemia in the Basenji dog“ – eine familiär gehäufte Blutarmut, deren Ursache damals noch offen war. Zwei Jahre später konnten G. P. Searcy, D. R. Miller und J. B. Tasker die Erkrankung im Canadian Journal of Comparative Medicine einem konkreten Enzymdefekt zuordnen: „Congenital hemolytic anemia in the Basenji dog due to erythrocyte pyruvate kinase deficiency“. Die Arbeitsgruppe um Urs Giger fasst diesen Ursprung 2012 knapp zusammen: Der Erythrozyten-PK-Mangel wurde beim Hund „first documented in Basenjis“.
Zum biochemischen Hintergrund reicht ein Absatz. Rote Blutkörperchen gewinnen ihre Energie ausschließlich über die Glykolyse, und die Pyruvatkinase katalysiert deren letzten, ATP-liefernden Schritt. Fällt das Enzym aus, gehen die Zellen vorzeitig zugrunde; die Folge ist eine chronische hämolytische Anämie. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv: Nur Hunde mit zwei defekten Kopien erkranken, Träger mit einer Kopie bleiben gesund, und zwei Träger miteinander verpaart ergeben im Mittel ein Viertel betroffener Welpen.
Die molekulare Ursache beim Basenji fand die Gruppe um K. M. Whitney und C. D. Lothrop. In „The molecular basis of canine pyruvate kinase deficiency“ (Experimental Hematology, 1994) beschrieben sie den Verlust einer einzigen Base, ΔC433, in der cDNA der roten (R-Typ-)Pyruvatkinase. Das daraus abgeleitete Protein ist verkürzt und besitzt das katalytische Zentrum gar nicht mehr. In der Datenbank OMIA ist die Variante heute als c.433del p.(P145Rfs*23) unter der Nummer 897 geführt. Ein Jahr später folgte der Schritt in die Praxis: 1995 stellten Whitney und Lothrop einen DNA-Test vor, der die Variante per PCR-RFLP nachweist und an 24 Hunden geprüft wurde. Damit ließen sich beim Basenji Träger erstmals zuverlässig molekular erkennen.
1991: Als eine verschwunden geglaubte Krankheit zurückkehrte
Der lehrreichste Moment dieser Geschichte liegt zwischen dem Enzymbefund von 1971 und dem DNA-Test von 1995. In den USA hatten Züchter in den Jahren davor Trägertiere über die Messung der Enzymaktivität im Blut aufgespürt und aus der Zucht genommen. Urs Giger und N. A. Noble beschreiben die Stimmung jener Zeit in ihrer Arbeit von 1991 in einem Satz, der heute wie eine Warnung klingt: Ein Screeningprogramm zur Erkennung heterozygoter Hunde habe den PK-Mangel „was thought to have eliminated“ – man glaubte also, die Krankheit sei aus den Basenjis der Vereinigten Staaten verschwunden.
Dann kamen vier Patienten. Giger und Noble untersuchten vier nicht eng miteinander verwandte Basenjis aus verschiedenen Teilen der USA mit chronischer hämolytischer Anämie (JAVMA 198(10):1755–1761). Der Hämatokrit (PCV) lag zwischen 16 und 25 Prozent. Alle vier Hunde zeigten eine fortschreitende Osteosklerose, also eine krankhafte Verdichtung der Knochen, zwei von ihnen entwickelten ein Leberversagen. Das Fazit der Autoren ist unmissverständlich: Schwere chronische hämolytische Anämie durch PK-Mangel und die begleitende Osteosklerose „still develop in Basenjis“.
Der Befund zeigt, dass eine rezessive Variante jahrelang unsichtbar mitreisen kann, solange Träger gesund sind und nicht sicher erkannt werden. Ob die Fälle auf Schwächen der damaligen Enzymtests zurückgehen, sagen die Quellen nicht. Belegt ist nur die Abfolge: erst die Überzeugung, das Problem sei gelöst, dann vier schwer kranke Hunde.
LenaVier Hunde klingt nach wenig. Warum ist der Bericht so wichtig? Jonas ReuterWeil die vier nicht eng verwandt waren und aus verschiedenen Regionen der USA kamen. Giger und Noble zeigten so, dass die Variante trotz Screening in mehreren Linien steckte.Warum die Enzymmessung beim Basenji täuscht – und was die DNA änderte
Auf den ersten Blick wirkt es logisch, einen Enzymmangel über die Enzymaktivität zu messen. Beim Basenji funktioniert genau das schlecht, und zwar aus einem biologischen Grund, den Whitney und Kollegen 1994 aufklärten: In den roten Blutkörperchen betroffener Hunde springt eine andere Form des Enzyms ein, die M2-Isoform der Pyruvatkinase. Sie wird im Reagenzglas mitgemessen, hilft der Zelle aber nicht ausreichend. Die gemessene Aktivität kann deshalb normal oder sogar erhöht erscheinen, obwohl der Hund schwer krank ist. Giger und Noble zogen daraus 1991 die klinische Konsequenz: Eine definitive Diagnose lasse sich „cannot be reached by simply measuring erythrocyte PK activity“.
Noch schwieriger ist die Lage bei Trägern. Ein Träger hat eine intakte und eine defekte Genkopie; sein Messwert liegt irgendwo zwischen „gesund“ und „betroffen“ – und genau in diesem Graubereich überlappen die Werte. Whitney und Lothrop schrieben 1995 in der Einleitung ihres „Genetic test for pyruvate kinase deficiency of Basenjis“ (JAVMA 207(7):918–921), die damals üblichen Methoden zur Trägererkennung „frequently give equivocal results“. Für ein Zuchtprogramm ist das ein fundamentales Problem.
Der DNA-Test löste es, weil er nicht die Funktion misst, sondern direkt nachsieht, ob die Base an Position 433 fehlt. Das Ergebnis ist eindeutig: zwei intakte Kopien, eine defekte oder zwei defekte. Gultekin und Kollegen bestätigten 2012 allgemein, dass bei bekannten Varianten der DNA-Nachweis genauer ist als die aufwendige Enzymdiagnostik; nur bei Rassen, deren Variante noch nicht bekannt ist, braucht es weiterhin Enzymtests und die Suche nach neuen Mutationen.
Daraus folgt eine Einschränkung, die jede Basenji-Halterin kennen sollte. PennGen, das Genetiklabor der University of Pennsylvania, formuliert sie in seiner Testbeschreibung so: „All tests are breed-specific and only detect variants known in the listed breeds“ – ein unauffälliges Ergebnis bedeute nur, dass genau diese Variante nicht gefunden wurde. Ein „PK-frei“ beim Basenji schließt also die Variante c.433del aus, nicht jede denkbare andere Ursache einer Blutarmut. Die Datenbank OMIA ergänzt sogar eine generelle Warnung: Dass eine Variante in ihrer Tabelle steht, „does not automatically mean that it should be used for DNA testing“.
Ein DACH-Labor, das die Pyruvatkinase-Aktivität im Hundeblut routinemäßig misst, haben wir übrigens nicht gefunden – was nicht heißt, dass es keines gibt.
„Scheint aus der Rasse verschwunden“ – wie belastbar ist dieser Satz?
Siebzehn Jahre nach dem DNA-Test zog die Arbeitsgruppe um Urs Giger eine Bilanz, die viel zitiert wird. In „Erythrocytic pyruvate kinase mutations causing hemolytic anemia, osteosclerosis, and secondary hemochromatosis in dogs“ (Journal of Veterinary Internal Medicine 26(4):935–944) heißt es, die ursprünglich beschriebene Basenji-Mutation „appears to have been eliminated from the breed“. Die Begründung steht im selben Satz: Weder in der Klinik noch in den Screeninglaboren seien offenbar betroffene Tiere aufgefallen.
Der Satz stützt sich auf eine Beobachtung, nicht auf eine Messung in der Population. Unmittelbar davor räumen die Autoren ein: „no formal surveys have assessed the prevalence of PK-LR mutations in dogs.“ Eine systematische Erhebung der Trägerhäufigkeit beim Basenji existiert nicht. Das „scheint“ ist deshalb kein Stilmittel, sondern Ausdruck dieser Lücke.
Der Basenji Club of America (BCOA, Seite zur Rassegesundheit) kommt zu einem ähnlichen, aber nuancierten Ergebnis. Die Erkrankung sei „virtually eliminated from the breed“, und das Testen sei „largely discontinued“. Die meisten heutigen Basenjis stammten von getesteten, freien Tieren ab, „but a few carriers still exist in the gene pool“. Bemerkenswert ist ein weiterer Hinweis desselben Klubs: Laut BCOA wurden die jüngsten Importe aus Afrika vor der Aufnahme ins AKC-Zuchtbuch per DNA getestet. Und in der Empfehlungsliste des BCOA für Gesundheitsuntersuchungen – Fanconi-Syndrom, PRA-BJ1, Augenuntersuchung, Schilddrüse, Hüfte und Ellbogen – fehlt der PK-Test.
Klar ist also: Betroffene Basenjis fallen seit Jahren offenbar nicht mehr auf. Unscharf bleibt, wie viele Träger es noch gibt und ob Importlinien die Variante erneut einbringen. Für die Praxis folgert der BCOA: Weil die erbliche Form so selten geworden sei, sei bei einer hämolytischen Anämie eines Basenji heute die nicht erbliche Form die wahrscheinlichere Ursache.
LenaWenn kaum noch jemand testet – woher weiß man dann, dass keine Fälle mehr auftreten? Jonas ReuterSicher weiß man es nicht. Gultekin und Kollegen stützen sich darauf, dass Kliniken und Labore keine Fälle sehen – eine formale Prävalenzstudie fehlt.Was die Krankheit beim Hund bedeutet – und was die Knochenmarkstudien zeigen
Beim Hund ist der PK-Mangel weit mehr als eine Blutarmut. Gultekin und Kollegen beschreiben, dass sich bei betroffenen Hunden etwa ab dem ersten Lebensjahr eine fortschreitende Osteosklerose entwickelt – ein Befund, der laut derselben Arbeit bei Menschen und Katzen mit PK-Mangel nie gesehen wird. Hinzu kommen eine sekundäre Hämochromatose, also eine Eisenüberladung des Körpers, und Leberschäden. Die roten Blutkörperchen betroffener Basenjis haben nach älteren Messungen, die die Autoren zitieren, eine Halbwertszeit von 2,5 bis 3 Tagen; bei gesunden Hunden sind es etwa 20 Tage.
Zur Lebenserwartung gibt es zwei Aussagen, die sich nicht decken und die wir deshalb getrennt nennen. Gultekin und Kollegen schreiben, Basenjis und die von ihnen beschriebenen betroffenen Labrador Retriever seien schwerer betroffen als andere Rassen und würden „even with appropriate supportive treatment“ nicht älter als fünf Jahre; diese Einschätzung beruht auf klinischen Beobachtungen und Einzelverläufen. Der BCOA gibt an, betroffene Basenjis stürben typischerweise bis zum Alter von zwei Jahren, vier Jahre seien die Obergrenze – ohne hierfür eine Quelle zu nennen. Eine Durchschnittszahl lässt sich daraus nicht ableiten. Das tschechische Labor Genomia nennt auf seiner Testseite als Zeitpunkt erster Symptome „approximately at 4 months of age“.
Wann kommt eine PK-Abklärung überhaupt in Frage? Gultekin und Kollegen formulieren das Muster: eine chronische, schwere hämolytische Anämie mit massiver Retikulozytose – das Knochenmark produziert also auf Hochtouren nach –, ein negativer direkter Coombs-Test, der gegen eine immunvermittelte Ursache spricht, und kein Hinweis auf bekannte Infektionen. Erst in dieser Konstellation gehört der PK-Mangel in die Differentialdiagnose. Diese Abwägung ist tierärztliche Arbeit.
Bleiben die Knochenmarkstudien, die mitunter als „Heilung“ zitiert werden. 1976 berichteten Weiden, Storb, Graham und Schroeder im British Journal of Haematology, dass bei PK-defizienten Basenjis die hämolytische Anämie nach einer Knochenmarktransplantation vollständig korrigiert war. Die Nachbeobachtung erschien 1981 in Blood: Nach mehr als 5,5 Jahren war die Blutbildung im Wesentlichen normal geblieben, die Hunde zeigten weder Leberzirrhose noch Osteosklerose, und die Eisenüberladung der Leber war zurückgegangen. 2003 setzte eine Gruppe um A. Takatu und R. Storb diese Linie mit nicht-myeloablativen Transplantationsverfahren fort (Biology of Blood and Marrow Transplantation). Das waren Experimente mit dem Basenji als Forschungsmodell – kein Standardverfahren der Kleintierpraxis. Behandlungsfragen gehören in eine Fachklinik.
BKD, ÖKV, SKG: Was die Zuchtverbände im deutschsprachigen Raum verlangen
Im deutschsprachigen Raum ist der Basenji eine kleine Rasse – das macht jede Zuchtentscheidung gewichtiger. Die Welpenstatistik des VDH weist für 2025 genau 29 Basenji-Welpen in den Mitgliedsvereinen aus, bei insgesamt 55.053 VDH-Welpen aller Rassen. Die Werte schwanken stark (2024: 65, 2023: 41, 2011: 43) – bei so wenigen Würfen bestimmt ein einzelner Wurf den Jahreswert, ein Trend lässt sich nicht ablesen. Der 1. Basenji Klub Deutschland von 1977 e. V. (BKD), der im VDH für die Rasse zuständige Verein, gibt seine Population auf seiner Website mit derzeit „ca. 220 Hunde[n]“ an (undatierte Vereinsangabe). Ob neben dem BKD weitere VDH-Vereine Zuchthoheit für den Basenji haben, konnten wir nicht verifizieren.
Die Zuchtordnung des BKD (Stand November 2025) regelt die Bekämpfung von Erbkrankheiten in drei Paragrafen: Hüftgelenksdysplasie (§ 4.3.1, Mindestalter 13 Monate, HD D und E mit Zuchtverbot), Augen (§ 4.3.2, nur Untersucher des Dortmunder Kreises, PRA- und kataraktfrei) und das Fanconi-Syndrom (§ 4.3.3). Für Fanconi verlangt der Verein ausdrücklich den „Fanconi DNA Direkt-Test von der Universität Missouri“ mit Befundzertifikat der Orthopedic Foundation for Animals (OFA); mindestens ein Deckpartner muss „Fanconi frei“ sein. Der Pyruvatkinase-Mangel kommt im gesamten Dokument nicht vor, auch nicht in der Liste zuchtausschließender Fehler in § 4.11. Entsprechend nennt der Käuferhinweis des BKD Stammbaum mit FCI-, VDH- und BKD-Signet, das Original-Fanconi-Zertifikat, den Augenbefund und die HD-Auswertung – aber keinen PK-Befund.
In Österreich gibt es keinen eigenen Basenji-Rasseklub; der Österreichische Kynologenverband betreut die Rasse direkt. Seine Zuchtvoraussetzungen für ÖKV-betreute Rassen (gültig ab 1. Jänner 2025) verlangen für den Basenji weder HD- noch Patella-Untersuchung, sondern eine ECVO-Augenuntersuchung, deren Befund am Decktag höchstens zwölf Monate alt sein darf; die persistierende Pupillarmembran (MPP) führt beim Basenji in allen Formen zum Zuchtverbot. Für alle Welpen ist eine DNA-Abstammungsbestätigung über das Partnerlabor Feragen vorgesehen. Einen PK-Test verlangt der ÖKV nicht, einen Fanconi-Test ebenfalls nicht. Wie klein die Population ist, zeigt das Österreichische Hundezuchtbuch 2022: zwei Würfe, elf eingetragene Basenjis (Vorjahr: 16). Neuere Bände waren nicht abrufbar.
In der Schweiz existiert für den Basenji ebenfalls kein SKG-Rasseklub; die Rasse untersteht den Grünen Weisungen der SKG. Welche Gesundheitsatteste verlangt werden, entscheidet dort die Fachkommission AKZVT. Im Verzeichnis der Rassen (Stand 28.10.2025) ist der Basenji vom Röntgen „befreit“; als obligatorische Untersuchung ist PRA aufgeführt. Fanconi und PK stehen dort nicht. Die Zuchtzulassungsprüfung findet im Kompetenzzentrum HUND SCHWEIZ in Balsthal statt.
Deutschland verlangt also Fanconi, Augen und Hüften, Österreich die Augen, die Schweiz PRA – den PK-Test nirgends.
LenaWenn kein Verband den PK-Test verlangt, kann ich das Thema dann einfach abhaken? Jonas ReuterFür die Zuchtzulassung ja. Der BCOA schreibt, dass einige Träger im Genpool verblieben sind. Ohne Pflicht prüft es nur niemand systematisch.Was die Labore trotzdem anbieten – Preise in Euro
Mehrere Labore führen den Test weiter im Sortiment – einzeln oder als Baustein unterschiedlich geschnürter Rassepakete.
LABOKLIN / LABOGEN (Bad Kissingen). Der Einzeltest Pyruvatkinase-Defizienz läuft unter der Leistungs-ID 8015 und nennt Basenji in der Rasseliste. Daneben gibt es das Rassepaket „Combination Basenji“ (Service-ID 8815) mit Fanconi-Syndrom, Bas-PRA1 und PK. Der LABOGEN-Preiskatalog Genetik Deutschland, Juli 2026 nennt – alle Preise inklusive 19 % MwSt. – für das Paket Basenji 96,00 € sowohl für Besitzer als auch für Züchter, bei 7 bis 14 Werktagen. Einzeln kosten PK, Fanconi und Bas-PRA1 je 63,00 € für Besitzer und 48,00 € für Züchter mit aktueller Mitgliedsbescheinigung. Drei Einzeltests zum Besitzerpreis ergäben 189 €; das Paket ist also deutlich günstiger. Ein Haken für BKD-Züchter: Da die Zuchtordnung für Fanconi ausdrücklich den Missouri-Test mit OFA-Zertifikat verlangt, ersetzt der Fanconi-Baustein eines europäischen Pakets diesen Nachweis nach dem Wortlaut nicht.
Genomia (Pilsen, Tschechien). Der Einzeltest „PK deficiency in basenji“ kostet bei Ländereinstellung „EU country“ 58,00 € inklusive MwSt., übliche Bearbeitungszeit 12 Arbeitstage. Die Kombination aus Fanconi, Bas-PRA und PK liegt bei 136,00 €. Aufschlussreich ist ein drittes Angebot: ein Doppeltest Fanconi plus Bas-PRA für 99,00 € – ganz ohne PK. Das Labor trennt also selbst zwischen den Tests, nach denen Vereine fragen, und dem PK-Test; der Aufpreis für PK im Dreierpaket beträgt 37 €.
CombiBreed (Certagen GmbH, Rheinbach). Der Artikel H445 „Pyruvatkinase-Mangel (PKDef) – Basenji“ kostet 57,48 € (47,50 € ohne MwSt.) zuzüglich 3,95 € Versand und Bearbeitung pro Auftrag, Bearbeitungszeit 10 Werktage. Die Spezifikation nennt Gen PKLR, Chromosom 7, Mutation c.433del und die PubMed-ID 7520391 – also genau die Whitney-Arbeit von 1994. Das Rassepaket „CombiBreed Basenji“ (H524) für 122,00 € (100,83 € ohne MwSt.) enthält neben PK, Fanconi und Bas-PRA auch einen Inzuchtkoeffizienten und eine Heterozygotie-Analyse.
FERAGEN (Salzburg). Im Onlineshop des ÖKV-Partnerlabors ist für den Basenji ein PRA-Test (49,00 €) gelistet, ein Basenji-PK-Test jedoch nicht; unter „Pyruvatkinase“ erscheint nur der Westie-Test. Ob FERAGEN den Basenji-PK-Test auf Anfrage durchführt, konnten wir nicht bestätigen.
Zum Vergleich: PennGen in den USA listet den Basenji ebenfalls weiterhin, mit 75 US-Dollar (abgerufen am 3. Oktober 2026, ohne Steuerausweis). Ob in einem der DACH-Labore in den letzten Jahren überhaupt ein positiver Basenji-PK-Befund aufgetreten ist, ist öffentlich nicht dokumentiert. Für die Schweiz haben wir keinen inländischen Anbieter des Basenji-PK-Tests ermittelt.
Kaufvertrag, Versicherung, Klinik: die praktischen Folgen in DACH
Was passiert, wenn ein Welpe trotz allem erkrankt? In Deutschland sind Tiere nach § 90a BGB keine Sachen, die Vorschriften über Sachen gelten aber entsprechend. Kauft eine Verbraucherin bei einem Unternehmer, greift die Beweislastumkehr des § 477 BGB: Allgemein wird ein Jahr lang vermutet, dass ein Mangel schon bei Übergabe vorlag – beim Kauf eines lebenden Tieres jedoch nur sechs Monate. Ob ein Hobbyzüchter Unternehmer ist, entscheidet der Einzelfall. Mängelansprüche verjähren nach § 438 BGB in zwei Jahren; auf ein Jahr verkürzen lässt sich das nach § 476 BGB nur bei gebrauchten Waren. Der Bundesgerichtshof hat im Urteil VIII ZR 3/06 vom 15.11.2006 entschieden, dass Tiere nicht generell als „gebraucht“ gelten und ein junges, noch nicht genutztes Tier nicht „gebraucht“ ist – entschieden an einem sechs Monate alten Hengstfohlen; die Übertragung auf Welpen ist unsere Einordnung. Ob ein gesunder Träger einen Sachmangel darstellt, hängt von der vereinbarten Beschaffenheit ab, etwa beim Verkauf als Zuchthund. Das ist keine Rechtsberatung. Für Österreich nennt die WKO nach dem Verbrauchergewährleistungsgesetz (VGG) eine einjährige Vermutungsfrist und zwei Jahre Gewährleistung; ob für Tiere eine Sonderregel gilt, konnten wir am Gesetzestext nicht bestätigen. Das Schweizer Kaufrecht haben wir nicht geprüft.
Bei den Versicherungen entscheidet das Kleingedruckte. Laut Website der Agria Tierversicherung, die der BKD auf seinen Seiten verlinkt, sind angeborene Krankheiten, die erst nach der Übergabe auftreten, versichert, wenn der Hund unter vier Monaten versichert wurde und die Erkrankung nicht bekannt war; die besondere Wartezeit entfällt dann. Die Bedingungen selbst konnten wir nicht einsehen. Weil Genomia erste Symptome beim betroffenen Basenji um den vierten Lebensmonat ansetzt, ist dieses Fenster eng. Zum Kontrast: AGILA schließt angeborene Krankheiten und Defekte aus. In Österreich nennt das Informationsblatt der Allianz „All in one – Petplan“ (Stand 11/2025) „Erblich oder genetisch bedingte Fehler“ ausdrücklich unter den Ausschlüssen. In der Schweiz schließen die Bedingungen der Calingo Insurance (Ausgabe Dezember 2025) Erbkrankheiten nicht aus, sehen aber eine Karenzfrist von 30 Tagen vor und stellen eine genetische Disposition einer Erbkrankheit gleich; Gentests im Zusammenhang mit der Fortpflanzung werden nicht erstattet.
Der medizinische Weg beginnt in der Haustierarztpraxis mit Blutbild und Retikulozytenzählung. Bleibt eine hämolytische Anämie ungeklärt, ist die Überweisung an eine Universitätsklinik der nächste Schritt – in Deutschland etwa an die Kleintierklinik der LMU München, die einen eigenen Bereich für überweisende Tierärztinnen und Tierärzte unterhält, in der Schweiz an die Kleintierklinik Bern der Vetsuisse-Fakultät, die ein Überweisungsformular für Tierärzt:innen und ein Anmeldeformular für Halter:innen anbietet. Nehmen Sie vorhandene DNA-Befunde der Eltern oder des eigenen Hundes mit. Zum rechtlichen Rahmen der Zucht gehört schließlich das Qualzuchtverbot des § 11b Tierschutzgesetz, das bei bekannten Erbkrankheiten auch für kleine Rassen gilt.
LenaLohnt sich eine Versicherung für eine Krankheit, die angeblich verschwunden ist? Jonas ReuterEs kommt aufs Detail an: Laut Website versichert Agria angeborene Krankheiten bei Abschluss vor dem vierten Monat, Allianz Petplan in Österreich schließt Erbliches aus.Entscheidungshilfe: Testen oder nicht – vier typische Situationen
Die folgenden Szenarien sind unsere Einordnung der Quellen, keine Vorgabe eines Verbands.
1. Sie kaufen einen Welpen aus einer etablierten Vereinszucht. Hier ist der PK-Status eine sinnvolle Nachfrage, aber nicht die erste. Bestehen Sie auf dem, was die Zuchtordnung verlangt – Fanconi-Zertifikat, Augen- und HD-Befund. Fragen Sie danach, ob die Elterntiere oder deren Vorfahren auf PK getestet wurden. Ein „Das macht heute niemand mehr“ ist nach Lage der Literatur keine verdächtige Antwort.
2. Sie züchten selbst und setzen Importhunde oder Hunde unklarer Herkunft ein. Hier spricht am meisten für einen Test. Laut BCOA wurden die jüngsten Importe aus Afrika vor der Aufnahme ins AKC-Zuchtbuch per DNA getestet, und die Lehre von 1991 ist, dass eine Variante unbemerkt in mehreren Linien überdauern kann. Im Paket beträgt der Aufpreis für PK bei Genomia 37 €, bei LABOGEN kostet das Dreierpaket mit 96 € so viel wie zwei Einzeltests zum Züchterpreis (und weniger als zwei zum Besitzerpreis).
3. Ihr Hund ist ein Träger. Ein Träger ist gesund. Aus der Zucht muss er nach rezessiver Logik nicht zwingend ausscheiden; entscheidend ist, dass er nur mit einem freien Partner verpaart wird. Bei einer Rasse mit 29 VDH-Welpen im Jahr kann der pauschale Ausschluss aller Träger die genetische Vielfalt stärker einengen als die Erkrankung selbst. Die Entscheidung sollte mit der Zuchtleitung besprochen werden.
4. Ihr Basenji ist blutarm. Dann zählt nicht der Gentest, sondern die Tierärztin. Der BCOA hält bei einem heutigen Basenji eine nicht erbliche hämolytische Anämie für die wahrscheinlichere Ursache. Der PK-Gentest kann helfen, eine Ursache auszuschließen oder zu bestätigen, aber die Diagnose ergibt sich erst aus Blutbild, Coombs-Test, Ausschluss von Infektionen und dem klinischen Gesamtbild.
Gemeinsam ist allen vier Fällen: Der Basenji-PK-Test prüft genau eine Variante, c.433del. Ein negativer Befund ist eine gute Nachricht über diese Variante – nicht über die Gesundheit des Hundes insgesamt.
Häufige Fragen
Q. Verlangt der deutsche Basenji-Verein einen PK-Test für Welpen oder Elterntiere?
Nein. Die Zuchtordnung des 1. Basenji Klub Deutschland (Stand November 2025) verlangt Untersuchungen auf Hüftgelenksdysplasie, Augenerkrankungen und das Fanconi-Syndrom, erwähnt den Pyruvatkinase-Mangel aber nicht. Auch der ÖKV in Österreich und die SKG in der Schweiz verlangen ihn nicht.
Q. Ist der PK-Mangel beim Basenji wirklich ausgerottet?
Das ist nicht bewiesen. Gultekin und Kollegen schrieben 2012, die Variante scheine aus der Rasse verschwunden, weil keine betroffenen Hunde mehr auffallen; eine formale Prävalenzstudie gibt es aber nicht. Der BCOA spricht von „virtually eliminated“ und nennt einige verbliebene Träger.
Q. Ist ein positiver Gentest eine Diagnose?
Nein. Der Gentest zeigt, ob ein Hund die Variante c.433del trägt. Ob eine bestehende Blutarmut darauf zurückgeht, beurteilt die Tierärztin oder der Tierarzt anhand von Blutbild, Coombs-Test und Ausschlussdiagnostik. Diagnose und Behandlung gehören in tierärztliche Hände.
Q. Kann ich für meinen Basenji einen PK-Test für Westies oder Labradore verwenden?
Nein. Beim Hund hat jede betroffene Rasse ihre eigene Variante. PennGen weist ausdrücklich darauf hin, dass alle Tests rassespezifisch sind. Achten Sie darauf, dass Basenji oder die Mutation c.433del in der Testbeschreibung steht.
Q. Kann ein an PK-Mangel erkrankter Basenji mit einer Knochenmarktransplantation geheilt werden?
In Forschungsstudien aus den 1970er- und 1980er-Jahren wurde die Anämie bei PK-defizienten Basenjis durch Knochenmarktransplantation korrigiert. Das waren Experimente, kein etabliertes Behandlungsverfahren. Über Therapiemöglichkeiten entscheidet eine Fachklinik.
Q. Was kostet der Test in Deutschland?
Laut LABOGEN-Katalog (Juli 2026, inkl. 19 % MwSt.) 63,00 € für Besitzer und 48,00 € für Züchter; das Paket mit Fanconi und Bas-PRA1 kostet 96,00 €. CombiBreed verlangt 57,48 € zuzüglich 3,95 € Versand, Genomia 58,00 €.
Quellen
- Tasker JB, Severin GA, Young S, Gillette EL (1969). Familial anemia in the Basenji dog. Journal of the American Veterinary Medical Association 154(2):158-165. PMID 5812576
- Searcy GP, Miller DR, Tasker JB (1971). Congenital hemolytic anemia in the Basenji dog due to erythrocyte pyruvate kinase deficiency. Canadian Journal of Comparative Medicine 35(1):67-70. PMID 4251418
- Weiden PL, Storb R, Graham TC, Schroeder ML (1976). Severe hereditary haemolytic anaemia in dogs treated by marrow transplantation. British Journal of Haematology 33(3):357-362.
- Weiden PL, Hackman RC, Deeg HJ, Graham TC, Thomas ED, Storb R (1981). Long-term survival and reversal of iron overload after marrow transplantation in dogs with congenital hemolytic anemia. Blood 57(1):66-70.
- Giger U, Noble NA (1991). Determination of erythrocyte pyruvate kinase deficiency in Basenjis with chronic hemolytic anemia. Journal of the American Veterinary Medical Association 198(10):1755-1761. PMID 2071475
- Whitney KM, Goodman SA, Bailey EM, Lothrop CD Jr (1994). The molecular basis of canine pyruvate kinase deficiency. Experimental Hematology 22(9):866-874. PMID 7520391
- Whitney KM, Lothrop CD Jr (1995). Genetic test for pyruvate kinase deficiency of Basenjis. Journal of the American Veterinary Medical Association 207(7):918-921. PMID 7559024
- Takatu A, Nash RA, Zaucha JM, Little MT, Georges GE, Sale GE, Zellmer E, Kuhr CS, Lothrop CD Jr, Storb R (2003). Adoptive immunotherapy to increase the level of donor hematopoietic chimerism after nonmyeloablative marrow transplantation for severe canine hereditary hemolytic anemia. Biology of Blood and Marrow Transplantation 9(11):674-682.
- Inal Gultekin G, Raj K, Foureman P, Lehman S, Manhart K, Abdulmalik O, Giger U (2012). Erythrocytic pyruvate kinase mutations causing hemolytic anemia, osteosclerosis, and secondary hemochromatosis in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine 26(4):935-944.
- OMIA 000844-9615: Pyruvate kinase deficiency of erythrocyte in Canis lupus familiaris (dog). Online Mendelian Inheritance in Animals, University of Sydney (accessed 2026-10-03).
- PennGen, University of Pennsylvania School of Veterinary Medicine. Pyruvate Kinase (PK) Deficiency (test id 30) (accessed 2026-10-03).
- Basenji Club of America. Basenji health (conditions reference / recommended testing) (accessed 2026-10-03).
- 1. Basenji Klub Deutschland von 1977 e. V.: Zuchtordnung, Stand November 2025 (abgerufen 03.10.2026)
- Verband für das Deutsche Hundewesen: Welpenstatistik (abgerufen 03.10.2026)
- Österreichischer Kynologenverband: Zuchtvoraussetzungen für ÖKV betreute Rassen, gültig ab 01.01.2025 (abgerufen 03.10.2026)
- Schweizerische Kynologische Gesellschaft: Verzeichnis der Rassen – Grüne Weisungen, Stand 28.10.2025 (abgerufen 03.10.2026)
- LABOGEN: Preiskatalog Genetik Deutschland, Juli 2026 (abgerufen 03.10.2026)
- Genomia s.r.o.: PK deficiency in basenji (abgerufen 03.10.2026)
- CombiBreed (Certagen GmbH): Pyruvatkinase-Mangel (PKDef) – Basenji, H445 (abgerufen 03.10.2026)
- § 477 BGB – Beweislastumkehr (abgerufen 03.10.2026)
- BGH, Urteil vom 15.11.2006, VIII ZR 3/06 (abgerufen 03.10.2026)
- Allianz Elementar: All in one – Petplan, Produktinformationsblatt, Stand 11/2025 (abgerufen 03.10.2026)
- Calingo Insurance AG: AVB Unfall- und Krankenversicherung für Hunde und Katzen, Ausgabe Dezember 2025 (abgerufen 03.10.2026)
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich PK-Mangel beim Hund (PKLR) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
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