Fazit: Beim Norwegischen Elchhund geht ein erblicher Typ des primären Offenwinkelglaukoms (POAG) auf die Variante p.A387T im Gen ADAMTS10 zurück, die eine Arbeitsgruppe der Universität Helsinki 2014 beschrieb. In Proben aus Finnland, Norwegen, Schweden, Großbritannien und den USA trug etwa jeder vierte Elchhund eine Kopie (25,3 %) – das ist eine Trägerquote, keine Erkrankungsquote: Der Erbgang ist autosomal-rezessiv, Träger erkranken nicht. Aufgefallen ist die Krankheit im Schnitt erst mit 6,5 Jahren, obwohl der Augeninnendruck früher steigt; im Frühstadium ist der Kammerwinkel offen, eine unauffällige Gonioskopie kann diesen Typ im Frühstadium deshalb nicht sicher ausschließen. Der Gentest (LABOKLIN Nr. 8452: 63,00 € für Besitzer, 48,00 € für Züchter, Katalog Juli 2026) liefert Risikoinformation für die Zucht, keine Diagnose, und ein „freier“ Hund kann trotzdem an einer anderen Glaukomform erkranken. Ob ein Hund ein Glaukom hat, klärt die Tierärztin oder der Tierarzt mit Augeninnendruckmessung und Augenuntersuchung. Ein plötzlich rotes, schmerzendes Auge oder eine weit offen stehende Pupille gehört noch am selben Tag in die Praxis.
- Wenn der Jäger das Wild zu spät bemerkt – wie das Elchhund-Glaukom auffällt
- Gleiches Gen, andere Stelle: der Befund der Lohi-Gruppe
- Jeder vierte Elchhund ein Träger – warum das keine Krankheitsquote ist
- Offener Winkel, unauffälliger Befund – die Grenzen der Gonioskopie
- DCNH-Zuchtordnung und VDH-Zahlen: der Elchhund im deutschen Regelwerk
- Welche Labore den Elchhund-Typ prüfen – Preise in Euro
- Vom Haustierarzt zur Augenspezialistin – Druckmessung und Kosten nach GOT
- Tierkrankenversicherung: wann AGILA, Barmenia und Figo Erbkrankheiten ausnehmen
- Was die Forschung beim Elchhund noch offenlässt
- Häufige Fragen
- Literatur
- So lassen Sie Ihr Tier testen
Wenn der Jäger das Wild zu spät bemerkt – wie das Elchhund-Glaukom auffällt
Der Norwegische Elchhund zählt zu den nordischen Jagdhunden. Für einen Hund, der draußen Wild wahrnehmen soll, ist ein weites Gesichtsfeld Arbeitswerkzeug. Gerade dort setzt das Glaukom an, das die Arbeitsgruppe um Lohi an der Universität Helsinki beschrieben hat. Wie die Helsinki-Autoren in der Einleitung ihrer 2014 in PLoS ONE veröffentlichten Studie unter Berufung auf eine frühere Studie von 1997 zusammenfassen, beginnt die Krankheit mit einem nur leicht erhöhten Augeninnendruck bei normal weitem Ziliarspalt (offener Kammerwinkel), und zuerst leidet das periphere Sehen. Wer seinen Hund vor allem in Haus und Garten erlebt, bemerkt das kaum; Hunde gleichen Ausfälle am Rand des Gesichtsfelds lange aus.
Die klinischen Zahlen der Studie zeigen, wie weit die Krankheit sich entwickeln kann. Gemessen wurden bei erkrankten Elchhunden Augeninnendrücke zwischen 25 und 86 mmHg; als normal gelten nach Angabe der Autoren 10 bis 20 mmHg. Die Erkrankung betraf beide Augen und führte fortschreitend bis zur vollständigen Erblindung. Das mittlere Alter bei der Diagnose lag bei 6,5 Jahren. Die Autoren betonen allerdings, dass der tatsächliche Beginn deutlich früher liegen kann – auffällig wird der Hund oft erst, wenn seine Jagdleistung nachlässt.
Im weiteren Verlauf verändert sich das Auge sichtbar. Dieselbe Zusammenfassung beschreibt, dass sich der Ziliarspalt später verengt, die Linse sich sekundär aus ihrer Aufhängung löst (Subluxation), Haab-Linien in der Hornhaut, Linsentrübungen und schließlich ein vergrößerter Augapfel (Buphthalmus) auftreten. Eine pathologische Untersuchung von Oshima, Bjerkås und Peiffer (2004) an 22 Glaukomaugen von Elchhunden hatte schon zehn Jahre vor der Genentdeckung ein eigenes Bild gezeichnet: Alle erkrankten Augen zeigten Entwicklungsstörungen im Kammerwinkelbereich, die Autoren ordneten den Befund als „open-angle, closed-cleft glaucoma“ ein – offener Winkel, verschlossener Spalt dahinter. Den Genotyp dieser Hunde kannte damals niemand.
Dass der Elchhund überhaupt als Glaukomrasse gilt, beruht auf älteren Statistiken. Eine Auswertung nordamerikanischer Universitätskliniken (Gelatt und MacKay, 2004) fand für 1994 bis 2002 bei vorgestellten Elchhunden einen Anteil von 1,98 % mit primärem Glaukom, gegenüber 0,89 % über alle Rassehunde. Diese Zahl unterscheidet nicht zwischen offenem und geschlossenem Winkel und stammt aus Klinikpatienten, nicht aus der Gesamtpopulation. Schon eine Studie aus den Jahren 1979 bis 1983 (Slater und Erb, 1986) hatte den Elchhund unter acht Rassen mit erhöhtem Risiko gegenüber Mischlingen geführt.
Gleiches Gen, andere Stelle: der Befund der Lohi-Gruppe
Für die Genetik reichte der Arbeitsgruppe aus Helsinki, dem Folkhälsan-Institut sowie Kollegen der Michigan State University und der University of Pennsylvania eine erstaunlich kleine Vergleichsgruppe. In einer genomweiten Assoziationsstudie mit 9 erkrankten und 8 gesunden Elchhunden grenzten sie den verantwortlichen Abschnitt auf rund 750 Kilobasen auf Chromosom 20 ein. Dort lag ein bekannter Kandidat: ADAMTS10.
Das Gen war in der Glaukomforschung kein Unbekannter. Drei Jahre zuvor hatte eine Gruppe der Vanderbilt University in einer Forschungskolonie eine Veränderung in demselben Gen als Ursache eines erblichen Offenwinkelglaukoms identifiziert, und zwar beim Beagle (Variante G661R in Exon 17). Beim Elchhund fanden die Finnen etwas anderes: eine Missense-Variante in Exon 9 (c.1441G>A, p.A387T), gelegen in der katalytischen Metalloprotease-Domäne des Proteins. Gleiches Gen, aber eine andere Stelle – und damit ein anderer Test.
Was tut dieses Gen im Auge? ADAMTS10 bildet ein Enzym, das außerhalb der Zellen arbeitet und sich mit Fibrillin-Mikrofibrillen verbindet. Die Vanderbilt-Gruppe wies das Protein bevorzugt im Trabekelwerk nach, also dort, wo das Kammerwasser aus dem Auge abfließt. Aus diesen Befunden leiteten Kuchtey und Kuchtey (2014) die sogenannte Mikrofibrillen-Hypothese ab: Fehlerhafte Mikrofibrillen könnten eine Grundursache des Glaukoms sein. Das ist ein Forschungsmodell, kein Behandlungsansatz für den Hund.
Wichtig für Halter ist ein weiterer Befund der Helsinki-Studie. Die Variante A387T fand sich bei keinem von 71 Hunden aus 17 anderen Rassen mit Glaukom oder Linsenluxation und bei keinem von 115 gesunden Hunden aus sechs weiteren Rassen. Sie ist rassespezifisch. Eine Übersichtsarbeit von Graham, McCowan und White (2017) fasst die Lage allgemein zusammen: Glaukom-Varianten unterscheiden sich zwischen Rassen und sogar innerhalb einer Rasse, weshalb ein Gentest kein Glaukom-Screening für alle Hunde sein kann.
Jeder vierte Elchhund ein Träger – warum das keine Krankheitsquote ist
Lena25 Prozent klingt alarmierend. Heißt das, jeder vierte Elchhund wird blind? Jonas ReuterNein. Die 25,3 Prozent der Helsinki-Studie sind Träger mit einer Kopie. Erkranken können beim rezessiven Erbgang nur Hunde, die die Variante von beiden Eltern erbten.Die vielleicht wichtigste Zahl der Studie ist zugleich die am leichtesten missverstandene. Untersucht wurden Proben von insgesamt 596 Norwegischen Elchhunden aus Finnland, Norwegen, Schweden, Großbritannien und den USA, darunter 16 erkrankte Hunde. In der Gruppe der gesunden Hunde ergab sich eine Trägerfrequenz von 25,3 %; die Arbeit nennt dafür 151 Träger bezogen auf 596 Hunde, während die Zusammenfassung von 572 nicht betroffenen Hunden spricht. Belastbar ist die Aussage: ungefähr jeder vierte untersuchte Elchhund trug eine Kopie.
Der Erbgang ist autosomal-rezessiv. Das zeigte sich schon in den Stammbäumen: Erkrankte Hunde stammten von gesunden Eltern, und in einem Wurf waren teils mehrere Geschwister betroffen. Für die Praxis heißt das:
- Frei (zwei unveränderte Kopien): Dieser Hund kann die Variante nicht weitergeben.
- Träger (eine Kopie): Der Hund erkrankt an diesem Glaukomtyp nicht, vererbt die Variante aber im Mittel an die Hälfte seiner Welpen.
- Zwei Kopien: Der Hund hat das genetische Risiko für das ADAMTS10-Glaukom. Wann und wie stark es sich zeigt, ist nicht vorherzusagen.
Werden zwei Träger miteinander verpaart, erbt nach den Mendel-Regeln im Mittel jeder vierte Welpe zwei Kopien. Bei einer Trägerquote in dieser Größenordnung ist eine solche Verpaarung ohne Test kein exotischer Zufall.
Die Studie zeigt aber auch die Grenzen des Tests in beide Richtungen. Ein Hund mit zwei Kopien war mit 5 Jahren noch ohne Glaukomzeichen; die Autoren halten eine weitere Beobachtung für nötig, da das mittlere Diagnosealter bei 6,5 Jahren liegt. Umgekehrt trugen 2 von 7 zusätzlich gemeldeten erkrankten Elchhunden die Variante nicht doppelt. Die Unterlagen dieser Hunde waren lückenhaft, die Autoren vermuten ein sekundäres Glaukom. Ein Testergebnis „frei“ bedeutet deshalb nur: Dieser eine erbliche Typ ist nicht angelegt. Andere Glaukomformen, etwa nach Entzündungen oder Verletzungen, erfasst der Test nicht.
Eine Lücke betrifft den deutschsprachigen Raum direkt: Die Stichprobe enthielt keine Hunde aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Eine veröffentlichte Trägerquote für DACH gibt es nicht.
Offener Winkel, unauffälliger Befund – die Grenzen der Gonioskopie
LenaUnsere Hündin hatte letztes Jahr eine Augenuntersuchung ohne Befund. Ist das damit erledigt? Jonas ReuterLeider nicht ganz. Laut der Einleitung der Helsinki-Arbeit ist der Ziliarspalt bei diesem Glaukom anfangs normal weit. Ein unauffälliger Winkelbefund kann das Frühstadium nicht sicher ausschließen.Um das Problem zu verstehen, hilft ein Blick auf die Systematik. Das European College of Veterinary Ophthalmologists (ECVO) hält in seinen Definitionen fest, dass Diagnose und Einteilung eines Glaukoms die Messung des Augeninnendrucks (Tonometrie) und die Untersuchung des Kammerwinkels (Gonioskopie) erfordern. Beides zusammen also – und zusätzlich, so das ECVO, gibt es für bestimmte Rassen DNA-Tests auf POAG.
Die Zucht-Augenuntersuchung in Deutschland deckt davon nur einen Teil ab. Das deutsche Panel ist der Dortmunder Kreis (DOK), dessen Richtlinien sich an den ECVO-Vorgaben orientieren. Die Standarduntersuchung besteht aus Spaltlampe vor und nach Pupillenerweiterung sowie indirekter Ophthalmoskopie. Eine Gonioskopie ist nur für eine Liste bestimmter Rassen vorgesehen, je nach Vorgaben des Zuchtvereins fakultativ oder verpflichtend – der Norwegische Elchhund steht nicht auf dieser Liste. Eine Augeninnendruckmessung wird in der Programmbeschreibung nicht genannt.
Wie verlässlich die Gonioskopie selbst ist, hat ein Team in der Schweiz untersucht (Holz und Kollegen, 2026): Zwei ECVO-Spezialisten beurteilten unabhängig voneinander 60 Hunde nach dem ECVO-Schema von 2022. In 58 von 60 Fällen (97 %) kamen sie zur gleichen Zuchtempfehlung. Die Methode ist also gut reproduzierbar – sie misst aber vor allem die Anlage des Kammerwinkels, das typische Kennzeichen des Winkelblockglaukoms. Beim ADAMTS10-Glaukom des Elchhunds gilt der Ziliarspalt im Frühstadium als normal weit, auch wenn Oshima und Kollegen (2004) in erkrankten Augen Entwicklungsstörungen im Kammerwinkelbereich fanden. Ein unauffälliger Gonioskopiebefund kann diesen Typ deshalb im Frühstadium nicht sicher ausschließen; die Verengung des Ziliarspalts wird erst für den späteren Verlauf beschrieben.
Das heißt nicht, dass die Zucht-Augenuntersuchung nutzlos wäre: Sie ist auf andere erbliche Augenleiden ausgerichtet, die die DCNH-Zuchtordnung nennt – etwa PRA oder „HC/grauer Star“ –, und sie bewertet Befunde wie eine Linsenluxation. Für das ADAMTS10-Glaukom liefert der Gentest eine Information, die die Augenuntersuchung im Zuchtalter nicht liefern kann – und umgekehrt kann der Gentest keinen einzigen Befund am Auge ersetzen.
DCNH-Zuchtordnung und VDH-Zahlen: der Elchhund im deutschen Regelwerk
In Deutschland betreut der Deutsche Club für Nordische Hunde (DCNH) innerhalb des VDH beide Schläge, den grauen und den schwarzen Norwegischen Elchhund. Die Zuchtordnung des DCNH (gültig ab 1. Oktober 2024) zählt „erbliche Augenkrankheiten, (z.B. PRA, Primärglaukom, HC/grauer Star)“ zu den zuchtausschließenden Fehlern. Für alle Zuchthunde ist eine Augenuntersuchung (AU) Pflicht, frühestens mit 12 Monaten, durchgeführt von DOK-Tierärzten oder vergleichbar qualifizierten Untersuchern; Befunde ECVO-zertifizierter Tierärzte aus dem Ausland werden anerkannt. Eine hochgradige Kammerwinkelanomalie und eine Linsenluxation bedeuten Zuchtverbot, eine Gonioskopie ist aber ausdrücklich nicht verpflichtend.
Einen POAG- oder ADAMTS10-Gentest schreibt die Zuchtordnung nicht vor; eine Volltextsuche nach beiden Begriffen ergibt keinen Treffer. Auch der rassespezifische Anhang für den grauen Elchhund (Stand November 2020) nennt keinen Gentest. Er regelt: Die AU gilt drei Jahre und muss für Rüden ab dem 8. Lebensjahr nicht wiederholt werden; Rüden dürfen ab dem 12., Hündinnen ab dem 18. Lebensmonat in die Zucht. Legt man daneben das mittlere Diagnosealter von 6,5 Jahren aus der Helsinki-Studie, wird die Lücke sichtbar: Ein Hund kann mehrere unauffällige AU-Befunde haben und mehrere Würfe hinter sich, bevor ein Glaukom dieses Typs bemerkt wird. Die Zuchtordnung sieht in § 4.5 immerhin vor, dass molekulargenetische Ergebnisse auf Antrag Zuchtbeschränkungen aufheben können.
Wie klein die Population in Deutschland ist, zeigt die Welpenstatistik des VDH: Für 2025 sind beim grauen und beim schwarzen Elchhund jeweils 0 Welpen verzeichnet, bei 55.053 Welpen aller Rassen. Der letzte eingetragene Wurf grauer Elchhunde im Zeitraum stammt aus 2022 (3 Welpen); beim schwarzen Schlag finden sich etwa 7 Welpen 2019, 5 im Jahr 2015 und 7 im Jahr 2012. Die Statistik umfasst nur VDH-Mitgliedsvereine. Wie viele Elchhunde außerhalb davon in Deutschland leben, ist nicht erfasst. Bei so wenigen Würfen hat jede einzelne Verpaarung Gewicht für die Rasse.
Der gesetzliche Rahmen ist allgemein gefasst. § 11b Abs. 1 Nr. 1 Tierschutzgesetz verbietet, Wirbeltiere zu züchten, soweit züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass bei der Nachzucht erblich bedingt Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen, untauglich oder umgestaltet sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten; nach Abs. 2 kann die Behörde das Unfruchtbarmachen anordnen. § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung verbietet, Hunde mit solchen erblich bedingten Veränderungen auszustellen, und gilt entsprechend für andere Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen, geprüft oder beurteilt werden. Ob und wann das ADAMTS10-Glaukom darunter fällt, regelt keine dieser Normen ausdrücklich; das ist eine Frage für Behörden und Gerichte, nicht für einen Gentest.
Welche Labore den Elchhund-Typ prüfen – Preise in Euro
Wer einen Elchhund testen lassen will, muss beim Bestellen genauer hinsehen als bei den meisten Erbkrankheiten. Das liegt an der Nummerierung bei LABOKLIN in Bad Kissingen. Im Preiskatalog Genetik Deutschland (Juli 2026) steht unter Nr. 8452 „Primäres Weitwinkel-Glaukom (POAG)“ ein einziger Eintrag für sechs Rassen: Basset Fauve de Bretagne, Basset Hound, Beagle, Kleiner Basset Griffon Vendeen, Norwegischer Elchhund und Ostsibirischer Laika. Die Produktseite schlüsselt auf, dass sich dahinter verschiedene Gene verbergen: Für den Elchhund wird ADAMTS10 untersucht, für die Basset-Rassen dagegen ADAMTS17 – jenes Gen, das bei ihnen sowohl ein Offenwinkelglaukom als auch Linsenluxationen verursachen kann (Oliver und Kollegen, 2015). Die Rasse auf dem Auftragsformular entscheidet also, was tatsächlich geprüft wird.
| Anbieter | Test | Preis | Dauer |
|---|---|---|---|
| LABOKLIN/LABOGEN (Bad Kissingen) | Nr. 8452 POAG, Rasse Norwegischer Elchhund | 63,00 € Besitzer / 48,00 € Züchter, inkl. 19 % MwSt | 7–14 Werktage (Katalog), 5–7 Werktage (Produktseite) |
| Genomia (Pilsen, Tschechien) | „POAG in Norwegian Elkhounds“ | 56,00 US-Dollar ohne MwSt (Standardanzeige) | 12 Arbeitstage |
| Animalabs (Zagreb, Kroatien) | „POAG Norwegian Elkhound Type“ | 54,90 € inkl. MwSt | keine Angabe abgerufen |
Der Züchterpreis bei LABOKLIN gilt laut Katalog gegen Vorlage einer aktuellen Mitgliedsbescheinigung eines Zuchtverbands. Ein eigenes Rassepaket für den Elchhund enthält der Katalog nicht. Probenmaterial ist laut Produktseite 0,5 ml EDTA-Blut, zwei Backenabstriche oder ein Spezialabstrich; Testkits verschickt LABOGEN innerhalb Deutschlands und der EU kostenfrei als Warensendung, ein Expressversand nach Österreich kostet 8,00 €. Bezahlt wird per PayPal, Kreditkarte oder SEPA-Lastschrift. Genomia bietet auf seiner deutschsprachigen Testseite zusätzlich Kombinationen mit PRA-prcd, Ataxie und – beim grauen Schlag – Chondrodysplasie an. Einen Euro-Preis für Genomia konnten wir nicht abrufen.
Zwei Warnungen zum Bestellen. Erstens: Tests mit dem Zusatz „Beagle Type“ prüfen die Beagle-Variante an anderer Stelle des Gens und sagen über den Elchhund nichts aus. Zweitens: Breite Rassepanels sind nicht automatisch vollständig. Im Analyseverzeichnis des FERAGEN DogCheck 4.0 aus Salzburg (ab 124,90 €) sind POAG-Einträge nur für andere Rassen gelistet, für den Norwegischen Elchhund nicht. Wer ein solches Panel nutzt, sollte vor der Probenahme prüfen, ob der Elchhund-Typ wirklich enthalten ist. Das Handbuch des ECVO führte 2021 für die Elchhund-Variante p.A387T die Anbieter LABOKLIN, Orivet und Paw Print Genetics.
Ein Gentest ersetzt keine Untersuchung des Auges, auch wenn manche Laborseiten den Eindruck erwecken, frühes Erkennen könne die Erblindung sicher verhindern. Der Befund ist eine Information über das Erbgut, die Ihre Tierärztin oder Ihr Tierarzt in die Beurteilung einbezieht.
Vom Haustierarzt zur Augenspezialistin – Druckmessung und Kosten nach GOT
LenaWenn mein Hund zwei Kopien hat – was passiert dann konkret beim Tierarzt? Jonas ReuterDann wird gemessen statt geschätzt. Nach der ECVO-Definition braucht eine Glaukomdiagnose Augeninnendruck und Kammerwinkelbefund. Ein Genbefund ist ein Grund, früh hinzuschauen.Der Weg beginnt in der Regel in der Haustierarztpraxis. Für die genauere Abklärung überweisen viele Praxen an eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit der Zusatzbezeichnung Augenheilkunde – nach der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundestierärztekammer ist „Augenheilkunde Kleintier“ eine Zusatzbezeichnung – oder an einen ECVO-Diplomate. Das ECVO veröffentlicht eine Liste und Landkarte seiner Diplomates; die DOK-Website eine Untersucherliste nach Postleitzahlen. Bringen Sie den Laborbefund und frühere AU-Bescheinigungen mit.
Die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) vom 15. August 2022 nennt die einzelnen Leistungen im einfachen Satz, ohne Umsatzsteuer:
- Nr. 754 Augeninnendruckmessung: 12,82 € je Auge
- Nr. 755 Kammerwinkeluntersuchung (Gonioskopie): 12,57 € je Auge
- Nr. 753 Spaltlampenuntersuchung: 16,20 € je Auge
- Nr. 757 indirekte Augenhintergrunduntersuchung: 15,39 € je Auge
- Nr. 758 Fotografie des Augenhintergrundes: 18,00 €
Für beide Augen ergibt die Druckmessung im einfachen Satz also 25,64 €. Abgerechnet wird nach § 2 GOT zwischen einfachem und dreifachem Satz, dazu kommen Umsatzsteuer und gegebenenfalls Untersuchungs- und Beratungsleistungen. Wie oft ein Hund mit zwei Kopien kontrolliert werden sollte, legt die behandelnde Praxis fest; eine allgemeingültige Empfehlung dazu enthält keine der hier ausgewerteten Studien.
Was bei einem gesicherten Glaukom möglich ist, beschreiben Übersichtsarbeiten nüchtern. Komáromy und Kollegen (2019) schreiben, dass es trotz wachsender medikamentöser und chirurgischer Möglichkeiten keine Therapie gibt, die die Krankheit beseitigt, dass viele betroffene Hunde erblinden und das Auge wegen schmerzhaft unkontrollierbaren Drucks oft entfernt werden muss. Die Senkung des Augeninnendrucks ist laut Park und Komáromy (2021) die einzige Behandlung, für die eine Verlangsamung des Fortschreitens belegt ist. Welche Mittel in welcher Form eingesetzt werden, entscheidet ausschließlich die Tierärztin oder der Tierarzt.
Notfall: Ist ein Auge plötzlich gerötet, wirkt es schmerzhaft oder bleibt eine Pupille weit offen, warten Sie nicht auf einen Routinetermin. Ein Glaukom kann zur Erblindung führen; der Hund gehört noch am selben Tag in eine Praxis oder Tierklinik.
Tierkrankenversicherung: wann AGILA, Barmenia und Figo Erbkrankheiten ausnehmen
Ein positiver Gentest wirft für Versicherte eine praktische Frage auf: Gilt die Anlage als bekannte Vorerkrankung? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber die Bedingungen von drei Anbietern zeigen, worauf es ankommt. Das Glaukom wird in keinem der ausgewerteten Bedingungswerke namentlich erwähnt.
Das AGILA-Vertragswerk (Stand 15. Juli 2026) versichert gesunde Hunde aller Rassen ab acht Wochen. Nach § 10 Nr. 13 sind Behandlungen von bei Vertragsabschluss bereits bestehenden (Vor-)Erkrankungen „inkl. angeborenen Defekten und Krankheiten“ ausgeschlossen, wenn sie dem Versicherungsnehmer bekannt waren, von einem Tierarzt vermerkt wurden oder erkennbare Symptome bestanden – samt Folge- und Begleiterkrankungen.
Die Barmenia-Tierkrankenversicherung (Bedingungen A3688, Stand 1. Januar 2024) schließt in Ziffer 5.1 Krankheiten und „angeborene, genetisch bedingte oder erworbene Fehlentwicklungen“ aus, die bis zum Beginn des Versicherungsschutzes bekannt geworden sind. Für bis dahin nicht bekannte Fehlentwicklungen besteht laut Bedingungen Versicherungsschutz.
Bei Figo (Fassung 01/2025, Risikoträger AGILA) sind vor oder zum Eingangsdatum bestehende Krankheiten einschließlich angeborener Krankheiten ausgeschlossen. Außerdem zählen DNA-Tests als Präventivleistung und werden nicht erstattet. Verschriebene Medikamente sind erstattungsfähig, werden aber jeweils für höchstens zwei Monate bewilligt – bei einer Erkrankung, die oft eine dauerhafte Drucksenkung verlangt, eine Klausel, die man kennen sollte.
Ob ein Genbefund mit zwei Kopien im Sinne dieser Klauseln als „bekannt“ oder „vermerkt“ gilt, entscheidet der Versicherer im Einzelfall. Wer einen Abschluss plant, liest die aktuelle Fassung vollständig und klärt die Frage vor dem Test schriftlich mit dem Anbieter. Über die Kosten einer langjährigen Glaukombehandlung in Deutschland liegen uns keine belastbaren Daten vor.
Was die Forschung beim Elchhund noch offenlässt
Die Helsinki-Studie hat die Ursache eines Glaukomtyps geklärt, aber vieles bleibt unbekannt. Die Trägerquote in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist nicht gemessen. Wie zuverlässig und in welchem Alter Hunde mit zwei Kopien erkranken, beruht auf 16 erkrankten Hunden und einem fünfjährigen Hund ohne Befund. Ob A387T die Aufhängung der Linse schwächt, ist offen; eine primäre Linsenluxation sahen die Autoren bei ihren Fällen nicht.
Auch die Epidemiologie im deutschsprachigen Raum hilft nur begrenzt. Die Universität Zürich wertete 1995 bis 2009 Daten von 5.984 Hunden aus und fand 123 primäre Glaukome mit einem mittleren Erkrankungsalter von 7,3 Jahren (Strom und Kollegen, 2011). Als Rassen mit Häufung nennt die Zusammenfassung Siberian Husky, Magyar Vizsla und Neufundländer – der Elchhund taucht dort nicht auf, was angesichts seiner Seltenheit in der Region kaum überrascht.
Schließlich fehlt eine Studie, die zeigt, dass ein früh entdecktes ADAMTS10-Glaukom beim Hund später zur Erblindung führt als ein spät entdecktes. Die Übersicht von Komáromy und Petersen-Jones (2015) sieht in Gentests ein Werkzeug, betroffene Hunde aus der Zucht herauszuhalten, und zudem eine Chance auf frühere Diagnosen. Das ist auch die ehrlichste Beschreibung dessen, was der Test für den Norwegischen Elchhund heute leisten kann.
Häufige Fragen
Q. Mein Elchhund ist Träger. Wird er an diesem Glaukom erkranken?
Nach allem, was die Helsinki-Studie zeigt, nicht: Das ADAMTS10-Glaukom des Elchhunds wird autosomal-rezessiv vererbt, erkranken können nur Hunde mit zwei Kopien. Ein Träger gibt die Variante aber im Mittel an die Hälfte seiner Welpen weiter. Andere Glaukomformen sind davon unabhängig, deshalb bleiben Augenkontrollen sinnvoll.
Q. Kann der Gentest ein Glaukom bei meinem Hund feststellen?
Nein. Er zeigt, ob die Variante p.A387T vorhanden ist – eine Risikoinformation, keine Diagnose. Ein Glaukom stellt die Tierärztin oder der Tierarzt fest, unter anderem mit Augeninnendruckmessung und Untersuchung des Kammerwinkels und des Augenhintergrunds.
Q. Ist mein Hund nach dem Ergebnis „frei“ vor grünem Star sicher?
Nein. „Frei“ bedeutet nur, dass dieser eine erbliche Typ nicht angelegt ist. In der Helsinki-Studie trugen 2 von 7 zusätzlich gemeldeten erkrankten Elchhunden die Variante nicht doppelt. Sekundäre Glaukome, etwa nach Entzündungen, erfasst der Test nicht.
Q. Reicht die Zucht-Augenuntersuchung beim DOK nicht aus?
Sie ist für andere erbliche Augenleiden wichtig und für die Zucht im DCNH Pflicht. Für das ADAMTS10-Glaukom hat sie eine Lücke: Der Ziliarspalt gilt im Frühstadium als normal weit, die Gonioskopie ist beim Elchhund nicht vorgeschrieben, und das mittlere Diagnosealter liegt mit 6,5 Jahren meist nach Beginn der Zuchtkarriere.
Q. Mein Elchhund stammt aus Skandinavien. Gilt die Trägerquote von 25,3 % für ihn?
Die Quote stammt aus Proben aus Finnland, Norwegen, Schweden, Großbritannien und den USA und beschreibt diese Stichprobe. Für einen einzelnen Hund sagt sie nichts aus; nur ein Test zeigt seinen Status. Zahlen für den deutschsprachigen Raum sind nicht veröffentlicht.
Q. Welchen Test bestelle ich, damit wirklich die Elchhund-Variante geprüft wird?
Wählen Sie einen Test, der ausdrücklich für den Norwegischen Elchhund ausgewiesen ist, und geben Sie die Rasse auf dem Auftrag korrekt an – bei LABOKLIN steht die Nr. 8452 auch für Rassen, bei denen ein anderes Gen untersucht wird. Tests mit dem Zusatz „Beagle Type“ sind für den Elchhund nicht geeignet.
Literatur
- Ahonen SJ, Kaukonen M, Nussdorfer FD, Harman CD, Komáromy AM, Lohi H (2014). A novel missense mutation in ADAMTS10 in Norwegian Elkhound primary glaucoma. PLoS ONE 9(11):e111941. Correction: PLoS ONE 10(2):e0118256 (2015).
- Kuchtey J, Olson LM, Rinkoski T, Mackay EO, Iverson TM, Gelatt KN, Haines JL, Kuchtey RW (2011). Mapping of the disease locus and identification of ADAMTS10 as a candidate gene in a canine model of primary open angle glaucoma. PLoS Genetics 7(2):e1001306.
- Kuchtey J, Kuchtey RW (2014). The microfibril hypothesis of glaucoma: implications for treatment of elevated intraocular pressure. Journal of Ocular Pharmacology and Therapeutics 30(2-3):170-180.
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- Gelatt KN, MacKay EO (2004). Prevalence of the breed-related glaucomas in pure-bred dogs in North America. Veterinary Ophthalmology 7(2):97-111.
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- Graham KL, McCowan C, White A (2017). Genetic and biochemical biomarkers in canine glaucoma. Veterinary Pathology 54(2):194-203.
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- Strom AR, Hässig M, Iburg TM, Spiess BM (2011). Epidemiology of canine glaucoma presented to University of Zurich from 1995 to 2009. Part 1: Congenital and primary glaucoma (4 and 123 cases). Veterinary Ophthalmology 14(2):121-126.
- Oliver JA, Forman OP, Pettitt L, Mellersh CS (2015). Two independent mutations in ADAMTS17 are associated with primary open angle glaucoma in the Basset Hound and Basset Fauve de Bretagne breeds of dog. PLoS ONE 10(10):e0140436.
- Komáromy AM, Bras D, Esson DW, Fellman RL, Grozdanic SD, Kagemann L, Miller PE, Moroi SE, Plummer CE, Sapienza JS, Storey ES, Teixeira LB, Toris CB, Webb TR (2019). The future of canine glaucoma therapy. Veterinary Ophthalmology 22(5):726-740.
- Park SA, Komáromy AM (2021). Biomechanics of the optic nerve head and sclera in canine glaucoma: A brief review. Veterinary Ophthalmology 24(4):316-325.
- Komáromy AM, Petersen-Jones SM (2015). Genetics of canine primary glaucomas. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice 45(6):1159-1182.
- LABOKLIN GmbH & Co. KG. Primary open angle glaucoma (POAG), LABOKLIN Service ID 8452 (product page). Accessed 2026-10-09.
- LABOKLIN/LABOGEN — Preiskatalog Genetik Deutschland, Juli 2026 (abgerufen 09.10.2026).
- LABOGEN — Primäres Weitwinkel-Glaukom (POAG), Produktseite (abgerufen 09.10.2026).
- LABOGEN — Versand und Zahlung (abgerufen 09.10.2026).
- Genomia s.r.o. — POAG in Norwegian Elkhounds, Testseite (abgerufen 09.10.2026).
- Animalabs — POAG Norwegian Elkhound Type, Produktseite (abgerufen 09.10.2026).
- FERAGEN — DogCheck 4.0, Erkrankungen und Merkmale (abgerufen 09.10.2026).
- European College of Veterinary Ophthalmologists — ECVO Manual, Chapter 10.1: Available tests for gene-based eye diseases (2021).
- European College of Veterinary Ophthalmologists — ECVO Manual, Chapter 5: Definitions (2023).
- Dortmunder Kreis (DOK) — Nationales Untersuchungsprogramm (abgerufen 09.10.2026).
- Bundestierärztekammer — Muster-Weiterbildungsordnung (abgerufen 09.10.2026).
- Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) vom 15. August 2022.
- Deutscher Club für Nordische Hunde e.V. — Zuchtordnung, gültig ab 01.10.2024.
- Deutscher Club für Nordische Hunde e.V. — Rassespezifischer Anhang Norwegischer Elchhund grau zur Zuchtordnung (Stand 02.11.2020).
- VDH — Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine (abgerufen 09.10.2026).
- Tierschutzgesetz, § 11b.
- Tierschutz-Hundeverordnung, § 10.
- AGILA — Vertragswerk Hundekrankenversicherung (Stand 15.07.2026).
- Barmenia — Bedingungen Tierkrankenversicherung A3688 (Stand 01.01.2024).
- FIGO — Versicherungsbedingungen, Fassung 01/2025.
So lassen Sie Ihr Tier testen
Manche Tier-DNA-Tests prüfen den Trägerstatus erblicher Erkrankungen oder genetische Risikomarker, aber die Ergebnisse sind Information, keine Diagnose. Bei Symptomen oder wenn eine gesicherte Diagnose nötig ist, wenden Sie sich bitte an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt.
Nachfolgend – nach Wohnort gruppiert –, wo sich Primäres Offenwinkelglaukom (ADAMTS10) testen lässt, samt Angabe, ob der Dienst diese Variante ausdrücklich listet (✅ = gelistet / ❓ = unbestätigt / ❌ = nicht angeboten).
Innerhalb der EU / in Deutschland
Außerhalb der EU
Hinweis: Auch wenn das Kit international gekauft/versandt werden kann, ist die Dienstleistung selbst (Probenrücksendung, Analyse, Ergebnisse) in Ihrem Land nicht garantiert. Prüfen Sie vor der Bestellung das angegebene Servicegebiet und den Rückversand jedes Anbieters.
In anderen Regionen angebotene Dienste (in Ihrer Region ggf. nicht verfügbar)
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